Weitere Flächen für die Windenergie erwartet

Von: Jürgen Lange
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Während das Repowering in Wer
Während das Repowering in Werth gefeiert wurde, rankten sich erste Gedankenspiele um die Ausweisung weiterer Foto: J. Lange

Stolberg. Die modernisierten Windräder in Werth im Blick, die atomare Katatrophe von Fukushima im Hinterkopf, den Ausstieg aus der Atomenergie und die Hoffnung auf zusätzliche Gewerbesteuer vor Augen wird in Rat und Verwaltung der Stadt der Wunsch nach weiteren Windkraftanlagen geweckt.

Noch liegen zwar keine konkreten Anträge vor, doch erste Überlegungen bestehen bereits.

Die werden sich zunächst mit einer Änderung des Flächennutzungsplans befassen müssen, erklärt Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt auf Anfrage. Denn der Stadtrat hatte im Oktober 2003 mit den Stimmen von CDU, FDP und Grünen die Ausweisung von Konzentrationszonen für die Windenergie beschlossen. Diese beschränkte sich auf die Fläche auf dem Weißenberg, die mit der Errichtung der bestehenden drei Windräder ausgeschöpft sein dürfte.

Rückblick in die Geschichte

Dass es zu diesem Beschluss kam, hatte natürlich eine Vorgeschichte. Bereits im Dezember 1996 hatte der damalige Technische Beigeordnete Claus Müller vor dem Hintergrund gesetzlicher Veränderungen dem Stadtrat vorgeschlagen, Konzentrationszonen für die Windenergie auszuweisen, um im Stadtgebiet die Ansiedlung von Windkraftanlagen steuern zu können, denen der Status als privilegierte Bauvorhaben zugestanden wurde. Mit den Stimmen der Ratsmehrheit aus SPD und Grünen wurde der Vorschlag abgelehnt; sie sahen im Baurecht ausreichend Möglichkeiten, eine Ansiedlung zu steuern.

Als die Stadt nach einjähriger Planungsphase Ende 1997 die ersten beiden Windkraftanlagen genehmigte, stand bereits ein Windpark in Sichtweite auf der Halde Nierchen. Schlechte Erfahrungen der Anlieger mit Lärm und Schattenwurf sensibilisierten auch die Werther, als Dr. Franz Josef Ingermann im Frühjahr 1998 mit der Realisierung seines Projektes begann. Gleichwohl konnten die Proteste das Vorhaben nicht mehr verhindern; im Oktober 1998 lief die Stromgewinnung an. Massiver Bürgerprotest regte sich erst wieder, als unsere Zeitung im Juli 1999 berichtete, dass ein Investor eine Bauvoranfrage für ein Windrad mit einer Gesamthöhe von 101 Meter auf dem Hammerberg eingereicht hatte. Sofort gründete sich eine Bürgerinitiative, die negative Auswirkungen auf Stadtbild und Tourismus durch dieses privilegierte Vorhaben befürchtete. Nicht an Einsprüchen, Unterschriftensammlungen oder Ratsbeschlüssen scheiterte dieses Projekt, sondern am Widerstand eines Landwirtes, der seinen Feldweg nicht zur Verfügung stellen wollte für die Anlieferung der Bauteile.

Im Oktober 1999 wurde das Projekt zwar zu den Akten gelegt, aber Ende 2001 lag ein Bauantrag für eine weitere Windkraftanlage auf dem Weißenberg vor und im Folgejahr folgten Anträge für insgesamt sechs weitere Anlagen an den Standorten Büsbach, Breinig und Niederhof. Mit der Aufstellung von Bebauungsplänen sowie der Ausweisung von Konzentrationszonen begegnete eine Ratsmehrheit aus CDU, FDP und Grünen der „Zerspargelung der Landschaft”: Im Dezember 2002 wurde in die Änderung des Flächennutzungsplans eingestiegen, im Oktober 2003 wurde er vom Rat einstimmig beschlossen und vom Regierungspräsidenten genehmigt: Nur im Bereich des Weißenbergs sind seitdem Windenergieanlagen genehmigungsfähig. Mit dem im Herbst 2005 dort errichteten dritten Windrad ist das Potential der Konzentrationszone erschöpft. Sollen in Stolberg weitere Windenergieanlagen errichtet werden, ist eine erneute Änderung des Flächennutzungsplans erforderlich, um zusätzliche Konzentrationszonen auszuweisen. Sie ist verbunden mit einer umfangreichen Prüfung, an welchen Standorten dies beispielsweise unter der Berücksichtigung von Wohngebieten und Landschaftsschutz möglich ist und in welchen Bereichen der Wind ausreicht, Stromgewinnungsanlagen wirtschaftlich zu betreiben.

Rückenwind aus Düsseldorf

Erleichterte Rahmenbedingungen für die Errichtung von Windkraftanlagen verspricht der geplante Energieerlass, den der Landtag im Juli auf den Weg bringen soll. Damit wird der Bau von Windrädern in Waldgebieten ermöglicht. „Über solche Flächen verfügt Stolberg reichlich”, kann sich Pickhardt Standorte im Stadtwald vorstellen, die zumindest zu keiner Beeinträchtigung von Anwohnern führen. „Allerdings muss sich der Stadtrat zuerst überlegen, ob und in welchem Umfang er das möchte.”

Rückenwind verspricht dabei die energiepolitische Zielsetzung der Landesregierung: Bis zum Jahre 2020 will Düsseldorf den Anteil des Windstroms von derzeit drei auf 15 Prozent steigern. Vorranggebiete für die Windenergienutzung sollen insgesamt zwei Prozent der Landesfläche umfassen - das Fünffache des derzeitigen Bestandes. Neben einem intensiven Repowering von Altanlagen sollen neue Standorte, vor allem entlang der überörtlichen Bundesfernstraßen und Eisenbahnstrecken sowie gegebenenfalls in Gewerbegebieten und auf Forstflächen realisiert werden.
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