Velten

Kommentiert: „Wetten, dass..?“ schon lange am Tropf

Ein Kommentar von Christoph Velten

Jetzt ist es also Gewissheit. „Wetten, dass..?“ wird uns verlassen. Für immer.

Dreimal noch können wir Abschied nehmen, können von der Fernsehcouch aus Lebewohl sagen.  Jetzt ist es also Gewissheit. „Wetten, dass..?“ wird uns verlassen. Für immer. Dreimal noch können wir Abschied nehmen, können von der Fernsehcouch aus Lebewohl sagen. Mit einem Anflug von schlechtem Gewissen vielleicht, weil wir in den vergangenen Monaten und Jahren immer seltener zu Besuch waren. Aber so ist das mit den Alten. Sie gehen irgendwann, das ist allen bewusst. Nichts ist für die Ewigkeit. Diese Erkenntnis ist bisweilen genauso schwer zu ertragen, wie sie immanent ist. Jetzt heißt es Loslassen, Gehenlassen! Ein schwerer Weg, aber unausweichlich.

Nicht Markus Lanz hat die Sendung zu Grabe getragen. Es ist das Konzept der großen Samstagabendshow, das überholt ist. Das oft zitierte Lagerfeuer, an dem sich die ganze Familie versammeln, ist lange erloschen. Der nur noch glimmende Unterhaltungsdino lag schon lange am Tropf - schon unter der Federführung von Thomas Gottschalk. Die Sendung war schlicht aus der Zeit gefallen. Die eine Unterhaltungsshow für alle gibt es nicht mehr. So wenig wie es nur noch drei Sender im deutschen Fernsehen gibt, den einen Sportverein im Dorf oder den Tante-Emma-Laden um die Ecke.

Die Welt, in der wir leben, wird immer differenzierter, immer größer, globaler eben. Das Angebot ist derart riesig, dass eine Individualisierung zwangsläufig ist. Wer wollte sich da anmaßen, das eine Konzept in der Schublade zu haben, das alle vereint und auf einen Nenner bringt. Das ZDF hat es mit „Wetten, dass..?“ versucht, zu lange vielleicht. Es hat dem alten Konzept einen neuen Moderator zur Seite gestellt. Mehr aber auch nicht. Lanz war der personifizierte Konsens, kein Neuanfang, keine Revolution. Mehr Schein als Sein.

Das musste scheitern, weil so die Erinnerung an die gute alte Zeit stets im Subtext mitschwang. Weil die Menschen eben nicht an der Sendung selbst hingen, sondern an dem Gedanken, wie es einst gewesen war. Doch Zeit, die vergangen ist, lässt sich nicht wieder einfangen. Was nach jeder Sendung blieb, war auch ein Stück Traurigkeit.

Und weil es zudem teuer ist, Dinge, die im sterben liegen, künstlich am Leben zu erhalten, hat das ZDF jetzt den Stecker gezogen. Folgerichtig in einer Zeit, die um Effizienz bemüht ist. In der der Gebührenzahler erwartet, dass Aufwand und Ertrag gegengerechnet werden.

Auf Wiedersehen „Wetten, dass..?“. Wir werden Dich in Erinnerung behalten! Versprochen! Wirklich vermissen werden wir Dich nicht!

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