„Wir wollen für die Anliegen der Bewohner da sein“

Von: Lukas Franzen
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Die Buchhaltung zählt zu den Hauptaufgaben von Schwester Maria Wendeline. Sie ist Leiterin von „Haus Maria im Venn“ und Generaloberin des Christenserinnen-Ordens. Foto: L. Franzen

Stolberg-Venwegen. An zwei Daten erinnert sich Schwester Maria Wendeline noch so, als ob es gestern gewesen wäre. Seit dem 29. September 1950 hört die 81-Jährige nun schon auf diesen Namen. Es ist der Tag, an dem sie dem Orden der Christenserinnen beigetreten ist.

Ein weiteres prägendes Ereignis: Am 16. September 1974 bezogen die Glaubensschwestern das Venwegener Seniorenheim „Haus Maria im Venn“, das am gestrigen Freitag sein 40-jähriges Bestehen gefeiert hat. Im Interview mit unserer Redaktion erzählt die Heimleiterin vom Wandel des Seniorenheims, Herausforderungen der nächsten Jahre und ihrem Lieblingsplatz auf dem rund 35.000 Quadratmeter großen Gelände.

Wie haben Sie zu den Christenserinnen gefunden?

Schwester Maria Wendeline: Durch meine Tante, die bereits Mitglied des Ordens war. Nach der Schule bin ich sofort eingetreten. An den Tag erinnere ich mich noch genau. Ordensfrau bin ich jetzt schon seit 64 Jahren.

Haben Sie diesen Schritt jemals bereut?

Schwester Maria Wendeline: Nein, den Schritt habe ich niemals bereut. Es ist eben eine Berufung.

Wie läuft ein typischer Tag im Leben der Schwester Wendeline ab?

Schwester Maria Wendeline: 5.15 Uhr: Aufstehen; 6.30 Uhr: Gebet. Anschließend feiern wir die Heilige Messe. Nach dem Frühstück stehen bei mir Verwaltungsaufgaben auf dem Programm, in der Hauptsache Buchhaltung. Und natürlich gilt es, für die Heimbewohner da zu sein.

Wie ist die Arbeitsteilung zwischen den Ordensschwestern und dem Pflegepersonal organisiert?

Schwester Maria Wendeline: Sie müssen bedenken, dass wir Schwestern schon älter sind. Wir übernehmen also meist ehrenamtliche Tätigkeiten und unterstützen die über 150 Pflege- und Hauswirtschaftskräfte des Heims. Die Arbeit zwischen uns geht Hand in Hand. Vor allem wollen wir als Schwestern für die Anliegen der Bewohner da sein.

Stellen Sie fest, dass die Bewohner zu Ihnen und Ihren Schwestern noch mehr Vertrauen haben als zu dem übrigen Pflegepersonal?

Schwester Maria Wendeline: Mit besonderen Anliegen kommen die Bewohner oft zu den Schwestern, zum Beispiel wenn es Probleme mit ihren Angehörigen gibt. Das kommt durchaus öfters vor. Jeden Sonntag teile ich die Kommunion aus. Vielleicht entsteht auch dadurch ein besonderes Vertrauen.

Der Schritt, das eigene Haus, die eigene Wohnung aufzugeben und in ein Seniorenheim zu ziehen, bedeutet eine große Umstellung. Wie helfen Sie den Menschen dabei?

Schwester Maria Wendeline: Das erledigt oft unser Geschäftsführer, der den neuen Bewohnern das ganze Haus zeigt.

Haben Sie einen Lieblingsplatz auf dem 35.000 Quadratmeter großen Gelände von „Haus Maria im Venn“?

Schwester Maria Wendeline: Der Wald. Wir machen jeden Mittag einen Spaziergang durch unser eigenes Wäldchen. Dort kann man Luft und Sauerstoff tanken, bevor uns die Arbeit wieder einholt.

Verzeichnen Sie in Ihrer Einrichtung auch einen verstärkten Zuwachs von Menschen mit ausländischen Wurzeln?

Schwester Maria Wendeline: Eigentlich nicht. Seit langem schon wohnen hier Menschen aus den Niederlanden und Belgien. Ansonsten haben wir eine Bewohnerin mit russischen Wurzeln. Mehr nicht. Unter den Pflegekräften gibt es verstärkt Mitarbeiterinnen, die aus Polen stammen. Und eine Ordensschwester kommt aus Indien, wo sie gerade auch ihre Ferien verbringt.

40 Jahre „Haus Maria im Venn“ – wie hat sich das Haus in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert?

Schwester Maria Wendeline: 1980 wurde das Schwesternhaus angebaut. 2005 kam ein Mehrzweckraum hinzu. Vor fünf oder sechs Jahren wurde der so genannte „Garten Eden“, eine eingezäunte Außenanlage speziell für Demenzkranke, geschaffen. Und vor Weihnachten konnten wir unseren neuen Wintergarten eröffnen.

Vor welchen Herausforderungen steht das Heim in den nächsten Jahren?

Schwester Maria Wendeline: Wir müssen alle Badezimmer umbauen und diese mit Duschen einrichten. Dies ist dringend notwendig und vorgeschrieben. Viele Dinge innerhalb des Hauses müssen erneuert werden, zum Beispiel auch die Aufenthaltsräume.

An welche Ereignisse der vergangenen Jahre denken Sie gerne zurück?

Schwester Maria Wendeline: Da gibt es eigentlich keine speziellen Ereignisse, die erwähnenswert sind. Ich arbeite einfach gerne hier und will für andere da sein. Zum Glück spielen Körper und Geist noch so gut mit. Das ist das Allerwichtigste.

Wie viele Schwestern arbeiten heute noch hier? Wie viele waren es einmal?

Schwester Maria Wendeline: Zwölf Schwestern verbringen noch ihren Lebensabend in Venwegen. Zu Spitzenzeiten waren wir über 40 in Venwegen und über 200 in Aachen.

Wird das Heim in dieser Form auch fortbestehen, wenn einmal keine Schwestern mehr da sind?

Schwester Maria Wendeline: Das liegt in der Zukunft. Niemand weiß, wie es dann weiter geht.

Trotzdem ein Blick in die Zukunft: Was wünschen Sie sich für das Heim in den nächsten Jahren?

Schwester Maria Wendeline: Dass sich alle Heimbewohner hier wohlfühlen und so lange wie möglich leben – solange der liebe Gott es will.

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