Zecken: Sie warten im Gebüsch auf ihre Opfer

Von: Doris Kinkel-Schlachter und Xenia El Mourabit
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Leidender Blick, selten gefährlich: Die heimischen Vierbeiner werden gerne von Zecken befallen. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Das schöne Sommerwetter lädt zu Aktivitäten im Freien ein. Doch aufgepasst, in diesem Jahr gibt es, bedingt durchs Wetter, eine deutlich erhöhte Aktivität von Zecken. Die widerlichen Krabbler sind weltweit verbreitet und natürlich auch in Wäldern, auf Wiesen oder Gärten in Stolberg und Umgebung vorhanden.

Der Parasit ernährt sich vom Blut seiner Wirte. Das sind Wirbeltiere wie Mäuse, Igel oder Rotwild, aber auch Hunde und Menschen. Die Zecken klettern auf Gräser und Büsche. Bei einem kurzen Kontakt mit Tieren oder Menschen greifen sie mit ihren Vorderbeinkrallen zu und halten sich fest, dazu benötigt es nur Sekundenbruchteile.

Danach begibt sich die Zecke auf die Suche nach einer geeigneten Einstichstelle. Diese ist bevorzugt dünnhäutig, feucht und gut durchblutet, beim Menschen zum Beispiel die Kniekehle, Achselhöhle, der Haaransatz oder Genitalbereich. Dort reißt die Zecke mit ihrem Mundwerkzeug die Haut des Wirtes auf und gräbt mit ihrem Stechrüssel eine Grube ins Gewebe, die mit Blut voll läuft.

Dieses Blut saugt die Zecke in ihren Darm, der sehr dehnbar ist, sodass die Zecke während des Blutsaugens wächst. Eine vollgesogene Zecke kann bis zu 200 Mal so viel wiegen wie eine hungrige. Während des Stechens und Saugens sondert die Zecke Betäubungsmittel ab, sodass ein Stich nicht wehtut. Auch enthält der Speichel der Zecke entzündungshemmende Stoffe. Mit dem Speichel können außerdem eine Vielzahl von Krankheiten übertragen werden.

Zu den bedeutendsten in Deutschland durch Zecken übertragenen Infektionskrankheiten gehört zum einen die Borreliose, zum anderen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).Die Borreliose kommt landesweit vor. Im letzten Jahr wurden elf Fälle von Borreliose in Stolberg verzeichnet. Dieses Jahr sind laut Auskunft des Bethlehem-Gesundheitszentrums bisher drei Stolberger an Borreliose erkrankt. Die Krankheit hat verschiedenste Symptome an Haut, Nervensystem, Gelenken oder Herz und ist deshalb schwierig zu diagnostizieren. Charakteristisch ist jedoch die Wanderröte.

Einige Tage bis Wochen nach einem Zeckenstich ist diese als ringförmige Hautrötung um die Einstichstelle zu erkennen. Die Borreliose kann zu Hirnhautentzündung und Herzproblemen führen. Es gibt keine Schutzimpfung für Borreliose, sie kann aber nachträglich mit Antibiotika behandelt werden. Das Risiko an Borreliose zu erkranken steigt mit Dauer des Saugaktes. Es ist also wichtig, die Zecken so schnell es geht zu entfernen.

Erfahrungen mit Zeckenstichen und Borreliose hat Theo Preckel schon mehr als genug machen müssen. „Ich hatte bestimmt schon 20 Zecken bei mir rausgeholt – alleine dieses Jahr“, weiß der Leiter des Forstamtes. Seine Mitarbeiter und Kollegen seien ebenfalls schon mehrere Male betroffen gewesen. „Es waren schon viele Zecken früh unterwegs dieses Jahr“, sagt der Förster. Lange Kleidung tragen und Zeckenschutz auftragen, das machen die Frauen und Männer, die viel im Wald unterwegs sind, sowieso, „meine Leute sind sensibilisiert dafür“, aber sicher vor den kleinen, fiesen Krabblern ist man dann leider noch lange nicht. Sie finden doch immer eine Stelle, bei der sie „unterschlüpfen“ können. „Die sind ja anfangs so klein, dass man sie nicht immer direkt sieht“, sagt Preckel. Da könne es schnell passieren, dass man nachts aufwacht, weil es juckt. „Dann ziehe ich das Vieh raus und gut ist!“

Aufatmen ist bei Familie Hutschenreuter angesagt. Fürs erste jedenfalls. Tim und Florian sowie ihre Eltern Anja und Daniel sind viel draußen unterwegs, ein gemeinsames Hobby ist zum Beispiel Geocaching – die moderne Art der Schnitzeljagd. Da geht es zur Schatzhebung auch gerne mal vom Weg ab oder querfeldein. „Also die Zecken haben und bis jetzt Gott sei Dank in Ruhe gelassen!“ Aber die Stolberger achten nach den Aufenthalten draußen immer sehr darauf, indem sie sich abduschen und genau nachgucken. Letztes Jahr hatte Anja das Pech – eine Zecke hatte es sich zunächst unbemerkt am Oberschenkel bequem gemacht, dort munter gesaugt und Erreger hinterlassen, bevor sie gezogen wurde. „Ein paar Wochen später dann hatte ich den berühmten roten Fleck drum herum. Der Arzt diagnostizierte Borreliose. Ich musste Antibiotikum nehmen, und dann war alles gut.“

Die FSME-Viren werden sofort übertragen. FSME beginnt ähnlich wie eine Sommergrippe mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Unter Umständen ist die Erkrankung damit überstanden. Falls nicht, wird danach das zentrale Nervensystem befallen. Hirnhaut- und Gehirnentzündungen oder sogar Schädigungen des Rückenmarks können die Folge sein. Manchmal ist die Krankheit tödlich. Die FSME tritt nur in bestimmten Gebieten auf. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind vereinzelt Erkrankungsfälle gemeldet, die in der Städteregion Aachen erworben wurden. Das Risiko durch einen Zeckenstich an FSME zu erkranken lässt sich also auch in Stolberg nicht ausschließen, eine offizielle Impfempfehlung hat das RKI für die Region jedoch noch nicht ausgesprochen.

Praktisch zum Beispiel für den Urlaub: Auf der unten stehenden Internetseite zeigt eine Karte das Verbreitungsgebiet der FSME an, durch Eingabe der Postleitzahl können verschiedene Regionen überprüft werden.

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