Kommentiert: Ohne Netzwerk geht es nicht

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Kommentiert: Ohne Netzwerk geht es nicht

Ein Kommentar von Margot Gasper

Das Statistische Bundesamt hat am Donnerstag Daten vorgelegt, die – leider immer noch – alarmierend sind. Viele Eltern, die ihre Kinder allein großziehen, tun das unter schwierigen finanziellen Bedingungen. Ihr Armutsrisiko liegt immer noch weit über dem Bevölkerungsdurchschnitt. Ihr Budget ist so auf Kante genäht, dass jede unvorhergesehene größere Ausgabe einfach nicht drin ist. Und vor allem Frauen sind betroffen. Denn sie machen fast 90 Prozent der Alleinerziehenden aus.

Wer alleinerziehende Eltern und ihre Kinder besser vor Armut schützen will, muss dafür sorgen, dass auch eine Mutter oder ein Vater allein ausreichend Geld für sich und die Kinder verdienen kann. Das hat sehr viel mit den Rahmenbedingungen zu tun. Wer kleine Kinder zu Hause hat, kann einen Vollzeitjob nur mit sehr viel Oma-und-Opa-Unterstützung stemmen – oder mit einem wirklich guten professionellen Netz an Betreuungsinfrastruktur.

Alleinerziehende brauchen einen Platz in der Kita oder bei der Tagesmutter, was in vielen Fällen schon schwierig genug ist. Sie brauchen aber auch weitere Hilfen, die zum Beispiel die Randzeiten morgens und abends abdecken oder einspringen, wenn plötzlich Not am Mann ist. Trotz aller Anstrengungen von Kommunen und freien Trägern und trotz wirklich guter Initiativen, die es schon gibt: Dieses Netz trägt noch nicht wirklich.

Alleinerziehende sollten aber auch die Wahl haben, die erste wertvolle Zeit zu Hause mit ihrem kleinen Kind zu verbringen. Eine staatliche Kindergrundsicherung, wie die Diakonie Deutschland sie vorschlägt, könnte hier zumindest ein wenig Entlastung bringen.

Das Statistische Bundesamt weist darauf hin, dass sich das Armutsrisiko für Alleinerziehende seit 2011 zumindest leicht verringert hat. Das hat auch mit der guten Konjunktur in Deutschland zu tun. Es gibt mehr Jobs – da kommen sogar Alleinerziehende eher zum Zuge. Wirklich etwas verändert hat sich aber erst, wenn Bewerberinnen unbesorgt zugeben können, dass sie Kinder haben. Und dass sie die alleine großziehen.

 

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