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Kommentiert: Alles offen, alles neu

Ein Kommentar von Madeleine Gullert

Wer kann die rechtsextreme Marine Le Pen stoppen? Das ist noch völlig offen, obwohl spätestens seit dem vorigen Wochenende die heiße Phase im französischen Präsidentschaftswahlkampf angelaufen ist.

Doch während die Kandidatin des Front National in Umfragen gleichbleibend beliebt ist, schwanken die Umfragewerte der anderen Kandidaten. Alles ist offen. Wieder.

Lange schien es so, als sei bei der Stichwahl im Mai gar keine andere Konstellation möglich als Le Pen gegen den konservativen François Fillon. Doch das ist inzwischen nur eine mögliche Variante. Auch wenn Fillon sich für die Anstellung seiner Frau entschuldigt hat, wird er sich von dem Skandal nicht mehr erholen. Ausgerechnet gegen den vermeintlich anständigen Fillon, der stets wie ein Oberlehrer daherkommt, wird nun wegen des Verdachts der Scheinbeschäftigung ermittelt.

Der Klüngel der Eliten missfällt den Franzosen, und deshalb ist es folgerichtig, dass es in diesem Wahlkampf keine Kandidaten aus der allerersten Reihe der Parteien gibt – abgesehen von Marine Le Pen. Den ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy wollten die Wähler nicht als Republikaner-Kandidaten, Noch-Präsident François Hollande hat sich lieber erst gar nicht noch einmal für die Sozialisten aufstellen lassen.

In diesem Jahr ist alles anders, alles neu. Denn während eigentlich in der Stichwahl immer der Kandidat der Sozialisten auf den Konservativen traf, wird es in diesem Jahr wohl ziemlich sicher Le Pen schaffen – weil sie es schafft, die Menschen, die sich abgehängt fühlen, anzusprechen. Umso wichtiger wird es, den richtigen Widersacher zu finden. Ihr Gegenkandidat wird wohl entweder Fillon, der parteilose Emmanuel Macron oder der sozialistische Benoît Hamon. Sie alle liegen aktuell etwa gleichauf – auch wenn der Wert von Umfragen nach der US-Wahl und dem Brexit stark gelitten hat.

Gibt es unter einer Mehrheit der Franzosen einen Konsens, Marine Le Pen mit allen Mitteln zu verhindern? Das ist nicht klar. Deshalb sollte der Kandidat, der in die Stichwahl kommt, für alle Franzosen wählbar sein. Konservativen dürfte es aber schwerfallen, Hamon zu wählen, der der sozialistischen Partei endlich wieder ihr sozialistisches Profil zurückgeben will, indem er beispielsweise für ein bedingungsloses Grundeinkommen plädiert. Linke hingegen dürfte Fillons angestrebte liberale Wirtschaftsreform ein Dorn im Auge sein. Für Frankreich ist es sicher am besten, wenn der gerade als Superstar gefeierte parteilose Macron in die Stichwahl kommt. Denn er scheint am ehesten in der Lage, das Land zu einen.

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