Kommentiert: Nur Mut!

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Kommentiert: Nur Mut!

Ein Kommentar von Madeleine Gullert

Endlich darf sich auch eine Frau zu Winston Churchill und Nelson Mandela gesellen. Hundert Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts wird die britische Feministin Millicent Garrett Fawcett mit einer Statue vor dem britischen Parlament geehrt.

Reichlich spät, aber ein richtiges Zeichen. Der Spruch auf der Statue ist wie eine Aufforderung: „Mut ruft überall zu Mut auf.“ Ja, auch heute müssen Frauen noch mutig sein, denn selbst wenn sich seit 1918 viel geändert hat, ist noch längst nicht alles so, wie es sein sollte.

Frauen um die 30 können sich heute kaum noch vorstellen, dass ihre Urgroßmütter nicht immer wählen durften, dass ihre Großmütter nicht über ihre Kinder bestimmen durften, dass ihre Mütter ohne die Erlaubnis des Mannes kein Konto führen oder nicht arbeiten durften. Trotzdem stoßen Frauen auch heute noch auf Widerstände.

Die große Gefahr derzeit besteht darin, dass die Rechten die Frauenrechte für sich kapern – oder das, was sie so unter Frauenrechten verstehen. Die Rechten spielen sich als Beschützer der Frau auf, die natürlich vor den Horden muslimischer Männer gerettet werden müssen. Wie rückwärtsgewandt diese Szene ist, zeigt die Rede einer AfD-Bundestagsabgeordneten zum Weltfrauentag: Die Gleichstellungspolitik zwinge Frauen zur Arbeit.

Die Benachteiligung der Frau sei frei erfunden, wie der „Yeti“. Dieser Tenor ist gefährlich, denn jetzige Errungenschaften können jederzeit rückgängig gemacht werden. Und dass die AfD – übrigens die Partei mit der geringsten Frauenquote – Frauen lieber wieder an den Herd schicken möchte, zeigt sich ziemlich offen. Das ist unerträglich.

Von wegen gleichberechtigt

Frauenrechte sind Menschenrechte. Wenn Frauen ihre Rechte nicht zugestanden werden, wird die Hälfte der Bevölkerung ausgeschlossen. Noch immer verdienen Frauen im Schnitt bei gleicher Qualifizierung weniger als Männer. Noch immer bleiben Frauen auch deshalb – und weil plötzlich wieder ein anachronistisches Mutterbild gepriesen wird – häufiger zu Hause als Männer. Und das führt irgendwann zu einer Rentenlücke bei Frauen. Gern wird argumentiert, dass Frauen doch die gleichen Möglichkeiten wie Männer hätten. Sicherlich.

Heute absolvieren in Deutschland mehr Mädchen das Abitur, mehr Frauen als Männer studieren, mehr Frauen promovieren. Nur in Führungspositionen sucht man sie meist immer noch vergebens. Das Argument, dass Frauen weniger ehrgeizig seien, ist durch etliche Studien widerlegt. Noch immer gibt es Mechanismen, die Frauen kleinhalten, wie etwas die männerdominierte Führungsstruktur in den meisten Unternehmen.

Ja, Deutschland wird von einer Frau regiert. Die Kanzlerin ist ein positives Beispiel. Dass aber der Bundestag gerade einmal ein Drittel weibliche Abgeordnete vorweist, übrigens weniger als in der vergangenen Legislaturperiode, zeigt, dass Angela Merkel eben nicht die Regel ist.

Aufs Äußere reduziert

Und trotz ihres unbestrittenen Erfolges muss auch sie stets Kommentare über ihr Aussehen ertragen. Auch heute noch werden Frauen zu oft auf ihr Äußeres reduziert. Anstatt inhaltlich mit Frauen zu diskutieren, wird ihre Kleidung oder ihre Figur kommentiert. Das hat jede Frau schon erlebt. Und nur weil man gern gut aussieht, Kleider trägt oder sich schminkt, heißt das noch lange nicht, dass man sich auf dieses Spiel einlässt.

Feminismus darf sich nicht im Klein-klein verlieren. Deshalb ist es auch alles andere als hilfreich, wenn die Gleichstellungsbeauftragte der Bundesregierung die Änderung der Nationalhymne fordert. Statt Vaterland Heimatland? Sagt Sie als nächstes dem Wort Muttersprache den Kampf an?

Feministinnen sind doch diese unrasierten, ungepflegten, anstrengenden Kampfweiber, die für ein oder ein Binnen-i kämpfen. Feministinnen eben. Diese Vorurteile werden mit lächerlichen Vorschlägen nur genährt. Das hilft Frauen und ihren Anliegen nicht.

Mit dem Wort Feminismus muss wieder etwas Positives verbunden werden. Feministinnen wollen keine Vorherrschaft der Frau, sie bedrohen den Mann nicht. Feministinnen wollen die Gleichberechtigung beider Geschlechter. Deshalb sollten auch nicht nur Frauen Feministinnen sein, sondern Männer Feministen. So lange es Ungleichheit, Gewalt gegen Frauen und Sexismus gibt – und das zeigt die aktuelle Me-Too-Debatte eindrucksvoll–, braucht es den Feminismus. Nur Mut!

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