Kommentiert: Der Videobeweis macht das Fußballspiel kaputt

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Kommentiert: Der Videobeweis macht das Fußballspiel kaputt

Ein Kommentar von Heribert Förster

Es reicht! Der Videobeweis macht das Fußballspiel kaputt.

Es geht bei diesen Zeilen nicht um regelkonform oder nicht, es geht nicht um gerecht oder ungerecht oder darum, ob der Schiedsrichter etwas richtig oder falsch gemacht hat. Es geht nur um das Spiel. Um die Seele des Spiels, um es pathetisch auszudrücken.

Was ist das für ein Spiel geworden, bei dem ich den Torjubel nach 20, 30, 40 Sekunden abbrechen muss, weil der Schiedsrichter einen imaginären Fernseher in die Luft malt? Was ist das für ein Spiel, bei dem der Elfmeterpfiff mit 30, 40, 50 Sekunden Verspätung erfolgt, weil der kleine Mann/die kleine Frau dem Unparteiischen was ins Ohr flötet. Es reicht!

Das Argument, der Videobeweis mache den Fußball gerechter, ist längst eines für den Papierkorb. Wo ist die Gerechtigkeit, wenn Freiburgs Kempf montags für ein unabsichtliches Handspiel bestraft wird, das bei Bremens Eggestein tags zuvor folgenlos bleibt? Ein Beispiel nur, aber eines von vielen. Und man wird weiter Beispiele sammeln, viele Beispiele, solange es den Videobeweis geben wird. Denn wenn Menschen Entscheidungen treffen müssen, kann es keine Gerechtigkeit geben. Und man kann auch nicht das Argument anführen, es handele sich ja noch um eine Testphase.

Auch in der Spielzeit 2018/19 wird der Video-Schiedsrichter X sagen, das war ein offensichtlicher Fehler des Unparteiischen auf dem Platz - und eingreifen. Video-Schiedsrichter Y hat dagegen bei einer vergleichbaren Szene auf einem anderen Platz eine andere Wahrnehmung - und lässt die Partie laufen. Was daran ist bitteschön gerecht? Es reicht!

Ob ich mit Videobeweis viermal pro Saison benachteiligt und viermal bevorzugt werde oder ob ich ohne Videobeweis viermal benachteiligt und viermal bevorzugt werde, ist egal. Oder? Dem Stadionbesucher längst nicht mehr. Er will sich aufregen in Echtzeit, nicht mit 40, 50, 60 Sekunden Verspätung, er will jubeln oder leiden. In Echtzeit! Und nicht mit der Bratwurst in der Hand, weil sieben Minuten nach dem Halbzeitpfiff noch ein Elfmeter verwandelt wird. Da stellt sich Euphorie oder Frust nur schwer ein. Es reicht!

Der Videobeweis macht das Spiel nicht gerechter - er macht es kaputt. Es reicht!

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