Kommentiert: Ein Symbolkonflikt

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Kommentiert: Ein Symbolkonflikt

Ein Kommentar von Georg Müller-Sieczkarek

In die Debatte um Glyphosat scheint Bewegung zu kommen – endlich! Denn zu lange hat die Bundesregierung ihre jahrelange Tatenlosigkeit mit (europa-)rechtlichen Hürden begründet.

Die beteiligten Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft suchen jetzt offenbar, getreu dem Koalitionsvertrag, nach einer gemeinsamen Strategie, den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters wenn schon nicht verbieten, dann wenigstens spürbar verringern zu können – gut! Denn so etwas wie der bizarre Alleingang des CSU-Agrarministers Schmidt, der im vergangenen Herbst seine SPD-Umweltkollegin Hendricks dreist düpierte und in Brüssel entgegen alle Absprachen für eine verlängerte Glyphosat- Zulassung stimmte, so etwas darf sich nicht wiederholen.  Aus den Schützengräben!

Seit Jahren beharken sich Gegner und Befürworter des Herbizids mit beinahe allen Mitteln, Falschmeldungen und Schmutzkampagnen inklusive. Im Schulterschluss von SPD-Schulze und CDU-Klöckner (so er denn zustande kommt) liegt nun eine Chance, aus den ideologischen Schützengräben herauszukommen.

Zu lange hat die Frage, ob der Monsanto-Verkaufsschlager krebserregend ist oder nicht, die Diskussion bestimmt – und am Ende praktische Fortschritte verhindert. Mit Hunderten von Studien ist Glyphosat das am besten erforschte Pestizid der Welt. Aber ein endgültiger Beweis, dass es für den Menschen unbedenklich ist, lässt sich nicht erbringen – genauso wenig wie der Nachweis, dass der Stoff auf gar keinen Fall Krebs auslösen kann.

Sieben von zehn Deutschen wollen das Gift verbannt sehen. Dabei ist der Zoff um die Gefahr Glyphosat in Wahrheit ein klassischer Symbolkonflikt. Er lenkt ab von der eigentlichen Frage, um die es zu streiten lohnt: Wie soll unsere Landwirtschaft in Zukunft aussehen? Wie lässt sich eine ressourcenschonende Produktion organisieren, bei der Schritt für Schritt immer weniger Chemie auf den Äckern landet, die artenerhaltend ist, keine weiteren Monokulturen erzeugt, auf Überdüngung verzichtet – und am Ende dennoch dem Landwirt die Existenz sichert?

Eine solche Agrarwende anzupacken ist weit wichtiger, als ein einzelnes Unkrautvernichtungsmittel in den Orkus zu schicken. Denn selbst dann werden immer noch gut 250 andere, übrigens weit weniger gut untersuchte Herbizide, Fungizide und Schädlingsgifte auf Deutschlands Feldern verspritzt. Vielleicht kommt das Aus für Glyphosat am Ende gar nicht von oben, aus Brüssel oder Berlin. Sondern von unten: 180 Kommunen und Firmen haben das Gift bereits von ihren Flächen verbannt. Nachmachen!

 

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