Wie ein Fischer wirft er sein Netz

Von: Sarah Sillius
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Hartmut „Haki” Ritzerfeld stellt seine Werke noch bis September in Vicht aus. Foto: S. Sillius

Stolberg-Vicht. Hinter dem kleinen Eingangstor des Europäischen Kunsthofs in Vicht empfängt den Besucher eine andere, bunte Welt. Dort ist ein Ort der Ruhe und der künstlerischen Inspiration.

Durch den mit Kunstobjekten geschmückten, sorgfältig angelegten grünen Garten geht es zur hellen Galerie, in der die bis zum 20. September laufende Ausstellung „Der Fischer Hartmut Ritzerfeld” eröffnet wird. Die Bilder und bemalten Objekte, darunter Pfannen und Bücher, entstammen der letzten 20 Jahre Schaffenszeit des Stolberger Künstlers und ehemaligen Beuys-Meisterschülers Hartmut „Haki” Ritzerfeld. Auf und in ihnen finden sich bekannte Motive wieder: sakrale Elemente wie Kreuze, Engel oder Götter sowie menschliche Portraits oder Erinnerungen an Joseph Beuys.

Es sind Werke, wie man sie von Ritzerfeld kennen mag. Unter dem Fischerei-Motto werden sie aber in einen neuen Kontext gestellt, erhalten eine andere Bedeutung.

Meinungsfreiheit für die Natur

Winfried Adams, sowohl ein Kenner Beuys´ als auch Ritzerfelds, konnte zur Vernissage nicht persönlich erscheinen, um die Eröffnungsrede zu halten. Aber seine Rezeption wird verlesen. „Hartmut Ritzerfeld ist ein Hersteller von Gegenwart im Bild”, heißt es darin.

Seine Arbeiten nenne der Künstler selbst „Standbilder, Zwillingsembleme zwischen Innen- und Außenwelt”. Dabei fordere er Meinungsfreiheit für die Natur: Sperrmüll, Strandgut, alles, was sich so in seinem Fischernetz sammelt, ziehe er einer vorgrundierten Leinwand vor. Aus langem Gebrauch und Zweckbestimmtheit werden so bei Ritzerfeld Pizzakartons oder alte Pfannen zu Kunstobjekten.

Ein Blick in sein Atelier, das er in Gemeinschaft mit Angelika Kühnen führt, gewährt einen Einblick in das kreative Schaffen des Künstlers: Eine Staffelei voller bunter Farbkleckse, bemalte Pizzakartons und Bücher, Leinwände verschiedenster Größen treffen dort aufeinander und werden gleichsam zu Kunstgegenständen.

Es geht Ritzerfeld aber nicht nur um die Materialien selbst, sondern ebenso um die Menschen, in deren Besitz sie einmal waren, so Adams Interpretation. Es seien Begegnungen, wie für ihn „freigelassene Seiten”, die den Künstler inspirierten. Das menschliche Antlitz, das er in seinen Porträtbildern einfängt, mache eines der zentralen Arbeitsfelder aus.

Die Motive der Fischerei finden sich auf zahlreichen Bildern, in Pfannen oder auf Büchern bei Ritzerfeld wieder. „Dies hängt mit seinem Umweltbewusstsein zusammen. Der Fisch gehört zum Element Wasser, das wie die anderen Elemente - Luft, Feuer und Erde - immer wieder bei Haki zu finden ist,” erklärt Monika Kühnen.

Warum aber wird Ritzerfeld als „Fischer” bezeichnet? Deuten die Motive der Fischerei womöglich auf eine heimliche Leidenschaft hin? Ein Fischer im wörtlichen Sinne” sei Ritzerfeld nicht: „Er besitzt zwar einen Angelschein, aber hat mir versichert, dass er noch nie einen Fisch gefangen hat”, berichtet Kühnen.

Mit der Fischer-Metapher werde eher auf die Persönlichkeit, das Schaffen des Künstlers verwiesen: „Wie ein Fischer, der sein Netz auswirft und darin Fische einfängt, zieht Haki die Menschen mit seiner Kunst und seiner zurückhaltenden Art in den Bann - genauso wie sein Lehrer Beuys zur Lebenszeit.”

Ritzerfeld selbst gibt sich gewohnt zurückhaltend, trifft bei der Vernissage erst ein wenig später ein. Es scheint tatsächlich so, wie Adams und Kühnen es formuliert haben: Hartmut Ritzerfeld, „der Fischer”, hat sein Netz ausgeworfen - ganz unbemerkt.
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