Kommentiert: Heimat für Muslime

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Kommentiert: Heimat für Muslime

Ein Kommentar von Marco Rose

Gehört der Islam zu Deutschland? Über diese Frage braucht man eigentlich nicht mehr zu diskutieren. Ein Blick aus dem Fenster reicht: Das Minarett der Aachener Yunus-Emre-Moschee ist von vielen Orten der Stadt aus weithin sichtbar.

Man muss nur mit offenen Augen durch die Orte der Region gehen, um zu erkennen: Ja, Muslime und ihre Religion gehören seit langem irgendwie dazu in Deutschland; auch wenn es die rechtsradikalen Schreihälse nicht wahrhaben wollen. Deshalb ist es nach wie vor wichtig, dies auch so zu betonen, wie es Ministerpräsident Armin Laschet bei der Eröffnung eben jener Moschee in Aachen getan hat.

Das schließt nicht aus, dass man die Aktivitäten des Ditib-Verbandes in Deutschland sehr genau und kritisch beobachten muss. Laschet hat aber recht, wenn er sagt, dass es in erster Linie um die örtliche Moscheegemeinde gehen muss. Die hat sich tatsächlich über Jahre hinweg in einer ehemaligen Tankstelle zum Freitagsgebet getroffen. Wer möchte, dass sich Muslime in Deutschland integrieren, dass sie sich hier zu Hause fühlen, der kann solche Zustände nicht gutheißen. Ein Abdrängen in Hinterhöfe und Gewerbegebiete führt nur zu Frust und leistet der Radikalisierung Vorschub.

All das sind wiederum Debatten der Vergangenheit. In Aachen gibt es mittlerweile diese große Moschee im Ostviertel, die den Muslimen bei uns eine Heimat bieten soll – ebenso wie in vielen anderen Städten der Region. Eine Moschee, für die die Aachener Muslime wohlgemerkt jahrelang selbst Spenden gesammelt haben.

Jetzt muss es um die Frage gehen, wie man die liberalen Muslime im Land fördern kann. Wie lässt sich erreichen, dass in den Moscheen eben keine „Import-Imame“ aus der Türkei tätig sind, sondern in Deutschland geborene Geistliche, die dann auch auf Deutsch predigen? Wie lässt sich der Einfluss radikaler und salafistischer Strömungen nachhaltig zurückdrängen? Das sind aktuelle Herausforderungen.

Ausgrenzung ist brandgefährlich

Liberale Muslime? „Gibt es nicht!“, hört man vor allem Konservative tönen. Doch, es gibt sie! Aber sie haben vielerorts einen schweren Stand. Das zeigt derzeit das Beispiel der liberalen Moschee der Bürgerrechtlerin Seyran Ates in Berlin. Die Anwältin wird von vielen Seiten angefeindet, vor allem von konservativen Muslimen.

Diesen Diskussionen muss sich die Gesellschaft aber stellen. Muslime einfach auszugrenzen, wie es AfD und teilweise auch die CSU fordern, ist brandgefährlich. Eine Gruppe von fast fünf Millionen Menschen lässt sich nicht mehr einfach beiseite schieben. Sie sind ein Teil Deutschlands.

 

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