Stolberg - Zwerge nehmen echte Riesen an die Leine

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Zwerge nehmen echte Riesen an die Leine

Von: Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
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„Bötchen fahren” einmal anders: Das Schlauchboot mit der elfjährigen Janine Grafen an Bord wird von einem Schlepper im Modellformat gezogen. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Ein kurzer Ruck ist zu spüren, dann geht es auch schon los: Mit zwei Leuten im Schlauchboot sitzend, wird man über den Bastinsweiher gezogen - und das von einem Schlepper in Miniaturformat. Gesteuert wird der Schlepper mit Seeleuten aus Plastik an Bord von Willi Claßen, Vorsitzender des Modellclubs Hürtgenwald.

Es herrscht viel Verkehr an diesem Sonntag auf dem Bastinsweiher: Es flitzen Rennboote über das Wasser, die wie junge Hasen Haken um die dickbäuchigen und eher gemächlichen Arbeitsschiffe schlagen, die vorbei jagen an den schlanken Segelbooten, während unter der Oberfläche ein signalgelben U-Boot kreist.

Rund 50 Modellbauer, die aus der Umgebung, aber auch aus Köln und Holland kommen, lassen an diesem Tag ihre Boote zu Wasser. Es ist die Saisoneröffnung des Schiffsmodellclubs Stolberg, der gleich gegenüber an der Frankentalwiese im früheren Aseag-Glaspavillion sein Domizil hat.

Die Saisoneröffnung ist für den Stolberger Club der Probelauf für das Stadtfest. „Beim Stadtfest werden unsere Modellschlepper Schlauchboote mit bis zur vier Kindern ziehen”, erzählt Vehreschild. Aus Sicherheitsgründen steigen aber beim Probelauf nur Kinder von Mitgliedern ins Boot.

Die Zuschauer, die das Treiben auf dem Bastinsweiher verfolgen, lachen, als sie sehen, dass das Bötchen ohne jede Schwierigkeit ein Schlauchboot mit zwei Personen zieht. Gleiches hat Georg Böhm mit einem 8,5 Tonnen schweren Segelschiff erfolgreich ausprobiert. „Mit meinem Modellboot habe ich das Segelschiff in einen italienischen Hafen geschleppt. Die Zuschauer haben sich schief gelacht”, erinnert sich der 47-Jährige. Schwierig sei nur das Bremsen, schließlich seien Schiffe keine Autos. „Hat man nur ein Modellboot, das vorne zieht, ist die Gefahr groß, dass es vom Segelschiff zermalmt wird”, schildert der Modellbauer aus dem Hürtgenwald die Problematik. Eigentlich hätte es einen zweiten Modellschlepper gebraucht, der von hinten in die entgegen gesetzte Richtung ziehe, um so das Bremsmanöver zu steuern, „aber zum Glück hat der Kapitän mit wohl dosierter Motorkraft diese Aufgabe übernommen.”

Der Schlepper, der auf dem Bastinsweiher das Schlauchboot hinter sich herzieht, ist im Größenverhältnis 1:24 gebaut. Die Art der Boote sind sehr unterschiedlich. Je nach Aufwand und Detailverliebtheit dauert es mitunter Jahre, bis ein Modellschiff fertig gebaut ist.

Bei Bernd Thimister waren es drei Jahre: Solange hat es gedauert, bis er den detailgetreue Nachbau eines amerikanischen Flugzeugträgers im Maßstab 1:144 zu Wasser lassen konnte. „Die Faszination ist für mich, ein Schiff im Detail nachzubauen. Ist man dann endlich fertig, ist das wie die Erfüllung eines Traumes.”

Es gibt aber auch Modellbauer, die in der Lage sind, ein Schiff originalgetreu nachzubauen, ohne dabei auf einen Bausatz oder oder eine Modellzeichnung zurückgreifen zu können. In Handarbeit stellen sie jedes einzelne Teil her und als Vorlage haben sie nur Fotos oder bestensfalls den Bauplan der Werft. „Das ist unglaublich, denn es ist hochkompliziert und sehr aufwändig, jedes Teil von Hand herzustellen”, sagt der Stolberger Vorsitzende Vehreschild ehrfürchtig.

Doch auch ohne die Königsdisziplin ist das Modellbauen alles andere als einfach, denn allein die Trimmung eines Schiffes ist eine Wissenschaft für sich, sagt Modellbauer Georg Böhm. Die richtige Gewichtsverteilung ist wichtig für den Schwerpunkt des Schiffes und dafür, wie es im Wasser liegt. „Vor einiger Zeit wurde ein Spezialschiff zur Rettung von Menschen in Seenot konstruiert. Die Modellbauer waren aber schneller und hatten dieses neue Schiff in Miniatur bereits zu Wasser gelassen. Dabei stellten sie fest, dass irgendetwas nicht stimmte, es schlingerte im Wasser”, berichtet Böhm. „Die Werft nahm die Hinweise der Modellbauer nicht ernst, schließlich war das Schiff im Modell getestet worden. „Wie sich später herausstellte, waren im Modellversuch die Begebenheiten nicht so wie draußen auf dem Wasser und das Schiff musste nochmal in die Werft und angepasst werden.”

In der Sommerzeit trifft sich der Stolberger Club sonntags von 11 bis 13 Uhr und mittwochs von 19 bis 21 Uhr am Bastinsweiher. Infos erteilt unter 02403/889916 Peter Vehreschild.
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