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Glossiert: Wie ich ein paarmal zu oft die Wahl hatte

Ein Kommentar von Marc Heckert

Jetzt also ich. Ich und der Wahl-O-Mat. All meine Freunde haben das Ding schon ausprobiert. Mein Facebook war voll mit ihren Ergebnissen und den lustigen Kommentaren darunter. Seit mehr als einer Woche ist die 2017er-Version schon online, genau so lange schiebe ich den Test vor mir her.

Da ist er also: www.wahl-o-mat.de. Hatte er schon immer dieses Orange? Egal, losgeklickt. Die Bundeswehr gegen Terrorismus einsetzen? Gott, nein. Diesel teurer besteuern? Das ist ja noch viel schlimmer! Obergrenze für Asylsuchende? Geht‘s noch?

Zweifel kommen auf: Bin ich inzwischen grundsätzlich gegen sämtliche Veränderungen, die derzeit in der Politik diskutiert werden? Sind das die ersten Anzeichen für Rentnerquerulanz?

Während ich in mir nachhorche, ob ich auch gegen elternunabhängiges Bafög bin, stehen die Kollegen neben mir: Kommst du mit zum Mittagessen? Klar, leerer Bauch wählt nicht gern. Oder, nach Brecht: Erst kommt das Fressen, dann hast du die Wahl.

Als ich eine halbe Stunde später magensatt und tatenhungrig wieder vor dem Wahlhelferlein sitze und meine frisch aus dem Hirn gedrückte Meinung zum Bafög (dagegen) zu Protokoll geben will, springt Wahli zurück auf Start. Zu lange keine Eingabe gemacht.

Zweiter Versuch. War ich vorhin noch für oder gegen mehr Videoüberwachung? Sich nicht mehr an die vor einer Dreiviertelstunde gefasste Meinung zum Schuldenschnitt für Griechenland erinnern zu können, ist das ein erstes Anzeichen für Altersdemenz?

Zwischendurch wird es gruselig. „Der Völkermord an den europäischen Juden soll weiterhin zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur sein“ – der Gedanke, dass es inzwischen Parteien in Deutschland gibt, die das abschaffen wollen, dürfte mich heute Abend in den Schlaf begleiten.

Oh, Telefon. Und es dauert mal wieder etwas länger. Die Folge: Zurück auf Start. Uuund zum Dritten: für oder gegen Bafög-Überwachung...?

Irgendwann wird mir klar: der Wahl-O-Mat und ich, es soll einfach nicht sein. Muss ich wohl selbst denken und meine Wahl alleine treffen. Na, soll ja ganz gut sein gegen Altersstarrsinn.

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