Stolberg - Wenn der Diesel teurer ist als das Personal

Wenn der Diesel teurer ist als das Personal

Von: Mischa Wyboris
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Skepsis beim Tank-Stopp: Die P
Skepsis beim Tank-Stopp: Die Pläne der EU-Kommission zur einheitlichen Besteuerung von Kraftstoff könnten Stadtbetrieb, Busunternehmen und Speditionen hart treffen - wenn der Dieselpreis steigt. Foto: dapd

Stolberg. Europa? Auf das Thema ist Karl-Heinz Rütgers nicht gut zu sprechen - dabei ist es sein Geschäft. Doch wenn das heute von der EU-Kommission vorgestellte Konzept zur einheitlichen Besteuerung von Kraftstoffen in Fahrt kommt, schauen Diesel-Tanker in die Röhre - und damit auch der Mausbacher Spediteur, das Technische Betriebsamt der Stadt Stolberg und die Aseag.

„Eine Katastrophe” nennt der Geschäftsführer der Spedition Rütgers die mögliche Erhöhung der Diesel-Steuer von derzeit 47 auf 75 Cent: „Der stetig steigende Diesel-Preis ist für uns Spediteure eine enorme Bedrohung.” 53 Lastwagen gehören zum Fuhrpark der Firma, die insgesamt 2,5 Millionen Liter Diesel pro Jahr verbraucht. Nicht weniger als 8,5 Millionen Kilometer legen die Laster jedes Jahr zurück.

„Früher waren die Personalkosten der größte Posten”, sagt Rütgers. „Heute sind es die Ausgaben für den Diesel-Kraftstoff.” Rund 250.000 Euro investiert die Spedition jedes Jahr in die Füllung ihrer Tanks. Kommt die höhere Diesel-Steuer, steuert das Mausbacher Unternehmen auf einen gefährlichen Engpass zu: Rütgers rechnet mit 425.000 Euro Mehrkosten. „Das bekommen Sie gar nicht mehr aufgefangen.”

Das gilt genauso für das mittelständische Stolberger Unternehmen „Haas Reisen”. „Diesel ist unser Lebensmittel. Es ist nicht mehr tragbar, was die mit uns machen”, klagt Geschäftsführer Helmut Haas. 1,3 Millionen Liter Diesel fließen jährlich in die Tanks seiner 45 Busse, die Mehrkosten will er gar nicht ausrechnen. Er weiß aber: Preiserhöhungen müsste er an seine Kunden weitergeben. „Wo soll das Geld sonst herkommen?”, fragt Haas. „Wenn wir genug hätten, das alles aufzufangen, könnten wir aufhören zu arbeiten.”

Auch auf die klamme Kupferstadt kämen krasse Kosten zu. „Wenn die neue Dieselbesteuerung kommt, würde uns das übel treffen”, sagt Georg Paulus, Leiter des Technischen Betriebsamts. 55 Fahrzeuge umfasst der städtische Fuhrpark, die jeden Monat für rund 15.000 Euro mit Diesel betankt werden. 36.000 Euro Mehrkosten könnten künftig jedes Jahr für Stolberg zu Buche schlagen. „Man kommt aber auch nicht vom Diesel weg. Versuchen Sie mal, einen Lkw mit Benzinmotor zu kriegen”, sagt Paulus.

Immer „Diesel”-ben Konsequenzen. Auch für die Feuerwehr und ihre 30 Fahrzeuge. „Die setzen jede Menge Kilometer um - wir können ja schlecht stehenbleiben”, sagt Stadtbrandinspektor Toni Sturz. Auch für die Aseag, die ihre rote Flotte mit sechs Millionen Litern Diesel per anno füttert. 350 Busse, aufgeteilt auf zwölf Linien, passieren an einem normalen Wochentag den Mühlener Bahnhof. „Wir sehen die Dieselpreisentwicklung äußerst kritisch”, kommentiert Anne Linden, Sprecherin des ÖPNV-Unternehmens. Man wolle aber zunächst mal „sehen, wie sich die Diskussion entwickelt”.

Für Haas gibt es da wenig abzuwarten. „Wenn wir weiter so gebeutelt werden”, sagt der Unternehmer, „hat es bald keinen Sinn mehr, selbstständig zu arbeiten.”

EU-Kommission bestreitet Steuererhöhung

Der Energiegehalt soll künftig bei der einheitlichen Besteuerung von Benzin und Diesel entscheidend sein. Da Diesel jedoch energiereicher als Benzin ist, müsste der Mindeststeuersatz für Diesel nach Berechnungen von EU und Autobranche künftig 17 Prozent über dem von Benzin liegen.

Auf einen Liter Diesel entfallen in Deutschland derzeit 47 Cent Steuern, auf einen Liter Benzin 64 Cent. Künftig könnte der Steuersatz für Diesel um 28 Cent auf rund 75 Cent je Liter steigen.

Dem widerspricht die EU-Kommission allerdings entschieden: Derzeit lägen die deutschen Steuersätze allesamt höher als die in Zukunft von der Kommission angestrebten.

Die Übergangsfrist soll bis ins Jahr 2020 reichen, um der Industrie die Gelegenheit zu geben, sich auf die Neuerungen einzustellen. Die Richtlinie soll jedoch 2013 in Kraft treten - vorausgesetzt, die Mitgliedsstaaten segnen sie einstimmig ab.
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