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Kommentiert: Zurück in die 50er!

Ein Kommentar von Marco Rose

Man kommt dieser Tage aus dem Staunen nicht mehr heraus: Da präsentiert der Bundeslandwirtschaftsminister ein in seiner geplanten Form völlig sinnloses Tierwohl-Label, während seine Kollegin aus dem Umweltressort Prügel für eine gut gemachte Umwelt- und Tierschutzkampagne bezieht. Ja, geht‘s noch?

Meinen CSU-Politiker, Großbauern und deren Lobbyvertreter etwa, mit ihrer lächerlichen, gespielten Entrüstung über originelle „Bauernregeln“ die Uhr um ein paar Jahrzehnte zurückdrehen zu können? Zurück zu seligen Zeiten, als sich Verbraucher noch nicht für Haltungsbedingungen und gesunde Ernährung interessierten? Die Geschichte wäre ja ganz lustig, steckte nicht ein dreckiges Geschäft dahinter.

0,75 Quadratmeter pro Schwein

Um es ganz klar zu sagen: Es geht in dieser Sache nicht um den kleinen Landwirt aus der Region, der mit ein paar Dutzend Rindern sowie dem Anbau von Rüben und ähnlichem ums Überleben kämpft. Slogans wie „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“ zielen eher auf Großmäster und solche Betriebe, die die Märkte mit Billigfleisch überschwemmen und denen Tierrechte wurscht sind, um im Bild zu bleiben. Die Kampagne appellierte letztlich vor allem an Verbraucher, mehr Geld für gute Produkte auszugeben.

Es ist schade, dass Ministerin Barbara Hendricks (SPD) dem Druck einiger Schreihälse nachgegeben hat. Die schweigende Mehrheit war auf ihrer Seite. Bedauerlich ist das auch deshalb, weil das geplante Tierwohl-Label solange eine Farce bleibt, wie sich die Produzenten vor der versprochenen Transparenz einfach drücken können. Denn das Label – so will es die CSU – bleibt freiwillig.

Nach derzeit gültiger Rechtslage stehen einem 120 Kilogramm schweren Mastschwein in konventioneller Haltung lediglich 0,75 (!) Quadratmeter an Platz zu. Das ist schlicht Barbarei. Wer Bilder aus derlei Stallungen sieht, dem vergeht die Lust auf das Billigschnitzel aus dem Supermarkt ganz schnell.

Den mittelständischen Landwirten sollte das eigentlich nur recht sein. Es gibt viele Beispiele dafür, dass ökologischer Landbau eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative gerade für kleinere Betriebe sein kann. Wer sich als Verbraucher mit der unklaren Herkunft von Supermarktware nicht abfinden will, der kauft sowieso am besten direkt vor Ort. Das nützt allen Beteiligten.

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