Kommentiert: Spieler und Blender

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Kommentiert: Spieler und Blender

Ein Kommentar von Heribert Förster

Der Ball rollt. Fußball wird seit Donnerstag wieder gespielt – im wahrsten Wortsinn.

Mann gegen Mann, Flanke hier, Einwurf dort. Eckball oder Abstoß? Unhaltbar oder Torwartfehler? Mann, ist das ‘ne Pflaume! Oh, mein Gott, dieser Schiri! Herrlich! Es ist Fußball-Weltmeisterschaft, und die fußballverrückte Welt ist in ihrem Element. Aber mit jeder Weltmeisterschaft wächst die Angst, dass da etwas aus dem Ruder läuft. In Brasilien finden die 20. Titelkämpfe statt, und auch wenn in Rio und São Paulo, in Manaus, Fortaleza und acht weiteren Orten gespielt wird, es geht längst nicht nur um Fußball.

Ja, es macht Spaß, die weltbesten Kicker im direkten Vergleich zu sehen. Und nein, es macht keinen Spaß, wenn man sich vom Spielfeld abwendet. Man sieht einen Weltverbands-Präsidenten Joseph Blatter, der sich feiern lässt und dem alles wurscht ist, was nicht in sein Weltbild passt; es sei denn, es blockiert die Geldvermehrungsmaschine.

Man wird Menschen sehen, die zu Recht auf die Straße gehen, weil sie es einfach nicht begreifen können, dass man dermaßen sinnfrei Protzbauten in die Welt setzt, die in vier Wochen (fast) nirgendwo mehr gebraucht werden. Die Hinweise auf Armut, auf Missstände im Bildungs- und Gesundheitswesen werden uns begleiten, auch wenn das inszenierte Bild von Lebensfreude und Fröhlichkeit die Oberhand behalten wird.

Papst Franziskus würdigte in einer Botschaft vor dem ersten Anpfiff den Sport als Instrument, um Werte zu vermitteln, die das menschliche Wohl und den Aufbau einer friedlicheren Gesellschaft fördern. Dazu zählten Fairness, Beharrlichkeit und Ausdauer, Freundschaft, Anteilnahme und Solidarität.

Natürlich hat der bekennende Fußballfan Franziskus Recht. Und auch wenn es mal richtig zur Sache gehen wird auf dem Platz, Costa-Ricaner und Ivorer, Japaner und Spanier, Deutsche und Portugiesen werden sich bei aller Härte immer respektieren, so wie es die Spieler von Germania Freund, Grün-Weiß Welldorf-Güsten und des SV Frauwüllesheim auch tun.

Ob Weltmeisterschaft oder Kreisliga C – das ist ganz egal, da sind alle Sportler gleich, egal ob Profi oder Hobby-Kicker. Die wenigen Ausnahmen bestätigen höchstens die Regel.

Diesen Respekt haben viele jedoch verloren vor Blatter und Seinesgleichen, die bei Problemen schlicht auf ihre Nicht-Zuständigkeit hinweisen, ihre Macht ausleben und für die ihr vielleicht einmal geliebter Sport längst nicht mehr Priorität genießt – allen Beteuerungen bei Sonntagsreden zum Trotz. Dass seit Donnerstag wieder gespielt wird, es muss wohl so sein.

Denn nur mit den Hauptdarstellern lässt sich noch mehr Geld verdienen. Wie eine Kolonialmacht tritt der Weltverband auf; Nachhaltigkeit und Effizienz kümmern ihn nicht die Bohne. Investieren muss der Ausrichter, kassieren darf der Veranstalter.

Der Ball rollt. Herrlich?

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