Wichtige „Soft Skills” aus dem Ballett-Atelier

Von: Jan Schlegelmilch
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Im Tanz Soft Skills erwerben: „Die Mädels ziehen voll mit”, sagt Tanzpädagogin Stefanie Feiter (vorne) erfreut. Foto: J. Schlegelmilch

Stolberg. Wer später einmal Karriere machen möchte, braucht heutzutage vor allem die sogenannten „Soft Skills”. Die breite Palette der Fähigkeiten, die unsere soziale Kompetenz ausmachen, kann man sogar in Büchern und Seminaren lernen und trainieren. Es geht aber auch ganz anders, wie Siegfried Matheis weiß.

Den Beweis dafür soll das Projekt „Tanz in Schulen” liefern, an dem sich der kaufmännische Leiter des Ballett-Ateliers „Alte Zinkhütte” in Kooperation mit der Ganztagshauptschule Kogelshäuserstraße beteiligt. Seit Beginn des Schuljahres kommen zehn Schülerinnen der 5. und 6. Klasse einmal in der Woche in das Ballett-Atelier, um dort zu tanzen und darüber hinaus vor allem die „weichen Fähigkeiten” - wie Teamfähigkeit, Disziplin oder Zuverlässigkeit - unterbewusst zu fördern und zu trainieren. So sollen den jungen Hauptschülerinnen grundlegende Eigenschaften vermittelt werden, die ihnen bessere Startbedingungen für ihr Berufsleben bieten.

Gefördert wird das Projekt - wenn auch nur ideell - vom NRW-Landesbüro Tanz, das die Tanzkunst als wichtigen Baustein zur Entwicklung der Kinder in Schule und Jugendhilfe etablieren will. Und gerade da sehen Jörg Klein, Leiter der Ganztagshauptschule, und Sigfried Matheis eine große Chance für die Schülerinnen und Schüler - mit dem Tanz als Schlüssel zum Erfolg. Noch ist die Kooperation nur eine Art Testlauf, doch die Aussichten auf eine Fortsetzung des Angebots stehen gut.

„Wir haben bewusst erst einmal mit zehn Mädchen begonnen, bis jetzt läuft es aber sehr gut”, erzählt Siegfried Matheis, der allerdings dafür argumentiert, den Tanz als Unterrichtsfach nicht in, sondern aus den Schulen zu bringen: „Es ist natürlich so, dass Tanz in den Schulen unterrichtet wird. Aber in vielen Fällen kommt jemand, der keine tanzpädagogische Ausbildung hat. Das ist meines Erachtens nur Beschäftigungstherapie.”

Denn wenn schon Tanz unterrichtet werde, so Matheis, dann auch von ausgebildeten Tanzpädagogen in den entsprechenden Räumlichkeiten, die im Ballett-Atelier ausreichend zur Verfügung stehen. „Es ist der verkehrte Weg, die Tanzlehrer in die Schule zu schicken. Wir gehen einen Schritt weiter und holen die Kinder wie im Schwimmunterricht nach hier. Man bringt die Kinder ja in die Schule, damit sie dort von ausgebildeten Pädagogen in Mathe, Deutsch oder Englisch unterrichtet werden. Das sollte beim Tanz nicht anders sein”, meint Matheis, der ausschließlich ausgebildete Tanzlehrerinnen und Tanzpädagoginnen in seinen Reihen hat.

Trainiert werden die Mädchen von der auf Jazzdance und Ballett spezialisierten Tanzpädagogin Stefanie Feiter im Rahmen des Sportunterrichts. Im Tanztraining, einer Mischung aus Ballett- sowie Jazztanz-Elementen, achtet die Lehrerinn besonders auf die Körperhaltung, Spannung, Bewegungsfähigkeit und Dehnfähigkeit der Kinder.

„Es läuft sehr gut, die Mädels machen super mit, sie sind begeistert und motiviert”, freut sich Feiter, die neben tänzerischen Fortschritten sogar schon Verbesserungen in den „Soft Skills” erkennen kann: „Die Mädchen respektieren sich untereinander, obwohl sie aus verschiedenen Klassen kommen. Zu Beginn sind nicht alle Freundinnen gewesen, jetzt entstehen hier Freundschaften. Das Sozialverhalten hat sich auf jeden Fall schon gebessert.”

Kooperation ausbauen

Jörg Klein und Siegfried Matheis werden das gerne hören. Schließlich wollen die beiden ihre Kooperation gerne ausbauen. „Wir haben mit der 5. und 6. Klasse begonnen und wollen das bis zum Ende der Schulzeit durchziehen und auch für weiter Klassen anbieten”, sagt Siegfried Matheis, der sich in Zukunft auch noch an die anderen Stolberger Schulen wenden möchte.

Dabei könnte bei einer Ausweitung des Pilotprojektes allein die Finanzierung ein Problem darstellen. Zur Zeit wird der Tanzunterricht im Ballett-Atelier von Sponsoren finanziert, bei einem erweiterten Angebot für alle Jahrgangsstufen der Kogelshäuserschule oder gar mehrere Schulen müssten weitere Tanzlehrerinnen und Räume eingesetzt werden. Dabei macht Siegfried Matheis aber deutlich: „Der wirtschaftliche Aspekt steht da wirklich im Hintergrund. Ich sehe die Notwendigkeit, so etwas zu unterrichten. Und wenn, dann schon richtig.”
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