Stolberg - Zu wenig Lehrstellen: Arbeitsagentur, IHK und Handwerkskammer warnen

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Zu wenig Lehrstellen: Arbeitsagentur, IHK und Handwerkskammer warnen

Von: Robert Flader
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„Zeig mir mal den Bauplan”:
„Zeig mir mal den Bauplan”: Die angehenden Anlagen-Maschinenführer Lukas Lewandowski (links) und Roman Reimer während eines Pneumatik-Lehrgangs in der Ausbildungswerkstatt von Prym. Foto: R. Flader

Stolberg. Die große Herausforderung, sagt Roman Reimer, ist nicht der Zylinder und auch nicht die Druckluft. „Sondern der Bauplan.” Der 21-Jährige steht in der Ausbildungswerkstatt von Prym, es ist sein erster Tag im Pneumatik-Lehrgang, und der angehende Anlagen-Maschinenführer muss jetzt Stück für Stück das anwenden, was er in den vergangenen Wochen und Monaten auf der Schulbank gepaukt hat.

Die Pneumatikmodule müssen Ende der Woche zu einem geschlossenen Kreislauf zusammengebaut sein, dann wird das angewandte Wissen getestet, und bis dahin ist es noch ein weiter Weg für Reimer und seinen Azubi-Kollegen Lukas Lewandowski. Beide sind im ersten Lehrjahr und zwei von insgesamt 137 „externen” Azubis, die bei Prym ausgebildet werden und eigentlich von Westpharma Eschweiler kommen.

Der demografische Wandel

Ein weiter Weg bis zur abgeschlossenen Berufsausbildung - und das galt nicht nur am gestrigen „Tag des Ausbildungsplatzes” - liegt aber nicht nur vor den Lehrlingen, sondern auch vor ihren Arbeitgebern, beziehungsweise Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammer (IHK).

Denn gab es in der Vergangenheit zu viele junge Bewerber für zu wenige Stellen, wird sich die Statistik aufgrund des demografischen Wandels in wenigen Jahren so weit gedreht haben, dass viele Lehrstellen unbesetzt bleiben, weil es schlicht und einfach nicht mehr genügend Kandidaten geben wird. Und das, obwohl sich mit dem doppelten Abiturjahrgang 2013 in NRW zunächst das genaue Gegenteil als Problem vor Schulabgängern und Unternehmen aufbaut. Deshalb appelliert Gabriele Hilger, Vorsitzende der Arbeitsagentur Aachen: „Unternehmen sollten schon jetzt über den eigenen Bedarf ausbilden.” Man müsse nicht nur an das kommende Jahr, sondern auch an die nächste Dekade denken: „Rückgängige Schülerzahlen bei gleichzeitiger Deckung des Fachkräftebedarfs werden die zentrale Herausforderung für die Zukunft.”

Die aktuellen Zahlen für das laufende und kommende Ausbildungsjahr 2012/13 hingegen sehen laut IHK-Geschäftsführer Heinz Gehlen „ordentlich” aus: „Zum 30. April hatten wir bei den Azubi-Zahlen ein Plus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.” Allerdings räumt Gehlen ein, dass es vor allem im gewerblich-technischen Bereich bereits heute erheblichen Rückgang (minus 2,8 Prozent) von potenziellen Auszubildenden gibt: „Da wird es langsam eng.”

Manche Unternehmen bauen deshalb vor: „Mit 486 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen liegen wir zwölf Prozent über dem Vorjahresniveau”, sagt Georg Stoffels, Geschäftsführer der Handwerkskammer Aachen. Noch gebe es 369 offene Stellen für das kommende Lehrjahr mit Beginn 1. September. Auch die Handwerkskammer muss den Spagat zwischen kurzfristigem Bewerberanstieg und langfristigem -abstieg bewältigen. „Kurzfristig brauchen wir einfach mehr Ausbildungsplätze”, sieht Gabriele Hilger die Unternehmen in der Pflicht. „Das ist auch eine Chance.” Bei Prym, wo der regionale Ausbildungstag 2012 stattfand, wird ebenfalls über eine Aufstockung der Lehrstellen nachgedacht. „Wir sind in Gesprächen”, sagt Stephan Rosenkranz von Prym Fashion. „Eine Ausbildung kann eine gute Alternative zu einem Studium sein.”

Von den Diskussionen um den demografischen Wandel und eine baldige Abnahme von potenziellen Azubis bekommt Roman Reimer wenig mit. Er wird im Herbst 2013 seine Abschlussprüfung machen und eine gute alte Familientradition fortsetzen: Auch sein Vater ist Anlagen-Maschinenführer. „Er hat mich dafür begeistert”, sagt der Sohn. „Was ich hier lerne, sind Sachen, die man fürs Leben mitnimmt.” Also auch die Herausforderung Pneumatik-Kreislauf.
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