Windgiganten finden nur Platz im Wald

Von: Jürgen Lange
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Zusätzliche neue Windräder werden nach derzeitigen Erkenntnissen der Verwaltung nur in Waldflächen im südlichen Stadtgebiet errichtet werden können. Bis dahin vergehen noch Jahre. Foto: imago / imagebroker

Stolberg. Bis Stolberg einen nennenswerten Anteil zur Erzeugung von Windenergie leisten kann, werden noch Jahre vergehen. Es sind derzeit drei Anlagen, die in der Werther Heide den Stolberger Anteil an der Versorgung mit regenerativer Energie aus Windkraft beisteuern. Nach dem Repowering von zwei Anlagen im vergangenen Jahr liegt die jährliche Stromausbeute bei insgesamt rund 17 Millionen Kilowattstunden.

Sie könnte im Stadtgebiet aber deutlich höher ausfallen, wie das Land in seinem Energieatlas vorgerechnet hat. Der bescheinigt der Kupferstadt auf Basis der bisherigen landesplanerischen Rechtslage ein Potenzial von jährlich 35 Gigawattstunden bei einer installierbaren Leistung von zwölf Megawatt auf 27 Hektar Fläche. Unter Berücksichtigung von aktuellen Regelungen im Windenergieerlass bietet Stolberg noch mehr Potenzial: Auf 156 Hektar könnten Anlagen mit einer Leistung von 36 Megawatt 92 Gigawatt Strom im Jahr erzeugen. Soweit die Theorie.

In der Praxis ist die derzeitige Kapazität in Stolberg erschöpft. Die drei vorhandenen Anlagen stehen auf dem Quadratkilometer konzentriert, den die Stadt 2003 explizit für die Nutzung von Windenergie ausgewiesen hatte. Geschah dies vor zehn Jahren aus der Befürchtung, Windräder würden das Stadtbild verschandeln, so möchte Stolberg heute Gutes tun zur Energiewende und an der regenerativen Stromerzeugung Geld verdienen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat die Verwaltung auf Initiative von SPD und Grünen beauftragt, die Ausweisung der Konzentrationszonen zu überarbeiten, zumal mittlerweile auch Wald als Standort für Windenergieanlagen unter bestimmten Voraussetzungen infrage kommt.

Diese Möglichkeit eröffnet zwar einerseits der Stolberger Klimaschutzpolitik neue Perspektiven, ist andererseits aber mit einem erheblichen Aufwand verbunden. „Ein schlüssiges Konzept ist erforderlich, um Flächen von Windenergie freizuhalten und andere nutzen zu können“, so Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt.

So ist ein Windpark im Wald nur dann erlaubt, wenn er anderswo nicht realisiert werden kann und gleichzeitig keine relevanten Tiere und Pflanzen gefährdet werden. Bereits aus bisherigen planungs- und umweltrechtlichen Bestimmungen ergeben sich im Stadtgebiet deutliche Einschränkungen für weitere Konzentrationsflächen.

Gesetzlich geschützte Biotope, Vorgaben des Lärmschutzes oder anderweitige Abstandsflächen gelten als so genannte harte Tabuzonen. Zu weichen Ausschlusskriterien zählen beispielsweise einheitliche städtebauliche Vorstellungen, beispielsweise bezüglich des Landschaftsbildes oder der Freiraumfunktion, für solche Bereiche, in denen der Bau von Windenergieanlagen eigentlich erlaubt wäre.

Die nach Abzug der Tabuzonen verbleibenden potenziellen Flächen für Windenergie müssen in einem nächsten Verfahrensschritt abgeglichen werden mit sonstigen konkurrierenden Nutzungen und öffentlichen Belangen. „Im Ergebnis muss der Windenergie in substanzieller Weise Raum geschaffen werden“, erläutert Pickhardt. „Sollten nach dem zweiten Analyseschritt keine potenziellen Flächen für Windenergie übrig bleiben, müssten wir unsere Ausschlusskriterien neu überprüfen.“

Frackersberg mit Potenzial

Bis heute hat die Verwaltung das Stadtgebiet anhand der Tabukriterien grob überprüft. Zusätzlich zur Werther Heide kommen „fast ausschließlich Waldbereich im südlichen Stadtgebiet infrage, wobei es sich zumeist um Kahlschlags- und Windwurfflächen handelt“ – beispielsweise der Frackersberg oberhalb Zweifalls. Die Potenziale befinden sich teils in städtischem, in privatem oder in Landesbesitz.

Derzeit erfolgt eine erste Überprüfung durch die Verwaltung, wo Belange des Artenschutzes grundsätzlich gegen weitere Konzentrationszonen sprechen. Die dann verbleibenden Flächen müssen einzeln einer detaillierten Artenschutzprüfung unterzogen werden, die einen vollständigen Jahreszyklus umfasst – eine Aufgabe für ein Fachbüro, die ausgeschrieben und Anfang 2013 vergeben werden soll, so dass Ergebnisse frühestens Mitte 2014 vorliegen können.

Erst dann lassen sich konkretere Aussagen über weitere Flächen für eine Eignung als Standort von Windenergieanlagen treffen. Auch die übrigen Leistungen für die Änderung des Flächennutzungsplanes sollen an ein Ingenieurbüro vergeben werden.

Die Kosten für Untersuchungen und Planungsleistungen wiederum sollen so wie bei normalen Baugebieten zumindest teilweise refinanziert werden, wenn es zu einer Verpachtung städtischer oder privater Flächen kommt. Auf seiner Sitzung am Donnerstag soll der Ausschuss für Stadtentwicklung den Einstieg in die Änderung des Flächennutzungsplanes fassen.

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