Stolberg - Zukunft des Industriekamins ist ungewiss

Zukunft des Industriekamins ist ungewiss

Von: Jürgen Lange
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Schicksal ungewiss: Sollte der Schornstein auf dem Zincoli-Gelände erhalten bleiben, muss er grundlegend saniert und wieder eingezäunt werden. Foto: J. Lange

Stolberg. Er sollte die weithin leuchtende Landmarke des „Züblin-Projektes“ an der Mauerstraße werden. Doch die Zukunft des letzten Überbleibsels der Zink verarbeitenden Industrie ist ungewiss. An einer Nutzung als markanten Werbeträger für den avisierten Bau- und Gartenmarkt besteht bei den zukünftigen Mietern kein Interesse. Sie möchten einen kleineren Markt realisieren, als er noch 2006 im gekrönten Wettbewerbsbeitrag für die Investorenausschreibung angedacht war.

Die Ereignisse der Weltgeschichte sind nicht spurlos an diesem „Sahnehäubchen“ der Stolberger Ansiedlungspolitik vorbei gegangen, nachdem sich der Stadtrat 2007 für die Realisierung des Projektes entschieden hatte.

Zunächst sorgten europäische Gerichtsurteile für Unsicherheiten im Vergabeverfahren, und als diese geklärt waren und im April 2010 ein Optionsvertrag für das Gelände mit der Strabag Real Estate, die konzernintern die Entwicklung des Standortes übernommen hatte, unterschrieben waren, hatte auch die Wirtschaftskrise und die Entwicklung im Baumarktsektor ihre Spuren hinterlassen.

Große Märkte mit über 10 000 m2 Verkaufsfläche gelten in kleineren Städten als nicht mehr marktgerecht. Deshalb ist der Markt im aktuellen „Strabag“-Konzept von rund 13 000 auf etwa 7500 m2 Verkaufsfläche geschrumpft. Zudem gestaltete sich die Suche nach Nutzern nicht einfach – erst recht nachdem Obi sich 2011 an der Debye­straße gegenüber der Autobahnzufahrt Brand mit 10 500 m2 Verkaufsfläche niedergelassen hatte.

Supermarkt und Drogerie

Der Durchbruch gelang auf der Expo Real Anfang Oktober, als Strabag-Vertreter in München gemeinsam mit Bürgermeister Ferdi Gatzweiler und Wirtschaftsförderer Detlef Werry mit Vertretern der Rewe-Gruppe verhandelten. Mittlerweile hat Toom einen Mietvertrag für den Bau- und Gartenmarkt unterschrieben. Kurzfristig erwartet werden die Unterschriften unter zwei weiteren Mietverträgen erwartet: für einen Lebensmittelmarkt mit 2500 m2 und einen Drogeriemarkt mit 1000 m2.

Sie sowie weitere kleinere Nutzer sollen das prominente Eckgebäude von Cockerill- und Mauerstraße mit attraktiven Angeboten füllen. Zwischen diesen beiden Gebäudekomplexen ist weiterhin der Parkraum vorgesehen. Auch er fällt angesichts des reduzierten Umfangs mit etwa 360 statt 500 Stellplätzen zunächst kleiner aus, kann aber bei Bedarf wieder wie ursprünglich vorgesehen verlängert werden.

Verträge werden verlängert

Denn die Suche nach einem Nutzer für die durch die Verkleinerung des Bau- und Gartenmarktes vakante Fläche soll jetzt weiter forciert werden. „Wir streben weiterhin die komplette Vermarktung des Areals an“, erklärt Rainer Maria Schäfer, zuständiger Bereichsleiter der Strabag Real Estate. Weil das Vorhaben durch die Vereinbarungen mit der Rewe-Gruppe als Ankermieter an klaren Konturen gewinnt, werden der weiteren Vermarktung der etwa ein Hektar großen Restfläche verbesserte Chancen eingeräumt.

Gleichwohl soll es jetzt zu keinen weiteren zeitlichen Verzögerungen mehr kommen. Deshalb soll der Ausschuss für Stadtentwicklung auf seiner heutigen Sitzung sowohl die Aufstellungsbeschlüsse für den Bebauungsplan (Nr. 166) wie auch für die Veränderung des Flächennutzungsplanes fassen und dem Stadtrat den Abschluss einer Planungsvereinbarung ans Herz legen.

Letzte Details dazu hatten Vertreter der Strabag und der Stadt jüngst ausgearbeitet. So soll der Bebauungsplan für den ersten, 3,1 Hektar großen Bauabschnitt die feststehenden Nutzungsmöglichkeiten regeln, während der zweite Bauabschnitt lediglich als nicht weiter spezifizierte Gewerbefläche ausgewiesen werden, was nötigenfalls bei einer anderen Nutzung relativ einfach planungsrechtlich anzupassen wäre.

Erforderlich sind angesichts der Entwicklung auch weitere vertragliche Anpassungen. Der Optionsvertrag für das städtische Areal endet bisher zum 30. Juni. Bis zu diesem Zeitpunkt wird es der Stadt nicht gelingen können, Baurecht zu schaffen. Deshalb soll der Rat den Optionsvertrag für den ersten bis zum 30. Juni 2015 und für den zweiten Bauabschnitt um maximal zwei weitere Jahre verlängern.

Der seinerzeit vereinbarte Kaufpreis soll beibehalten, und nur auf die jeweiligen Teilflächen bezogen werden. Die Kosten der Bauleitplanung für beide Abschnitt trägt die Strabag. Sie hatte bereits im Vorfeld eine Altlastenuntersuchung durchgeführt und eine auch mit der Städteregion und Stadt abzuschließende Vereinbarung ausgearbeitet. Aufwendungen für eine mögliche Berücksichtigung von Bergbauschäden sollen bis zu einem bestimmten Betrag beim Kaufpreis berücksichtigt werden können. Erworben werden durch die Strabag auch der Stichweg zum Schellerweg, über den zumindest die Belieferung des Bau- und Gartenmarktes erfolgen soll.

Darüber hinaus sind zahlreiche Regelungen vorgesehen, falls sich das Projekt wider Erwarten weiter verzögern bzw. doch nicht zum Tragen kommen sollte.

Eine Frage der Kosten

Einziges ungeklärte Problem bleibt derweil der Schornstein. „Der ist ein prägendes, weithin sichtbares und Identifikation stiftendes Bauwerk, aber kein Denkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes“, erklärt Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt. Somit sind für den Kamin unterschiedliche Regelungen denkbar. Die ursprünglich angedachte Nutzung als beleuchteter Werbeträger scheidet aus, weil es derzeit keinen Interessenten dafür gibt.

Damit hat auch der Projektentwickler sein Interesse an einer Übernahme des Bauwerks verloren. Der Schornstein ist nicht enthalten im ersten Bauabschnitt, und auch nicht mehr für den zweiten vorgesehen. Soll der alte Industriekamin weiterhin an angestammter Stelle stehen bleiben, bleibt er eine städtische Angelegenheit – eine kostenintensive.

Denn der Kamin würde nicht nur wie eine ungenutzte Insel mitten auf dem Gelände des Einkaufszentrum liegen, sondern die Kupferstadt müsste ihn auf Dauer unterhalten. Mehr noch: „Eine Grundsanierung ist aus Gründen der Verkehrssicherheit unvermeidbar“, sagt Pickhardt.

Sie müsste kurzfristig erfolgen, spätestens aber nach einer Entscheidung über seinen Erhalt im Rahmen des Bauleitverfahrens. Eine Grundsanierung wird nach ersten Schätzungen mit 75 000 Euro kalkuliert.

Wird der Schornstein erhalten, dann müsste er so eingezäunt werden, dass ein unbefugten Betreten bzw. Beklettern unterbunden wird. In diesem Fall sollte man ihn auch beispielsweise durch eine Illumination „in Szene setzen“, schlägt Pickhardt vor. Auch das ist alles eine Frage des Geldes.

Die Strabag hat sich nach Informationen unserer Zeitung bereit erklärt, 75 Prozent der Kosten, bis zu maximal 75 000 Euro, bei einer Sanierung, Sicherung und Illumination des Kamins zu übernehmen. Im gleichen Maße würde sich der Investor auch an den Kosten eines Abrisses beteiligen; diesen schätzt die Verwaltung ebenso kostenaufwendig ein wie die Sanierung.

In beiden Fällen sollten die Arbeiten vor einem Baubeginn des Marktes erledigt sein, weil sie dann einfacher zu erledigen sind. Ein Abriss hätte den Vorteil, dass Folgekosten erspart bleiben sowie die Grenzziehung und Nutzbarkeit der Grundstücke vereinfacht würde.

Verkehrsgutachten

„Die Frage des Erhalts des Schornsteins soll im Rahmen des Bauleitplanverfahrens unter der Beteiligung der Bürger erörtert werden“, empfiehlt der Fachbereichsleiter der Politik. Im Rahmen des Verfahrens werden auch weitere Fragen zu klären sein. Beispielsweise die der Verkehrserschließung. So sieht die aktuelle Projektskizze der Strabag einen Kreisverkehr im Bereich der Einmündung von Prämien-, Mauerstraße und der Zufahrt zum Einkaufszentrum vor. Im Rathaus erwünscht ist außerdem ein Kreisverkehr an der Einmündung von Mauerstraße (K 13) und Cockerillstraße (L 220).

Konkrete Aussagen über zukünftig erwartete Besucherströme und Auswirkungen auf die Verkehrsachsen sowie erforderliche Veränderungen an den Knotenpunkten werden aber erst mit dem Vorlegen des Verkehrsgutachtens möglich sein.

Erst einmal liegen am Donnerstag im Ausschuss für Stadtentwicklung sowie am Dienstag im Hauptausschuss und Stadtrat die Verhandlungsergebnisse von Verwaltung und Strabag sowie der Einstieg in die Bauleitplanung zur Entscheidung vor.

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