Weihbischof Karl Borsch besucht Ditib-Moschee

Von: Tom Lammertz
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Herzliche Begegnung: Astrid Na
Herzliche Begegnung: Astrid Natus-Can und Karl Borsch

Stolberg. 3500 Muslime leben in Stolberg. Grund genug für Weihbischof Karl Borsch, der türkisch-muslimischen Ditib-Moschee an der Rathausstraße im Rahmen seiner Visitation einen Besuch abzustatten.

Alle fünf Jahre, so erklärte er dem Vorsitzenden Turgay Sacu und dem Imam Yüksel Mutlu, besucht er die Gemeinden des Bistums Aachen. Zweieinhalb Wochen lang ist er derzeit Gast in der Pfarre St. Lucia.

Der Besuch in der Moschee sei als Ausdruck der Wertschätzung zu verstehen, erläuterte Dieter F. Griemens, als Diplom-Sozialpädagoge des Bistums für Pastoral, Migration und Islam zuständig, bei einem offenen Gespräch. „Integration muss unser gemeinsames Bemühen sein”, betonte Weihbischof Borsch. Aber dafür müsse man die eigenen Standpunkte kennen: „Wenn wir nichts mehr wissen von der eigenen Religion, ist das ein gefährlicher Nährboden.” Deshalb sei der Religionsunterricht so wichtig, damit die Kinder schon wüssten, was sie glauben. Ebenso wichtig für ein gutes Miteinander sei aber auch die Sprachkompetenz. Er habe den Eindruck, die sei derzeit schlechter „als noch vor zwei Generationen”.

Toleranz, so der Weihbischof, bedeute auch, sich im Unterschied zu respektieren, keine Angst voreinander zu haben. Wer in der Lage sei, miteinander zu sprechen, könne sich auch bei den Gemeinsamkeiten zusammenschließen.

Reichlich Fragen hatte Karl Borsch an Turgay Sacu, der gerne Auskunft gab: etwa darüber, dass rund 240 Familien aus Stolberg regelmäßig den Weg zur Moschee fänden. In der Woche würden 30 bis 40 Kinder nach der Schule dort Hausaufgaben machen oder auch Billard spielen. Anders als in der Türkei, wo die Moschee nur Gebetsraum sei, sei sie in Stolberg auch kultureller Lebensraum der Muslime. Es sei ein großer Vorteil, wenn man „beide Kulturen zusammen” lebe.

Ob denn im Haus nur Türkisch gesprochen werde, fragte Weihbischof Borsch und erfuhr, dass sich die Kinder „mehr auf Deutsch” unterhalten. Sacu berichtete von einer Begebenheit, als alle Familienmitglieder ihre Personalien auflisteten, wobei auffiel, dass er selbst als einziger einen türkischen Geburtsort hat. Die Reaktion eines seiner Kinder: „Papa, du bist der einzige Ausländer hier.”

Auf die Frage des Weihbischofs, ob es noch üblich sei, im Alter wieder in die frühere Heimat umzusiedeln, antwortete der Gemeindevorsitzende, das sei selten geworden, ebenso wie das Prinzip der Großfamilien unter einem Dach. Längst sei es üblich, dass jeder, der eine Familie gründe, auch einen eigenen Haushalt führe. „Die deutsche Kultur prägt also das Leben hier”, konstatierte Karl Borsch.

Und doch gibt es auch Unterschiede: Damit jeder Muslim seinen Glauben hier leben könne, wohne der Imam im Haus, so dass jeder jederzeit in die Moschee kommen könne, berichtete der Vorsitzende. „Darum beneide ich Sie”, gestand Weihbischof Karl Borsch. Er wünsche sich, dass auch die katholischen Kirchen alle Tage geöffnet seien.

Im Helene-Weber-Haus führte Weihbischof Karl Borsch später ein Gespräch mit den Leiterinnen Astrid Natus-Can und Marianne Kaufmann, mit Diakon Rolf Berard und dem Vorstand des Helene-Weber-Haus-Vereins. Die neue Leitung stellte sich und die Bandbreite der Einrichtung als Forum, Ausbildungszentrum, Mehrgenerationenhaus und Vermittlungsstelle für Langzeitarbeitslose vor. Dabei ging es auch um die veränderten kirchlichen und gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Bildungsarbeit. Denn man werde durchaus auch als katholische Einrichtung wahrgenommen, sagte Natus-Can.
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