Kommentiert: Pakt mit dem Teufel

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Kommentiert: Pakt mit dem Teufel

Ein Kommentar von Joachim Zinsen

Selbst Gerhard Schröder würde wohl kaum auf die Idee kommen, Viktor Janukowitsch als lupenreinen Demokraten zu bezeichnen.

Nein, die Herrschaft des ukrainischen Präsidenten hat deutliche autokratische Züge.

 Wenn Teile der Bevölkerung seit Wochen gegen ihn rebellieren, dann verdient das großen Respekt. Allerdings sollten wir uns davor hüten, alle Oppositionelle in der Ukraine zu glorifizieren. Unter ihnen gibt es nämlich auch höchst unappetitliche Gestalten.

In Deutschland richten sich alle Augen auf Vitali Klitschko. Er und seine Partei Udar kämpfen allem Anschein nach tatsächlich für demokratische Werte, die unseren westlichen Vorstellungen nahe kommen. Doch in den vergangenen Wochen ist der ehemalige Boxweltmeister einen Pakt mit dem Teufel eingegangen. Der heißt Oleg Tjagnibok, ist ein wortgewaltiger Demagoge und Chef von Swoboda. Diese Partei vertritt ultranationalistische, rassistische und antisemitische Positionen, mit denen sie bei den vergangenen Parlamentswahlen mehr als zehn Prozent der Stimmen holen konnten. Ihre Vertreter haben immer wieder den Schulterschluss mit anderen rechtspopulistischen, ja rechtsextremistischen Parteien in Europa gesucht. Wie beispielsweise mit dem französischen Front National oder der deutschen NPD.

Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Klitschko hat sich von diesem fatalen Motto leiten lassen. Das rächt sich jetzt. Denn gewaltbereite Swoboda-Anhänger suchen seit Tagen gezielt die Auseinandersetzung mit der Polizei, um die Protestbewegung deutlich zu radikalisieren.

Damit scheinen sie Erfolg zu haben. Immer mehr Ukrainer glauben offenbar nicht mehr daran, mit friedlichen Demonstrationen etwas erreichen zu können. Für sie ist die Tjagnibok-Partei zum Auffangbecken geworden. Das spielt Janukowitsch in die Hände. Er kann sich nun als Mann inszenieren, der nur für Sicherheit und Ordnung sorgen will. Klitschko hingegen wirkt immer stärker wie ein Getriebener, der inzwischen selbst zu martialischen Parolen greift und damit versucht, den Anschluss an die Bewegung nicht zu verlieren. Damit ist eine hochgefährliche Dynamik in Gang gesetzt. Die Zutaten für einen Bürgerkrieg in der Ukraine sind angerührt.

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