Zukunft der Förderschule Talstraße ist offen

Von: Michael Grobusch
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Georg Hermanns weiß nicht, wie es mit der Förderschule Talstraße weitergehen wird. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Am Dienstag gab es Post von der Bezirksregierung. Das aktuelle Amtsblatt war im Briefkasten und mit ihm die Erläuterung zum neunten Schulrechtsänderungsgesetz. Ausführlich werden dort die neuen Rahmenbedingungen für Förderschulen in Nordrhein-Westfalen beschrieben. Welche Konsequenzen diese für die städtische Einrichtung in der Talstraße haben werden, ist aber nach wie vor unklar.

Nur eines ist sicher: Die Tage als Schule im Verbund mit den drei Förderschwerpunkten Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung sind gezählt.

Spätestens im Sommer 2015 dürfte damit Schluss sein. Dann endet die vom Land eingeräumte Übergangsfrist, und die mit dem Landtagsbeschluss vom 16. Oktober zementierten Mindestgrößen werden zum unumstößlichen Maßstab.

Für Verbundschulen hat das zur Folge, dass sie im Primar- und Sekundarbereich insgesamt mindestens 144 Mädchen und Jungen unterrichten müssen. Diese Marke erreicht die Schule Talstraße schon jetzt nicht mehr. „Momentan haben wir 128 Schüler“, erklärt Georg Hermanns, und der Abgang von zwei starken Jahrgängen steht noch bevor. Der Trend ist nicht nur deshalb eindeutig: „Ich gehe von weiter sinkenden Zahlen aus, weil im Zuge der Inklusion auch zunehmend Schüler mit Förderbedarf an Regelschulen angemeldet werden dürften.“ Dennoch sieht Hermanns die Notwendigkeit, besonders förderbedürftigen Kindern auch in Zukunft eine besondere Förderung zu gewährleisten. „Es gibt weiterhin Eltern, die sich für unsere Schulform interessieren, weil sie ihrem Kind ein überschaubares System und einen geschützten Raum bietet.“

Das Elternwahlrecht soll durch das Schulrechtsänderungsgesetz gestärkt werden, das eine möglichst wohnortnahe Beschulung gewährleistet. Hinter der praktischen Umsetzung stehen allerdings bisher noch viele Fragezeichen.

Fragen stellt sich auch Georg Hermanns. Unter anderem die, wie es mit „seiner“ Schule weitergehen könnte. Die „auslaufende Schließung ab 2015“, die bedeuten würde, dass ab dem übernächsten Schuljahr keine neuen Schüler mehr aufgenommen werden dürften, zählt nicht zu den bevorzugten Möglichkeiten. Viel eher schon die Beschränkung auf einen Förderschwerpunkt mit der damit verbundenen niedrigeren Mindestschülerzahl. „Wir haben, wie ich es erwartet hatte, in diesem Schuljahr den Umkehrpunkt erreicht“, meint Hermanns. Will heißen: Erstmals übersteigt die Zahl der Kinder mit Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung die im Bereich Lernen. Während die Gesamtschülerzahl also sinkt, gibt es immer mehr sogenannte „E-Schüler“. Georg Hermanns geht davon aus, „dass dieser Schwerpunkt in Zukunft noch mehr gefragt sein wird“. Wohl auch, weil viele Regelschulen eine Förderung in diesem Bereich nicht leisten können.

88 Schüler gelten nach dem neuen Gesetz als Minimum für eine Förderschule mit diesem Schwerpunkt. Hält die Entwicklung an, könnte diese Zahl in Stolberg eventuell erreicht werden.

Eine alternative Möglichkeit zur Zukunftssicherung bestünde im Zusammenschluss mit einer anderen Förderschule. Dann könnte eine der beiden Einrichtungen als Teilstandort fortgeführt werden – wenn denn dort wenigstens die Hälfte der Vorgabe für eine eigenständige Schule erreicht wird, im Falle der Verbundschule mit Primar- und Sekundarstufe 1 also 72. Die Frage nach einem geeigneten Partner lässt Georg Hermanns allerdings unbeantwortet: „Das ist Aufgabe der Kommunen und der Politik.“

Schulischer Lernort passé?

Mit der noch vor einem halben Jahr geäußerten Idee eines eigenständigen Unterstützungszentrums müssen sich diese wohl eher nicht beschäftigen, so der Schulleiter. Der Gedanke, dass die förderbedürftigen Schüler offiziell einer Regelschule zugeordnet und in der Talstraße nur temporär aufgenommen würden, sei weder im Gesetz noch im Amtsblatt inhaltlich weitergeführt worden. Für den Augenblick bleibt also eine große Ungewissheit. „Wir machen dennoch unsere Arbeit, und das sehr gut“, betont Georg Hermanns und räumt zugleich ein: „Ich kann nicht sagen, was im nächsten Jahr sein wird.“ Der Schulleiter wünscht sich deshalb eine Klärung der Zukunftsperspektiven – nicht zu Weihnachten, sondern möglichst bald.

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