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Kommentiert: Nicht verunsichert

Ein Kommentar von Holger Richter

15 Tote und mehr als 50 Verletzte hat der Terroranschlag in St. Petersburg gefordert. Wenige Tage später starben in Stockholm vier Menschen, 15 wurden zum Teil schwer verletzt. Und am Dienstagabend dann das.

In Dortmund detonieren drei Sprengsätze und verletzten einen Polizisten sowie mit Marc Bartra einen 26-jährigen Fußballprofi von Borussia Dortmund an Hand und Arm. Im Anschluss musste auch noch ein Fußball-Spiel abgesagt werden.

Der Vergleich ist eindeutig: Wer auch immer hinter diesem verabscheuungswürdigen Anschlag auf Unschuldige stecken sollte, die Täter haben damit gottlob nur vergleichsweise geringen Schaden angerichtet. Und trotzdem berühren die Geschehnisse von Dortmund viele Deutsche wesentlich mehr als die Toten von Stockholm oder St. Petersburg. Die Reaktionen der Menschen im Internet und auch die Berichterstattung der Medien beweisen das.

Das mögen angesichts der zwei Verletzten hier und der vielen Toten dort manche zynisch oder falsch gewichtet finden. Aber es zeigt, dass der oder die Täter nicht nur den Dortmunder Mannschaftsbus sondern auch die Mehrheit der Deutschen direkt getroffen haben – schließlich haben sehr viele Menschen eine direkte Beziehung zum Fußball einerseits und gerade in unserer Region zu Borussia Dortmund andererseits. Unabhängig von den Opferzahlen hätte kaum ein anderes Anschlagsziel für mehr Aufmerksamkeit sorgen können als eben jenes im Umfeld eines Fußballspiels. Unter diesem Aspekt haben der oder die Täter „klug“ gehandelt.

Eine starke Botschaft

Doch was haben sie erreicht? Sie haben einen Fußballspieler und einen Polizisten verletzt, die hoffentlich bald wieder ihren Berufen nachgehen können. Und sie haben für verschärfte Sicherheitsvorkehrungen bei den Spielen am Mittwoch in Dortmund und München und sicher auch bei künftigen Partien gesorgt. Doch verunsichert haben sie die Fußballfans nicht.

Eher das Gegenteil ist der Fall. Schon am Dienstagabend skandierten die monegassischen Fußballfans „Dortmund, Dortmund!“ im Stadion, um sich mit den Borussen zu solidarisieren. Im Gegenzug boten viele Fußballfreunde aus dem gesamten Ruhrgebiet den Gästen aus Monaco eine Bleibe für die Nacht an. Entsprechende Bilder von abendessenden, zähneputzenden oder schlafenden Fußballfans mit gelb-schwarzen, rot-weißen und sogar blau-weißen (!) Schals kursierten am Mittwoch massenweise durch die sozialen Medien. Neben dem funktionierenden Sicherheitskonzept nach der Absage des Spiels am Dienstagabend ist dies vielleicht die stärkste Botschaft des Anschlags von Dortmund.

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