Xynthia schenkt Kämmerer eine halbe Million

Von: Jürgen Lange
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Eine Akazie hat auf der Heidestraße ein abgestelltes Auto unter sich begraben. In Windeseile sägen die Forstwirte das demolierte Gefährt wieder frei. Foto: J. Lange

Stolberg. Um 6 Uhr am Morgen packen die Jungs von Förster Theo Preckel am Forstbetriebshof ihre Motorsägen auf den Traktor und machen sich erst einmal auf in die Innenstadt, um die Kupferstadt vom Holz zu befreien. Orkan Xynthia hat ihnen mehr Arbeit hinterlassen, als die Feuerwehr am Sonntag bewältigen konnte.

Denn mitunter war es auch für die Blauröcke wegen des andauernden Windbruchs und der hereinbrechenden Dunkelheit einfach zu gefährlich, alle gefallenen Stämme zu beseitigen. Und außerdem kommen die Forstwirte mit ihrem professionellen Sägeschnitt doch ein wenig schneller voran als die Männer von der Wehr.

„Mit einem blauen Auge”

In Windeseile zerlegen jedenfalls Wolfgang Fieger und Michael Schmitz die Akazie, die auf der Donnerberger Heidestraße einen am Straßenrand abgestellten Nissan unter sich begraben hatte. Gut, dass im Fond niemand saß, als der Stamm das Dach bis Türoberkante eindrückte. Gleich ein halbes Dutzend Fichten liegen ein paar Meter weiter quer über die Fahrbahn, die zurzeit ohnehin Baustelle ist. Bei der Gelegenheit kann die EWV auch die Straßenlaterne wieder aufrichten, die die Bäume mit in die Tiefe gerissen haben.

Derweil hat sich Heinz-Peter Rüttgers mit seinem Forstkran schon ein paar hundert Meter auf der Waldstraße von Vicht in Richtung Süssendell vorgearbeitet. Wie Strohhalme waren am Vortag die hohen Fichten umgekippt und hatten die Strecke nachhaltig blockiert. Nun sammelt Rüttgers die Stämme ein, legt sie zum Abtransport an einem Waldweg bereit und kappt auch lockere Äste im Bereich der Straße.

Staatsforst und städtisches Forstamt arbeiten hier Hand in Hand. In diesem Fall sammelt der Staatsforst ein, was aus dem städtischen Revier auf die Grenze gekippt ist. Lamersiefen gehört neben Gressenich zu den Beständen, in denen Xynthia im Stadtwald am schlimmsten gewütet hat. „Mindestens 8000 Festmeter Holz hat der Orkan geworfen”, sagt Preckel nach einem ersten Blick ins Revier. „Das entspricht dem Einschlag von einem ganzen Jahr.” Was bei weitem dem Forstoberamtsrat nicht etwa die Arbeit erspart, sondern vervielfacht. „Wir hatten das Revier gerade von Kyrills Folgen aufgeräumt und wollten uns intensiv um die zurückgestellte Bestandspflege kümmern”, kann Preckel nun wieder von vorne anfangen.

Allerdings schlug der Sturm von drei Jahren auch drei Mal so heftig in Stolberg zu. Auch die seitdem eingebrochenen Holzpreise erholten sich langsam wieder. Nun dürfte Xynthia fürs nächste Preistief wegen des Überangebots an Holz sorgen. Dennoch wird der Kämmerer schon einmal mit einer unerwarteten Einnahme von rund 0,5 Millionen Euro rechnen können. Denn sein Förster ist am Montag schon unterwegs, um den Windwurf möglichst gewinnbringend zu vermarkten.

„Spaziergänger sollen den Wald noch meiden”, warnt Theo Preckel wie sein Kollege Robert Jansen. „Es wird noch ein paar Tage dauern bis wir die Wege aufgeräumt und die Gefahren beseitigt haben”, sagt der Forstdirektor. Der Staatsforst ist wie der Stadtwald mit einem blauen Auge davongekommen angesichts von Windgeschwindigkeiten um 130km/h. Getroffen hat es vor allem einzeln stehende Bäume oder Randbestände, die von Kyrill noch vorgeschädigt waren.

„Und der von Schnee und Regen aufgeweichte Boden bot den Bäumen keinen Halt, um sich gegen den Wind zu stemmen”, bilanziert der Förster des Laufenburger Waldes. Etwa 1000 Festmeter sind in dem 580 Hektar umfassenden Revier gefallen. Burkhard Priese hat sich am Montag mit seinen vier Mitarbeitern besonders intensiv reingekniet: „Der Laufenburger Wald ist wieder frei begehbar”, macht der Förster seinem Team ein großes Kompliment für das Engagement.

60 Meter Dach weggerissen

Noch immer ungläubig fällt dagegen der Blick von Omnibus-Unternehmer Helmut Haas dorthin, wo bis Sonntag das Dach seiner Bushalle im Mausbacher Oberfeld gesessen hatte. Ein Drittel hat der Orkan mit- und verschraubte Dachbalken aus ihrer Verankerung gerissen. Etwa sechs mal acht Meter des Blechdachs landete auf dem übernächsten Nachbargrundstück - auf einem Gartenhäuschen, das ausgerechnet einem Dachdeckermeister gehört...

Die Sicherung des Dachs in Mausbach war für die 32 Helfer ders Stolberger THW ebenso wie die Float von Saint Gobain die wichtigsten Einsatzpunkte der Bergungsgruppen. Sie sicherten das verbliebene Haassche Dach wie die Produktion von Saint Gobain. Dort hatte Xynthia auf 60 Metern Länge eine drei Meter breite Schneise ins Dach und eine Wand eingerissen. Fast bis Mitternacht waren die Helfer von Feuerwehr und THW damit beschäftigt, die Lücke wieder mit Lkw-Planen und Sicherungsgurten zu schließen, um die Glasproduktion zu sichern. Die Float verträgt weder Wasser noch schwankende Temperaturen.

Spaziergänger sollen den Wald meiden

Die Förster von Stadtwald und Staatsforst bitten Spaziergänger, den Wald sicherheitshalber noch zu meiden. Es dauert noch ein paar Tage, bis Wege und Randbestände von den Sturmfolgen bereinigt sind. Dagegen ist der Laufenburger Wald bereits wieder passierbar. Förster Burkhard Priese hat mit seinem Team vorrangig die Wegestrecken frei gemacht.
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