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Kommentiert: Gerechterer Fußball?

Ein Kommentar von Heribert Förster

Wetten, dass? An einem der neun Schauplätze in der Fußball-Bundesliga wird es an diesem Wochenende wieder Diskussionen geben, tobende Sportdirektoren, schimpfende Trainer, fassungslose Spieler. Die Ursache: der Videobeweis.

Der uns allen doch gerechten Fußball bringen sollte, der diesem trotz Kommerzialisierung und unfassbaren weltweiten Geldbewegungen nach wie vor faszinierenden Spiel ein weiteres Stückchen Unwägbarkeit nehmen sollte, der viele Diskussionen beenden sollte.

Der Konjunktiv ist bewusst gewählt, denn der Videobeweis taugt nicht zur Gerechtigkeit. Gelegentlich schon, aber nicht in Gänze, denn ein wesentlicher Faktor wird immer die absolute Gerechtigkeit verhindern – der Mensch. So lange Menschen, in diesem Fall Schiedsrichter, vor einem Bildschirm sitzen und entscheiden müssen (sollen), ob Spieler X im Abseits stand oder Spieler Y tatsächlich gefoult wurde, wird es unterschiedliche Meinungen geben. Ja, nein, vielleicht. Hundertprozentig sicher soll der Video-Referee sein, um sein Urteil dem tatsächlich Pfeifenden in die Ohrmuschel zu flüstern.

Hundertprozentig! Wie geht das, wenn vier Kameraeinstellungen fünf Möglichkeiten zur Auswahl stellen? Ein gutes Beispiel ist das Handspiel des Mönchengladbacher Abwehrspielers Jannik Vestergaard beim Spiel in Augsburg vor zwei Wochen. Absicht war dem Dänen nicht zu unterstellen, als er sich in die Flugbahn des Balles warf. Die Haltung der Arme war in diesem Moment auch nicht unnatürlich, auch wenn sie die Körperfläche vergrößert haben.

Die Behauptung ist nicht gewagt: Fünf von zehn Schiedsrichtern hätten Elfmeter gepfiffen, fünf von zehn Video-Unparteiischen nicht. Hätte Schiedsrichter Sascha Stegemann gepfiffen, die Borussia hätte sich nicht beschweren können. So durften die Augsburger ein bisschen hadern über den nicht bekommenen 50-Prozent-Elfmeter. Was wäre in diesem Fall also gerecht gewesen?

Andere Frage: Brauchen wir im Fußball Gerechtigkeit bis ins letzte Detail? Gut, die Torlinientechnologie ist zu begrüßen, sie wird in einer Saison vielleicht ein Dutzend Mal angewendet und (großer Vorteil) ist nicht auf das menschliche Auge angewiesen. Beim Videobeweis hingegen gibt es viel zu viele Unwägbarkeiten. Und das neue künstliche Mittel kann dem von Natur aus niemals fehlerfreien Menschen immer nur Hilfen geben – aber nicht die Entscheidung abnehmen.

Der Fußball lebt von den Emotionen, die auch durch Fehlentscheidungen geschürt werden. Welch wunderbare Diskussionen hätte es nie gegeben, wäre alles gerecht verlaufen! Nein, der Videobeweis macht den Fußball nur bedingt gerechter; er nimmt ihm mehr, als er ihm geben kann. Lassen Sie uns drüber diskutieren. Nächsten Montag. Nach strittigen Videobeweis-Entscheidungen. Wetten, dass?

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