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Kommentiert: Auf Europa-Kurs

Ein Kommentar von Heiner Hautermans

Entweder haben die Wahlforscher in den Niederlanden einen besseren Job gemacht als ihre Kollegen, oder die Wähler unseres Nachbarlandes sind berechenbarer als die auf der britischen Insel oder in den USA.

Auf alle Fälle haben die Demoskopen ziemlich genau das vorhergesagt, was jetzt passiert ist: Der Rechtspopulist Geert Wilders, nicht nur wegen seines Blondschopfs ein Leuchtturm der kontinentaleuropäischen braunen Allianz, hat nicht die Spur einer Chance, sein Land in Richtung Nexit zu führen – eigentlich handelte es sich bei diesem zu oft herbeibeschworenen Szenario von vorneherein um eine Chimäre.

Der Maulheld aus Venlo

Vielleicht hat der Maulheld aus Venlo zu hoch gepokert, vielleicht sind viele Wähler unzufrieden mit dem selbstherrlichen Führungsstil seiner Ein-Mann-Partei, vielleicht kam der rechtsliberalen VVD das entschlossene Auftreten ihres Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten Mark Rutte zugute, der den Autokraten Erdogan in die Schranken gewiesen hat.

Die Niederlande bleiben also auf (Europa-)Kurs, auch wenn die Regierungsbildung nicht einfach werden dürfte. Rutte muss sich neue Koalitionspartner suchen, die marginalisierten Sozialdemokraten von der PvdA haben schon selbstkritisch eingeräumt, dass ihnen eigentlich ein Platz an der Sonne nicht mehr zusteht. Vielleicht erkundigen sie sich einmal bei ihren deutschen Genossen, welche Fehler sie gemacht haben.

Der designierte Kanzlerkandidat Martin Schulz hat schon mit dem Aufräumen begonnen, allerdings noch einiges aus der Agenda 2010 wegzuschaffen. Kaum außen vor lassen sollte Rutte den eigentlichen Wahlsieger GroenLinks und auch die wiedererstarkten Christdemokraten (CDA) dürften wieder an die Macht drängen.

Möglicherweise verbirgt sich hinter dem Urnengang in dem 17-Millionen-Land aber noch mehr: Schon bei der Wahl des österreichischen Bundespräsidenten Van der Bellen, der sich letztlich überzeugend gegen seinen rechtspopulistischen Gegner durchgesetzt hat, sahen sich Auguren an einer Zeitenwende angekommen. Geschichte ereignet sich in Zyklen, vielleicht sind die besten Zeiten der Lautsprecher vom rechten Rand vorbei – hoffentlich.

Und sicherlich hat der unberechenbare Wüterich in Washington, der auch besorgten Bürgern das blanke Entsetzen ins Gesicht treibt, sein Scherflein dazu beigetragen, dass die Vernunft wieder in die Politik zurückgekehrt ist, zumindest in den Niederlanden. Auch darüber darf Europa erleichtert sein.

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