Kommentiert: Cool bleiben

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Kommentiert: Cool bleiben

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Jetzt spaltet schon der Sommer die Nation. Während die einen nicht genug kriegen von den konstanten Temperaturen über 30 Grad und sich an der Tatsache berauschen, dass die Jahreszeit endlich mal wieder ihren Namen verdient, finden es die anderen schier unerträglich und wünschen sich nichts sehnlicher als ein Ende der Hitzewelle.

Man kann es nicht jedem recht machen. Nicht beim Wetter. Und überhaupt. Das war übrigens früher nicht anders. Mit der Digitalisierung, der AfD, Herrn Trump oder Mesut Özil hat es jedenfalls nichts zu tun. Wir leben in einer aufgeheizten Zeit, nicht nur den Temperaturen nach. Dass CDU und CSU im aktuellen ARD-„Deutschlandtrend“ auf 29 Prozent gesunken sind und die AfD auf 17 Prozent gestiegen ist, mag bei vielen Menschen die Temperatur kurzfristig noch ein Stück nach oben getrieben haben.

Ein plötzlicher Hitzschlag dürfte angesichts des Höhenflugs der AfD aber niemanden ereilt haben. Nach dem Fiasko, das sich CDU und CSU unlängst im Streit um die Flüchtlingspolitik geleistet haben, darf der aktuelle AfD-Umfragewert nun wirklich nicht überraschen. So alarmierend das Ergebnis ist, bei kühler Betrachtung zeigt es, dass die AfD nicht deshalb punktet, weil sie selbst etwas Konstruktives im Angebot hätte. Nein, sie profitiert vor allem von der Schwäche der anderen.

Deshalb täten die anderen gut daran, ihre hitzigen Scheingefechte zu beenden und sich nach der politischen Sommerpause auf die Sachfragen zu konzentrieren. Jeder noch so kleinliche Streit in der großen Koalition wird – zumal öffentlich ausgetragen – den Rechtspopulisten in die Karten spielen. Manchmal fragt man sich ernsthaft, was daran so schwer zu verstehen ist.

Auch für die AfD gilt, dass es rasch wieder in die andere Richtung gehen kann. Die etablierten Parteien haben es in der Hand. Nicht unerheblich ist die Wortwahl, derer sich der eine oder andere Politiker in der jüngsten Zeit bedient hat. „Asyltourismus“, „Anti-Abschiebe-Industrie“, „Saboteure“ – so reden nur Populisten und keine verantwortungsbewussten Volksvertreter. Also bitte erst überlegen, dann reden. Erst nachdenken, dann posten.

Bei Temperaturen um die 35 Grad sollten wir uns übrigens nicht einlullen lassen von der Art und Weise, wie sich der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland über einen Parteifreund echauffiert hat, der in dieser Woche auf seiner Facebook-Seite den Hitler-Attentäter Stauffenberg als Verräter bezeichnet hat. Stauffenberg sei ein Held der deutschen Geschichte und der Parteifreund unbedingt aus der AfD auszuschließen. Sagt ausgerechnet Gauland? Da möche man spontan an den Wolf im Schafspelz denken. Wenn es bloß nicht so heiß wäre.

 

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