Kommentiert: Macrons Glanz

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Kommentiert: Macrons Glanz

Ein Kommentar von Madeleine Gullert

Emmanuel Macron ist so beliebt wie nie zuvor. Ein hübsches Geburtstagsgeschenk.

Der französische Präsident füllt eine Lücke auf der internationalen und insbesondere der europäischen Politbühne und gibt seinem Land wieder mehr Bedeutung und außenpolitisches Gewicht. Das gefällt den Franzosen.

Und so verzeihen sie dem „En Marche“-Politiker ganz offensichtlich auch, dass er den Kündigungsschutz und die 35-Stunden-Woche lockert – zwei, den Franzosen eigentlich heilige Errungenschaften. Im Herbst hatte es deshalb Proteste gegeben, und Macrons Umfragewerte waren rapide gesunken. Doch das geräuschlose Umsetzen der Reform und das größte Wirtschaftswachstum seit 2011 in Frankreich lassen die Franzosen verstummen. Sie haben Zuversicht. Gewerkschaften und Linke laufen zwar weiter Sturm, doch sie haben derzeit nicht die große Mehrheit der Bürger hinter sich.

Das liegt vermutlich daran, dass Macron die Rolle des Verteidigers der freien Welt einnimmt. Die Probleme und Konflikte in der Welt werden zu Problemen, die Frankreich lösen will und kann – so lautet die äußerst selbstbewusste Botschaft. Französische Präsidenten sind quasi wie ein König, so sieht es die Verfassung vor. Und Macron – oft als „Sonnenkönig“ verspottet – füllt das Amt aus, wie es sein Vorgänger nicht vermochte. Macron verleiht dem Amt wieder Glanz. Das hat den Franzosen gefehlt.

Resultate müssen folgen

Macron ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er hat es leicht, sich auf der Weltbühne zu profilieren angesichts eines US-Präsidenten Donald Trump, der sich vermehrt aus internationalen Konflikten zurückziehen will. Und auf der europäischen Bühne angesichts der Briten, die die EU verlassen und angesichts einer derzeit geschwächten Kanzlerin, die noch nie durch besondere Visionen für Europa auffiel.

Manch ein Kommentator sieht Macron schon als neuen Anführer Europas. Doch das wäre verfrüht. Denn: Gefordert hat der französische Präsident viel, auch viel Richtiges und Wichtiges wie einen gemeinsamen Haushalt der Eurostaaten, ein EU-Verteidigungsbudget, eine europäische Staatsanwaltschaft zur Terrorismus-Bekämpfung. Indes: Umgesetzt ist wenig. Den großen Ankündigungen müssen bald Resultate folgen.

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