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Kommentiert: Einiges verschwiegen

Ein Kommentar von Joachim Zinsen

Der neue Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist verglichen mit seinen Vorgängern ein Fortschritt.

Anhand einer imposanten Datenmenge macht er deutlich: Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich in den vergangenen Jahren enorm geweitet. Viele Menschen sind vom wachsenden Wohlstand unserer Gesellschaft abgekoppelt. 40 Prozent haben heute einen geringeren Reallohn als vergleichbare Arbeitnehmer im Jahr 1995.

Trotzdem kommt der Bericht in Teilen ein wenig armselig daher. Er ist arm an Mut. Er ist arm an Tiefenschärfe. Er ist arm an Handlungsanleitungen. Weitgehend beschreibend, vermeidet der Bericht klare Aussagen über die politischen Ursachen der gewaltigen Einkommens- und Vermögensspreizung. Zudem verschweigt er die negativen Effekte der sozialen Ungleichheit auf das gesellschaftliche Zusammenleben.

Stand in seiner ursprünglichen Fassung noch, der politische Einfluss von wohlhabenden Bevölkerungsschichten sei dank mächtiger Interessensvertretungen und intensiver Lobbyarbeit deutlich größer als der von ärmeren, war dort noch von der zunehmenden Wahlmüdigkeit wirtschaftlich abgehängter und deshalb politisch einflussloser Gruppen zu lesen, fehlen diese Passagen im vom Kabinett abgesegneten Bericht. Zum Opfer gefallen sind die Sätze dem Rotstift der Union. Offenbar redigiert sie nach der Devise: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Lange haben sich Union und SPD über die endgültige Fassung des Berichts gestritten. Dass er jetzt mit mehr als einjähriger Verspätung veröffentlicht wurde, hat auch etwas Gutes: Er rückt nun ins Zentrum des anlaufenden Bundestagswahlkampfs.

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