Stolberg - „Wir wollen anderen Hauptschülern Mut machen!”

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„Wir wollen anderen Hauptschülern Mut machen!”

Von: Sarah Sillius
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Stolze Gewinner von „Bionik - Learning from nature”: Lehrerin Svetlana Geliev mit Tolga Arabaci, Bastian Krückels (hinten,v.l.), Kevin Kaptur und Marvin Lehmann (vorne,v.l.). Foto: S. Sillius

Stolberg. Es ist fast 12 Uhr. Tolga Arabaci, Bastian Krückels, Kevin Kaptur und Marvin Lehmann sitzen in einem der Klassenräume der Ganztagshauptschule Kogelshäuserstraße. Der 16-jährige Bastian hat gerade seine vorletzte Abschlussklausur hinter sich gebracht.

Eigentlich hätten die vier jetzt schulfrei. Doch es ist nicht das erste Mal, dass die Neunt- und Zehntklässler Überstunden einlegen. In den letzten Monaten haben sie oft über den normalen Unterricht hinaus gelesen, im Physikraum experimentiert, getüftelt und Modelle entwickelt.

Dazu haben sich die vier Jungs freiwillig entschieden. Sie haben mit Svetlana Geliev, Lehrerin für Physik, Mathe und Chemie, am Schulwettbewerb „Bionik - Learning from nature” teilgenommen, der vom Pharmaunternehmen Grünenthal ausgeschrieben wurde. Und sie haben dabei den ersten Platz belegt.

An dem Wettbewerb haben insgesamt 24 Schulmannschaften teilgenommen. Nur zwei Hauptschulen und eine Gesamtschule waren darunter. „Dass wir uns gegen so viele Gymnasiasten durchsetzen konnten, ist ein großer Erfolg”, sagt die Lehrerin. Und auch die vier Jungs sind mächtig stolz auf ihre Leistung.

Schließlich kam noch erschwerend hinzu, dass sie erst später als die anderen Teilnehmer von dem ausgeschriebenen Wettbewerb erfuhren. Während die anderen so schon im Dezember beginnen konnten, haben die Hauptschüler erst im Februar erste Ideen gesammelt.

„Wir sollten Biologie und Technik vereinen, um die Welt zu verbessern”, erklärt Bastian die Aufgabe des Wettbewerbs: „Auf unsere Idee kamen wir nach der Klassenfahrt nach Italien. Zu diesem Zeitpunkt war der Fluss Po von einer Öltankhavarie verschmutzt.” Wie kann das Öl aufgenommen und dabei sinnvoll wiederverwendet werden? Diese zwei Fragen stellten sich die Jungs, jeder übernahm dabei ein eigenes Thema. „Die Fragen, die dabei aufkamen, sind nicht Teil des normalen Unterrichts, sondern gehen weit darüber hinaus”,weiß Geliev.

Tolga hat sich mit den verschiedenen Methoden der Ölbekämpfung beschäftigt. Weder die chemische noch die biologische oder mechanische Methode kam für ihn in Frage. „Immer bleiben Rückstände, oder das Öl ist nicht mehr wiederverwertbar”, erläutert Tolga. Deswegen hat sich sein Team schlau gemacht, was die Natur an Möglichkeiten bietet - der biologische Aspekt war schließlich wichtiger Bestandteil des Wettbewerbs. „Wir haben dann herausgefunden, dass die Ölbiene ein Vorbild für unser gesuchtes Prinzip sein kann. Sie hat an ihren Schenkeln ganz viele Haare, die Öl aufnehmen können.”

Ölbienen-Prinzip

Zum technischen Pendant für dieses Ölbienen-Prinzip haben die Jungs den Luftfilter ernannt. „Der kann Öl aufsaugen und ist gleichzeitig wasserabweisend. Die Lamellen funktionieren wie die Härchen der Biene”, erklärt Bastian. Bei dieser Idee haben ihnen ihre Kenntnisse geholfen, die sie während ihres Schulpraktikum in der Kfz-Werkstatt gewinnen konnten. „Die praktische Erfahrung ist eben der Vorteil, den die Hauptschüler haben”, findet ihre Lehrerin. Nach der Luftfilter-Idee ging es um die Entwicklung und Zeichnung eines Modells, das „Anti-Öl-Tempo” genannt wurde. Es kann an Schiffen befestigt qerden, um im Meer auslaufendes Öl nicht nur aufzunehmen, sondern auch wiederverwerten zu können.

Die Jury-Vertreter Professor Wolfgang Baumgartner und Professorin Erika Abraham von der Abteilung Zelluläre Neubionik an der RWTH Aachen sowie Tina Kubitzki vom Forschungszentrum Jülich, Matthias Ridder, Leiter des Trennlabors bei Grünenthal und Heinz Moll, Leiter der Gesamtschule Langerwehe, waren von dem Vorschlag begeistert.

Wenn sich Tolga, Bastian, Kevin und Marvin an die Bekanntgabe der ersten Plätze erinnern, beginnen ihre Augen zu leuchten. Ihnen hat der erste Platz großen Mut gemacht. „Es hat uns gezeigt, dass man auch als Hauptschüler ganz oben mitspielen kann”, sagt Tonga. „Damit wollen wir auch anderen Hauptschülern Mut machen”, ergänzt Bastian, der Schülersprecher ist. „Tonga, der mein Vertreter ist, und ich konnten so auch unsere Vorbildfunktion erfüllen. Von vielen wird man als Hauptschüler in die falsche Schublade gesteckt. Jetzt konnten wir allen endlich mal das Gegenteil beweisen.”

Nach der Schule wollen die vier Jugendlichen teilweise eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker machen, teilweise in die kaufmännische Richtung gehen. Das mag zwar beides nicht direkt etwas mit Bionik zu tun haben, doch ist ihre Lehrerin sicher, dass ihnen der Wettbewerb wichtige Schlüsselkompetenzen für ihre berufliche Zukunft eingebracht hat: „Sie sind dadurch teamfähig geworden, können sich präsentieren und durchsetzen.”

Mit dem Preisgeld von 1500 Euro soll das Interesse an den Naturwissenschaften an der Ganztagshauptschule zukünftig noch intensiver gefördert werden, zum Beispiel bei einer Fahrt zum Technischen Museum in Berlin. Außerdem wollen die Jungs weiterforschen, was ihre Lehrerin sehr freut: „Wir wollen die Idee auch an BP weiterreichen.”

Kogelshäuser: Auch bei „Netrace” vorne dabei

Die Schüler der Ganztagshauptschule Kogelshäuserstraße sind nicht nur fit in Naturwissenschaften So haben einige von ihnen bereits bei „Netrace 2009/2010”, einer von unserer Zeitung und Net-Aachen organisierten Internetrallye, den zweiten Platz geholt.

Die Gruppe „KogelStreetNews”, drei Kinder der 5b (Remus Zainia, Maik Ziebuhr, Laura Poth) und zwei Kinder der 7b (Dusa Salimovic, Jennifer Raabe) gehörte zu den jüngsten Teilnehmern.

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