Stolberg - Zinkhütter Hof: Zukunft wird langsam für jeden sichtbar

Zinkhütter Hof: Zukunft wird langsam für jeden sichtbar

Von: Kolja Linden
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Stolberg. Die ersten Gäste waren schon da. Ein Rotschwanzpärchen hatte sich ausgerechnet den Neubau der Zukunftswerkstatt ausgesucht, um die eigene Zukunft zu planen - und an dem Anbau hinter den sogenannten Arbeiterhäusern genistet.

„Die brüten zum Glück sehr schnell”, erklärt Museumsleiter Sebastian Wenzler, dass ihn der nette Frühlingsbesuch nicht wirklich gestört hat. Der Nachwuchs der Vögel ist längst flügge geworden, das Nest ist geräumt.

Auf Sparflamme

Es ist deutlich zu erkennen: Die Bauarbeiten für das Forum Zinkhütter Hof gegenüber dem Industriemuseum bewegen sich langsam auf die Ziegerade zu. Dass an dem Euregionale-Projekt dennoch im Moment nur auf Sparflamme gearbeitet wird, hat andere Gründe: Der in großen Mengen verputzte Estrich trocknet nur langsam. Auch wenn ihn das sichtbar ärgert, einen Verzug am Bau gebe es nicht, sagt Sebastian Wenzler. „Die lange Trocknungszeit war eingeplant, der Zeitplan wird eingehalten.”

Im Oktober soll das Forum seiner Bestimmung als außerschulischer Lernort übergeben und mit einem großen Fest eingeweiht werden. „Das wird das Ereignis des Jahres in Stolberg”, verspricht Wenzler selbstbewusst.

Beim Gang über die Baustelle wird deutlich warum. denn langsam wird auch für das Laienauge erkennbar, was für ein enormes Projekt hier entsteht. Die Rohbauarbeiten sind so gut wie abgeschlossen, nun sind die Innenarbeiten an der Reihe. Aus Denkmalschutzgründen wird Haus 1, das ist der Teil, der am nächsten zur Straße Schellerweg hin liegt, so belassen, wie es im Jahr 1905 so war.

Das bedeutet, dass dort auch der historische Holzboden bleibt, auch wenn er wegen starken Pilzbefalls saniert und teilweise ausgetauscht werden musste. Dort entstehen die Sozialräume für die Mitarbeiter und die Vorbereitungsräume für die Werkstatt. Noch hängen hier Kabel lose aus den Wänden, die Von Heißlüftern getrocknet werden.

Auf der anderen Seite ist der Estrichboden schon so gefestigt, dass man ihn betreten kann. Die Wand mitten in der Geschichtswerkstatt ist so belassen worden, dass sie selbst eine Geschichte erzählt. Und zwar eine, deren Inhalt noch das eine oder andere Geheimnisse in sich trägt.

„Man kann hier sehr gut sehen, dass es eben nicht Arbeiterwohnungen waren”, sagt Sebastian Wenzler beim Blick auf die Wand. Die Türen sind dafür zu groß, die Decke wie in einer Halle so hoch, außerdem sind die Gebäudeteile offensichtlich durchgängig miteinander verbunden gewesen.

Zu erkennen ist in der Wand auch noch der irgendwann zugemauerte Kamin mit einem schräg nach der Windrichtung verlaufenden Abzug. Kamine gab es zwar auch in Wohnungen, aber diese Konstruktion erinnert eher an eine Produktionshalle. „Wir vermuten, dass das eine Poterie war, wo man Tiegel für die Glasproduktion hergestellt hat”, sagt Wenzler.

In Haus 7, dass später einmal eine Wohnung darstellen wird, wie sie um 1900 ausgesehen haben kann, führt eine alte Treppe nach oben. „Dort ist unser Eldorado”, sagt Wenzler, denn hier, wo jetzt noch gähnende Leere herrscht, wird er bald von Regalen umgeben sein. Das Archiv des Museums wird hier entstehen, inklusive eines Arbeitsraums, in den man sich zu Forschungszwecken zurückziehen kann.

Sammelauftrag in der Satzung

In der Satzung des Museums steht der Sammlungsauftrag. Die Bewahrung, Erforschung und Ausstellung der Industriegeschichte der Aachener Region ist dort festgeschrieben. „Wir sammeln also seit zwölf Jahren”, erklärt Wenzler. „Das hat enorme Dimensionen angenommen und die Notwendigkeit, Archivräume zu haben, ist immer deutlicher geworden.” Wenn das Forum fertig ist, wird das Museum, da ist sich Wenzler sicher, hier oben gute Kapazitäten haben.

Noch werden viele Elemente aus den verschiedenen Sammlungsbereiche von Alltagskultur über Nadeln, Messing und Zink bis hin zu Maschinen und Kurzwarenproduktion woanders aufbewahrt, zum Beispiel in Lagern der Firma Prym, die ihre Räume zur Verfügung gestellt hat.

Hilfreich ist auch das neue Depot, das die Mitarbeiter des Qualifizierungsprojektes der LEG anstelle der alten Scheune und Garagen zur Straße hin errichtet haben. Hier steht schon ein ganzes Sammelsurium an Exponaten. Kettenmaschinen stehen dort, Drückformen für Messingkessel, sogar eine echte Rarität: ein Kühlschrank aus Holz. Das Ungetüm konnten sich im 19. Jahrhundert nur reiche Leute leisten, befüllt wurde es mit Eis.

Und dann wäre da ja noch die Zukunftswerkstatt. An sechs Stationen können hier künftig Schüler in die Berufs- und Zukunftsplanung einsteigen. Ob die Rotschwänze ihre Zukunftsplanung schon abgeschlossen haben, weiß im Moment niemand. Vielleicht kommen sie ja im nächsten Jahr wieder.
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