Zerdrückte Coladosen erhalten neue Wertigkeit

Von: ker
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Uwe Frings, AninA Marita Cujai, Maria Krings und Marion Kamphausen bewundern einen handgeschälten Baumstamm auf der fünften Station des „Kunst auf dem Weg”. Foto: Hans-Leo Recker

Stolberg. Mit ihren Objekten und Installationen für das Ereignis „Kunst auf dem Weg” in der Stolberger Altstadt möchten die Künstlerinnen und Künstler der zweiten und dritten Station Fundstücken aus Natur und Umwelt eine neue Ästhetik und Einzigartigkeit geben.

Auf dem ehemaligen Spielplatz an der Bergstraße stellt Carmen Kahn ihre aus Naturmaterialien und Gips gestalteten Arbeiten in einen engen Zusammenhang mit den natürlichen Gegebenheiten des Standortes. Sie hat dafür Blätter und Baumrindenstücke in Gips abgeformt in einer stets weiter entwickelten Technik, die es ihr ermöglicht, sehr fragile Gebilde zu produzieren, die den „Moment der Vergänglichkeit festhalten”.

Ein Teil der Stücke ist mit etwas Farbe bemalt. Sie sind zu Objekten zusammen gestellt, auf Plexiglas, damit „die Natur durchscheint”. Für die frei schaffende Künstlerin Carmen Kahn aus Alsdorf, die vor zehn Jahren an der Europäischen Kunstakademie Trier ihre Ausbildung begann und sich zur Zeit an der Malerakademie Köln fortbildet, ist ihr Arbeiten ein „Spiel mit Gegensätzen, Ähnlichkeiten und Verbindungen natürlicher und abstrakter Formen”, was zu einer „Poesie der Dinge” führt.

So sehen das auch das Künstlerpaar Tina Sous aus Stolberg und Edwin Maas aus Kerkrade in ihrer Installation und der Metallgestalter Jan Zimmermann in seinen Schmiedeobjekten auf dem alten Friedhof St. Lucia, der dritten Station des Kunstweges. Dort hat das Duo gleich dimensionierte rechteckige Bretter zu einer großen rhythmisch geformten Wand als Ausstellungsträger für gesammelte Fundstücke zusammengefügt. Das sind beispielsweise weggeworfene Coladosen, gebraucht, zerdrückt, platt getreten, angerostet, zerkratzt, nutzlos geworden.

Durch die Aufnahme in die Wand werden sie der Vergessenheit entrissen, erhalten sie eine neue Wertigkeit, eine individuelle Ästhetik. Aus einem Massenartikel wird etwas Einzigartiges. Es entstehen Assoziationen zum Religiösen, was in der Folge „Friedhof, Altar, Reliquie” zum Ausdruck kommt. Für Tina Sous und Edwin Maas ist dies Kunst, die im wahren Wortsinn „auf dem Weg” liegt.

Das Poesievolle an Jan Zimmermanns geschmiedeten Arbeiten ist deren beeindruckende natürliche Schönheit und Eleganz der Formen und ihre Einbindung in das „Gesamtkonzept vor Ort”. Typisch dafür sind beispielsweise seine auf das Wesentliche reduzierten Kraniche oder die schlanken Schilfrohre oder ähnliche vornehmlich aus Eisen geschmiedete Objekte.

Sie zeugen von einer vorzüglichen handwerklichen Ausbildung, die der junge Kunstschmied bei Matthias Peters genossen und an der Akademie für Handwerksdesign in Horbach ausgeweitet hat. Seit einigen Monaten führt er eine eigene Werkstatt in Nörvenich.

Das erweitert seine Kreativität und eröffnet ihm neue Möglichkeiten, „zeitlose Formen mit bewährten handwerklichen Arbeitstechniken zu verbinden”. Für alle vier Beteiligten wird es nach eigener Aussage spannend sein, welche Wirkung ihre Arbeiten am jeweiligen Installationsort erzeugen werden.
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