Kommentiert: Das Cyber-Kommando wird kein Selbstläufer

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Kommentiert: Das Cyber-Kommando wird kein Selbstläufer

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat in dieser Woche die Abteilung „Cyber- und Informationsraum“ der Bundeswehr in den Dienst gestellt. Das Kommando soll auf einer Ebene mit Heer, Marine und Luftwaffe stehen, dem Bereich sollen noch bis zum Juli 13 500 Soldaten und zivile Kräfte unterstellt werden.

Sicherlich: Dieser Schritt ist wichtig und sinnvoll – nicht zuletzt, weil er längst überfällig war. Hacker-Attacken machen Armeen bereits seit geraumer Zeit zu schaffen, militärische Daten sind ebenso mögliche Ziele von Angriffen wie etwa IT-gestützte Waffensysteme. Mit dem Cyber-Kommando rüstet die Bundeswehr sich zu Recht für eine neue Form der Kriegsführung – wenn auch reichlich spät.

Dennoch: Die neue Einheit der Bundeswehr wird sicher kein Selbstläufer. Das Ziel von 13 500 Cyber-Soldaten ist hochgesteckt – besonders in einer Branche, in der entsprechendes Fachpersonal heiß begehrt ist. Herausragende IT-Fachleute werden überall gesucht, die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist groß. Zudem kann die Bundeswehr-Besoldung kaum mit den Gehältern mithalten, die es in der freien Wirtschaft zu verdienen gibt.

Hinzu kommt: Die „Nerds“, die von der Leyen sucht, halten häufig wenig von Befehlskultur und Gehorsam, hadern im Zweifel gar eher mit den Behörden. Zwar dreht das Verteidigungsministerium hier bereits an diversen Stellschrauben und diskutiert etwa über gelockerte Anforderungen an die Fitness oder eine Öffnung der Offizierslaufbahn für Studienabbrecher. Ob die Bundeswehr damit aber zum attraktiven Arbeitgeber für IT-Fachleute wird, bleibt fraglich.

Ungewiss bleibt auch, wie handlungsfähig das Kommando sein wird. Zwar soll die IT-Truppe laut von der Leyen nicht nur Angriffe abwehren, sondern im Ernstfall auch selbst zuschlagen dürfen. Beim Thema Angriffe jedoch wird es kompliziert – besonders dann, wenn der Gegner im Ausland sitzt. Solchen Einsätzen der Bundeswehr muss zunächst der Bundestag zustimmen – ein Verfahren, das in der schnelllebigen Online-Welt kaum aufrecht erhalten werden kann. Damit das Cyber-Kommando möglichst effektiv agieren kann, muss die Politik die Voraussetzungen für solche Fälle sorgfältig definieren. Es gilt also, noch an ein paar weiteren Stellschrauben zu drehen.

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