Sporter des Jahres Freisteller Sportlerwahl Sportlergala Freisteller
13560443.jpg

Kommentiert: Wo sind sie?

Ein Kommentar von Marco Rose

Nehmen wir einmal an, die Kontrahenten von Frauke Petry und Co. hießen noch Willy Brandt, Herbert Wehner oder Franz-Josef Strauß – und eben nicht Sigmar Gabriel, Angela Merkel oder Horst Seehofer.

Vermutlich wüssten wir dann nicht einmal, wer diese Frauke Petry überhaupt ist. Der Wähler würde sein Kreuzchen bei der SPD machen, wenn er sich sozial benachteiligt fühlte, oder eben bei CDU und CSU, wenn er der Meinung wäre, alles solle bitteschön so bleiben, wie es ist.

Doch diese seligen Zeiten sind ein für alle Mal vorbei. Die westliche Welt erlebt ein Zeitalter tiefgreifender Angst und Verunsicherung. Neben den Sorgen um die Sicherheit ist es vor allem die Angst vor der Globalisierung und einem damit drohenden sozialen Abstieg, die die Menschen von Washington bis Wiesbaden und Warschau umtreibt. Angst, die sie für jene empfänglich macht, die mit einfachen Botschaften zu begeistern wissen oder es den Etablierten einfach mal zeigen wollen – wie eben Donald Trump, Marine Le Pen oder mit starken Abstrichen auch Frauke Petry.

Solche Ängste finden sich gleichfalls in der deutschen Mittelschicht, wie die neue Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt. Wer AfD wählt, hat zwar laut Statistik eher selten einen Hochschulabschluss. Aber diese Wähler sind deshalb beileibe nicht dumm. Sie wissen oder spüren zumindest genau, wer sich für sie einsetzt und wer nicht. Sie merken, wenn es an politischer Leidenschaft fehlt; wenn das Mandat nur noch zum reinen Broterwerb oder Machterhalt dient; wenn Begriffe wie „soziale Gerechtigkeit“ und „Wohlstand für alle“ zu reinen Worthülsen degradiert werden.

Wo sind denn die starken linken Führungspersönlichkeiten, auf die früher all jene setzen konnten, die sich abgehängt fühlten? Wo sind die konservativen Köpfe, denen die Wähler zutrauten, sich notfalls auch gegen den Zeitgeist zu stemmen? Wo die liberalen Querdenker? Deutsche Parteien werden längst von einem anderen Typus Politiker bevölkert: Technokraten und Langweiler ohne jede Leidenschaft, ohne Visionen und Kraft.

Eine positive Botschaft

Gerade für die einst so stolze Sozialdemokratie ist es ein Armutszeugnis, dass ihr die Menschen nach Jahren der „Agendapolitik“ einfach nicht mehr abnehmen, für soziale Gerechtigkeit einzustehen. Wer, wenn nicht die Sozialdemokraten, soll denn dieses Feld besetzen? Die FDP etwa?

Die alarmierende Zustandsbeschreibung der Forscher hat allerdings eine positive Botschaft: Angst kann man den Menschen auch wieder nehmen. Wenn man sie mit ihren berechtigten Sorgen ernst nimmt, eindeutige politische Botschaften sendet und das dann auch konsequent umsetzt. Das wird allerdings Zeit brauchen – Zeit, die der Bundesregierung gerade davonläuft.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert