Kommentiert: Die Autokorrektur und ihre Fallstricke

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Kommentiert: Die Autokorrektur und ihre Fallstricke

Ein Kommentar von Madeleine Gullert

Kommunikation ist voller Missverständnisse – schon immer. Auch Adam und Eva wären vielleicht nicht aus dem Paradies vertrieben worden, hätten sie in Ruhe über die Sache mit dem Apfel gesprochen. Vielleicht möchte mein Handy mich ins Paradies schicken, in jedem Fall möchte es einen guten Menschen aus mir machen.

Denn es weiß offensichtlich viel besser, was man eigentlich sagen möchte, wenn Nachrichten schreibt. In der modernen Kommunikation ist nämlich ein weiterer Fallstrick hinzugekommen.

Fluch und Segen zugleich: die Autokorrektur. Jeder liebt sie, wenn sie aus „dsa“ „das“ macht. Ja, um diesen Text zu schreiben, musste die Autokorrektur eigens ausgeschaltet werden, weil Schreibprogramme wie von Zauberhand aus „ihc“ „ich“ machen.

Um die häufigsten Tippfehler zu erkennen und zu sammeln, haben Software-Hersteller wie Microsoft Probanden Wörter auf Maschinen ohne Korrekturmöglichkeit tippen lassen. Doch das System funktioniert leider nicht immer, weil es nicht alle Wörter kennt oder falsche Schlüsse zieht. Cupertiono-Effekt nennt man es, wenn wegen einer zufälligen Ähnlichkeit der Zeichen ein völlig zusammenhangloses Ersatzwort vorgeschlagen wird – nach einem Fall bei dem es das Wörtchen „Cupertino“ (eine Stadt in Kalifornien) in EU-Dokumente schaffte, anstelle von „co-operation“.

Wer im Internet nach den lustigsten solcher Fehler sucht, findet Sätze wie: „Ich mache Spaghetti mit Pestizid.“ „Was?“ „Pesto natürlich!“

Während bei Beispielen aus dem Netz meist gemeine oder für den Schreiber unvorteilhafte Änderungen zu lesen sind, korrigiert mein Handy vermeintlich zum Positiven. Wenn man schreiben möchte, dass man „unrastig“ ist, macht die Autokorrektur des Handys „untadelig“ daraus.

Vielleicht möchte der Verfasser aber gar kein untadeliges Mädchen sein? Vielleicht möchte man ja schreiben: „Fuck“ und nicht „Duck“. Oder man möchte Mister X „König der Idioten“ nennen und nicht König der „Idiome“ (Redewendungen).

Informatiker meinen es sicher nur gut mit einem, aber diese vermeintlichen Verbesserungen sind übergriffig. Überall lauert Technik, die angeblich weiß, was der Nutzer eigentlich möchte. Wer wieder mündig werden will, kann meist einfach die Voreinstellungen (Presets) ändern oder die Autokorrektur ausschalten. Ein neues Wort kann mein Handy schon: Scheiß-Autokorrektur!

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