Stolberg - Weihnachtskisten-Aktion: Zurück geht niemand mit leeren Händen

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Weihnachtskisten-Aktion: Zurück geht niemand mit leeren Händen

Von: Lukas Franzen
Letzte Aktualisierung:
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Weihnachtsessen gesichert: Eines der 1175 gespendeten Lebensmittel-Pakete nahm Gazi Demirak mit nach Hause. Foto: L. Franzen

Stolberg. Diese Situation wollten Wilma Gier und die anderen Helfer der Stolberger Tafel bei der Ausgabe der gespendeten Lebensmittelpakete nicht noch einmal erleben: „Stellen Sie sich vor, Sie stehen in der Schlange und sehen, wie sich die Tische immer weiter leeren“, sagt die 2. Vorsitzende der Tafel. „Und dann kommt ein Mensch aus dem Saal und sagt, es seien keine Pakete mehr da.“

So war es im Vorjahr, als lediglich 650 Kisten bei der Sammelaktion im Zinkhütter Hof zusammenkamen. Zu wenig, um jedem Hilfsbedürftigen ein würdiges Essen an Heiligabend zu bescheren.

Als die Zahl des Vorjahres dann aber mit 1175 gesammelten Weihnachtskisten fast verdoppelt werden konnte und die Tafel damit sogar an ihrem Rekord von über 1200 gespendeten Paketen kratzte, war die Erleichterung bereits am Mittwoch groß. Bei der Ausgabe einen Tag später gab es dann Gewissheit: Jeder, der einen Karton wollte, bekam auch einen. Mehr noch: 50 bis 60 seien am Ende sogar übriggeblieben, sagt Gier. Sie sollen in den kommenden Tagen noch in der Tafel verteilt werden.

Spürbar sei die Angst, erneut leer auszugehen, aber dennoch bei einigen Kunden gewesen, sagt Gier. Als sich die Türen des Industriemuseums am Morgen öffneten, hätten viele Menschen gedrängelt, um auf keinen Fall leer auszugehen. „Als ich ihnen gesagt habe, dass sich niemand Sorgen machen muss, herrschte aber schnell wieder weihnachtliche Stimmung.“

Gut gelaunt ist deswegen auch Gazi Demirak, nachdem er sich einen prall gefüllten Karton ausgesucht hat. Bockwurst, Spargel, Kekse, Obst, Kaffee, eine Flasche Glühwein und vieles mehr kann Demirak, der selbst lange bei der Tafel mithalf, jetzt mit nach Hause nehmen. Und auch Kevin und Andira Tahirmovic haben allen Grund zur Freude. Tafel-Helferin Marlies Schorr hat sie zu den Tischen geführt, auf denen die Weihnachtspakete, die für drei Personen bestimmt sind, stehen.

Dort haben sie sich eine Kiste, in der sich unter anderem liebevoll verpackte Nudeln und eine Flasche Wein befinden, ausgesucht. Und auch eine weihnachtliche Tischdecke ist dabei. Für ihre Tochter Ferida, die noch im Buggy sitzt, suchen sie anschließend auch noch Spiele und Kuscheltiere aus.

Gesorgt ist auch für Menschen, die die schweren Pakete nicht selbst nach Hause transportieren können. Für sie stehen ehrenamtliche Fahrer wie Helmut Nießen am Ausgang bereit. „200 Menschen fahren wir heute bestimmt nach Hause“, meint der 70-Jährige. Ein einzelner Fahrer kommt an diesem Ausgabetag somit auf rund 25 Touren. Dass er nun derart engagiert bei der Tafel arbeite, sei „purer Zufall“ gewesen, erzählt Nießen. „Ich bin nur für einen Freund eingesprungen. Jetzt helfe ich jeden Donnerstag mit.“

Es sind viele Rentner, die an Tagen wie diesem für die Tafel im Einsatz sind, aber keineswegs ausschließlich. Eine Helferin, sagt Wilma Gier, habe sich extra einen Tag Urlaub genommen, um dabei zu sein.

Im Eingangsbereich des Saals reißt die Schlange der Wartenden nicht ab. Nach und nach werden die Menschen hineingelassen. Sie zeigen ihre gelben Kundenausweise der Stolberger Tafel, auf denen neben ihrem Namen auch die Anzahl der Personen vermerkt ist, für die sie Lebensmittel mitnehmen dürfen.

Drei Tafel-Helfer Paul Rüth, Thomas Schellhoff und Franz-Josef Loch führen darüber genauestens Buch und streichen jeden Kunden, der ankommt, auf ihren Namenslisten durch. Ein wenig habe das etwas von einer Wahl, findet die 2. Vorsitzende. Nur dass der Andrang bei der Tafelaktion vermutlich doch noch größer ist und es am Ende nur Gewinner gibt, möchte man da ergänzen.

Lebensmittel, Kuscheltiere, Spielzeug – das sind nicht die einzigen Dinge, mit denen die Tafel den Menschen eine Freude macht. „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen“, sagt Wilma Gier zu jedem dritten oder vierten, der den Saal betritt und überreicht dabei verschiedene Gutscheine.

Mehrere hat zum Beispiel eine Stolberger Metzgerei gespendet, und auch Supermärkte waren großzügig. Rund 100 Lebensmittelgutscheine kamen außerdem bei der Sammelaktion am Mittwoch zusammen. Und alleinstehende Menschen, die auch an Heiligabend alleine sind, fragen die Tafel-Helfer gezielt, ob sie Lust auf ein Weihnachtsmenü in dem Altstadtlokal „Weißes Rößl“ haben, wo Inhaber Manfred Blumberg 40 von ihnen bekochen möchte.

„Wenn unsere Kunden anfangen, aus Dankbarkeit zu weinen, weint man nicht selten mit“, hatte Tafel-Helferin Anne Dejosez am Vortag noch gesagt. Und auch wenn dieses Mal keine Tränen fließen, braucht es nicht viel Fantasie, um sich dies auszumalen.

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