Kommentiert: Immer nur billig?

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Kommentiert: Immer nur billig?

Die Arbeitsbedingungen beim irischen Billig-Flieger Ryanair sind berüchtigt. Die Piloten verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen bei den meisten anderen Fluggesellschaften. Manche von ihnen sind scheinselbstständig beschäftigt. Andere werden über Leiharbeitsfirmen eingekauft. Für sie gehört unbezahlter Zwangsurlaub zum Alltag.

Zudem wird ihnen im Krankheitsfall häufig der Lohn verweigert. Selbst für fest angestellte Piloten gibt es keinen Kündigungsschutz. Ebenso wie das Kabinenpersonal konnten sie von einem Tarifvertrag bisher nur träumen.

Hoch ist hingegen die Arbeitsbelastung. Dank gesetzlicher Vorgaben dürfen Piloten maximal 900 Stunden jährlich in der Luft sein. Ryanair treibt ihre Flugzeugführer nach Gewerkschaftsangaben regelmäßig an diese Grenze. Der Flugsicherheit kommt das sicherlich nicht zugute. Für Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Kombination aus Unterbezahlung und Überforderung tödlich rächen wird.

Billig, billig, Hauptsache billig: Ryanair setzt als Geschäftsmodell auf Preisdumping. Möglich ist das vor allem durch Lohndumping. Verständlich, dass sich die Belegschaft des Unternehmens jetzt endlich dagegen wehrt.

Doch andere Fluggesellschaften haben es den Iren längst nachgemacht. Über den Wolken herrscht inzwischen der marktradikale Wahnsinn, ein auch für die Umwelt ruinöser Wettbewerb. Verantwortlich dafür sind allerdings nicht nur Unternehmen wie Ryanair, sondern auch wir Verbraucher. Jedem, der mal eben für 20 oder 40 Euro nach Mallorca oder in eine europäische Hauptstadt jetten will, muss klar sein: Er macht sich mitschuldig an der Ausbeutung des Flugpersonals, schädigt gleichzeitig aber auch massiv die Umwelt. Denn nicht zuletzt durch die Billigflieger ist der Flugverkehr in den vergangenen Jahren enorm gestiegen – mit fatalen Folgen für das Klima.

Dabei gibt es – zumindest zu innerdeutschen Flügen – eine (sicherlich noch ausbaubare) Alternative, nämlich die Bahn. Auf ihren Schnellbahnstrecken bringt sie Kunden kaum langsamer ans Ziel als die fliegende Konkurrenz. Das Problem ist häufig der Preis. Hier muss die Politik einspringen. Um das Bahnfahren zu fördern, kann sie beispielsweise die Mehrwertsteuer auf Tickets senken. Gleichzeitig muss sie den Flugverkehr verteuern. Dass beispielsweise Kerosin immer noch nicht besteuert wird, ist ein altes Ärgernis.

 

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