Radarfallen Blitzen Freisteller
6930108.jpg

Kommentiert: Gefährliche Schieflage

Ein Kommentar von Joachim Zinsen

Hurra, die deutsche Wirtschaft war 2013 Export-Weltmeister. Wieder einmal. Gut, andere üben daran heftige Kritik. Zum Beispiel die USA. Oder die EU-Kommission. Oder viele unserer Nachbarstaaten.

Aber die sind alle nur neidisch, wollen uns den Erfolg madig machen, weil sie nicht so tüchtig sind wie wir. Also lasst sie ruhig weiter zetern. Wir sind stolz und kümmern uns nicht um das Geschrei.

So oder ähnlich reagieren Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und große Teile der Medien auf die immer lautere Kritik am deutschen Wirtschaftskurs. Doch mit dieser schlichten Argumentation führen sie ihr Publikum (bewusst?) auf eine falsche Fährte. Denn die internationale Gemeinschaft beklagt keineswegs die Höhe der deutschen Exporte. Sie stört sich allein an unserem gigantischen Überschuss im Außenhandel, also daran, dass wir deutlich mehr ausführen als einführen. Da besteht ein himmelweiter Unterschied.

Im vergangenen Jahr hatte die Leistungsbilanz erneut eine heftige Schlagseite. Nach jüngsten Schätzungen wurden 2013 von der deutschen Wirtschaft Güter für umgerechnet 260 Milliarden Dollar mehr in alle Welt verkauft, als wir in anderen Staaten eingekauft haben. Um 7,3 Prozent lagen die Exporte über den Importen. Tendenz weiter steigend. Auch das ist ein Weltrekord.

Was daran schlimm ist? Nun, extreme Überschüsse in einer Leistungsbilanz führen dazu, dass andere sich automatisch verschulden müssen. Deutschland verkauft also auf Pump. Wer dieses Modell dauerhaft pflegt, darf sich nicht wundern, wenn Handelspartner in tiefe Schuldenkrisen geraten. So, wie es im Euro-Raum geschehen ist. Diese Staaten müssen dann irgendwann finanziell unterstützt werden. Oder ihnen müssen die Schulden erlassen werden. Langfristig schneidet sich eine allein auf den Export fixierte Volkswirtschaft somit ins eigene Fleisch.

Die Importe stimulieren

Die Bundesregierung sollte deshalb nicht länger versuchen, die internationale Kritik als lächerlich abzutun. Deutschland muss tatsächlich sein Ungleichgewicht im Außenhandel abbauen. Und zwar durch einen höheren Import. Stimulieren könnte ihn eine Investitionsoffensive der öffentlichen Hand. Oder eine Stärkung der Kaufkraft breiter Bevölkerungsschichten. Zum Beispiel durch ein deutlich steigendes Lohnniveau. Genau das fordern denn auch die internationalen Kritiker.

Dieser Weg läge nicht nur im ureigenen Interesse der meisten Arbeitnehmer in Deutschland, die in den vergangenen Jahren mit sinkenden oder stagnierenden Reallöhnen zu kämpfen hatten. Profitieren würden davon auch alle Unternehmen, die in erster Linie für den deutschen Binnenmarkt produzieren. Selbst die Exportwirtschaft muss nicht zwangsläufig als großer Verlierer der Kurskorrektur da stehen. Denn wenn die These stimmt, dass der weltweite Erfolg deutscher Produkte Ausdruck deutscher Qualitätsarbeit ist und nicht der schwachen Lohnentwicklung in den vergangenen Jahre zu verdanken ist, dann wird sie auch weiterhin gute Geschäfte machen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert