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Ein Kommentar von Madeleine Gullert

Schaffen Wissenschaftler, was Juristen mit ihren Klagen und Demonstranten mit ihrem Protest bislang nicht vollbringen konnten, und bewegen Belgien dazu, Tihange 2 abzuschalten? Eher nicht. Die umstrittenen Rissreaktoren Tihange 2 und Doel 3 könnten laut der Studie der NRW-Landesregierung sofort vom Netz genommen werden – ohne in Belgien Versorgungsprobleme zu verursachen.

Was im Übrigen auch jeder beobachten konnte, als die Meiler zwangsweise wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet waren. Ja, das Aus der Pannenmeiler wäre möglich. Es wird aber nicht passieren, erst recht nicht angesichts der engen Verbindungen der belgischen Regierung zum Kraftwerksbetreiber Engie Electrabel.

Interessanter ist die Studie in Hinblick auf den tatsächlich angepeilten Atomausstieg Belgiens 2025. Und ja, Landes- und Bundespolitiker können die Fakten nutzen, um an einer gemeinsamen Energieversorgung zu arbeiten und beispielsweise für eine zweite Stromverbindung zwischen den beiden Ländern zu werben. Eine konstruktive Versorgungsallianz, für die auch die NRW-SPD schon länger wirbt, wäre natürlich ein Fortschritt und ist auch gar nicht so unrealistisch. Schließlich wird eine erste Stromverbindung zwischen den beiden Ländern bereits geplant.

Allerdings ist es vermessen zu glauben, dass in Belgien – so chaotisch das Land mitunter auch erscheinen mag – noch niemand durchgerechnet hätte, wie die Versorgungslage sein wird, wenn 2025 tatsächlich alle jetzigen sieben Atommeiler nicht mehr am Netz sind. Es ist Vorsicht geboten vor der deutschen Überheblichkeit, die die Belgier bei der Tihange-Diskussion häufig erleben.

Wichtiger als das Ergebnis der Studie an sich ist deshalb, was die Landesregierung daraus macht. Die durchaus konstruktiven Vorschläge des NRW-Umweltministers müssen dringend auch zu konstruktiven Gesprächen führen. Bisweilen gewinnt man den Eindruck, dass deutsche Politiker mehr über belgische Politiker als mit ihnen reden.

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