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Wegbereiter des Sommermärchens: Braun wird 85

Von: Heinz Büse, dpa
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DFB-Präsident Theo Zwanziger (r.) und sein Vorgänger und Vorbild Egidius Braun, der am 27. Februar 85 Jahre alt wird. Foto: ddp

Stolberg. Ein großes, rauschendes Fest ist für ihn kein Thema. Mit Rücksicht auf seine angeschlagene Gesundheit meidet Egidius Braun jede Aufregung. Seinen 85. Geburtstag feiert der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) deshalb im engen Familien- und Freundeskreis.

Zur kleinen Gästeschar im beschaulichen Ambiente eines Restaurants nahe seiner Heimatstadt Aachen zählt auch Theo Zwanziger. „Ich werde ihm am Samstag natürlich persönlich zu seinem Geburtstag gratulieren. Außerhalb meiner Familie ist Egidius Braun der Mensch, den ich am meisten bewundere”, sagte der amtierende DFB-Präsident.

Seit Jahren sorgt sich Fußball-Deutschland um Braun. Im Alter von 81 Jahren war er bei einem Spaziergang unweit seines Wohnsitzes in Stolberg nach einem Schlaganfall zusammengebrochen. Aus der Öffentlichkeit hat er sich seither weitgehend zurückgezogen. Das aktuelle Verbandsgeschehen verfolgt er dennoch nach wie vor mit großem Interesse.

Vor allem für die Fortsetzung des unter seiner Amtszeit verstärkten sozialen Engagements findet Braun lobende Worte: „Nach wie vor ist es ein großes Glück zu sehen, wie das Motto Fußball ist mehr als ein 1:0 zum allgemeinen Begleiter von DFB und Liga geworden ist. Wir können viel Gutes tun für Kinder in Not.”

Sein derzeitiger Gesundheitszustand gilt zwar als stabil, zwingt aber zur Zurückhaltung. Spiele seines Heimatclubs SV Breinig in der Landesliga oder „seiner” Alemannia in Aachen besucht Braun deshalb nur noch sporadisch. Eine große Veranstaltung zu seinen Ehren wird es dennoch geben. „Die Zeit für persönliche Treffen ist leider oftmals knapp. Deshalb freue ich mich besonders auf das Benefizspiel des DFB am 13. Mai gegen Malta, das wir zu Ehren von Egidius Braun an seine Heimatstadt Aachen vergeben haben”, sagte Zwanziger.

Die aktuellen Brandherde im DFB dürften Braun traurig stimmen. Angelegenheiten wie die um Manfred Amerell oder Schlagzeilen wie die über den Vertragspoker mit Bundestrainer Joachim Löw waren ihm stets ein Gräuel. In seiner Amtszeit an der DFB-Spitze war Braun stets um Ausgleich und Harmonie bemüht.

Mit seinem Namen verbindet man großes soziales Engagement. Die Mexiko-Hilfe mit der Unterhaltung des Waisenhauses „Casa de Cuna” in Queretaro, „Keine Macht den Drogen”, „Mein Freund ist Ausländer” - nicht zuletzt diese Initiativen brachten ihm den Beinamen „Pater” ein.

Braun wurde im Oktober 1992 als Nachfolger des verstorbenen Hermann Neuberger zum achten DFB-Präsidenten gewählt. Nach seiner Amtsübergabe an Gerhard Mayer-Vorfelder (2001) zeichnete ihn der Verband mit der Ernennung zum DFB-Ehrenpräsidenten aus und würdigte sein Lebenswerk mit der Gründung der Egidius-Braun-Stiftung für soziale Integration, Kinder in Not und Mexiko-Hilfe. „Er hat den Blick des DFB auf seine sozialen und gesellschaftliche Aufgaben deutlich geschärft”, sagte Zwanziger.

Einer seiner schwersten Stunden in seinem Amt erlebte er bei der WM 1998 in Frankreich: Als deutsche Hooligans in Lens randalierten und den Polizisten Daniel Nivel schwer verletzten, dachte er kurz an Rückzug, sogar an den freiwilligen Abschied der Nationalmannschaft aus dem WM-Turnier.

Für Zwanziger ist es eine Herzensangelegenheit, zum Ehrentag von Braun an dessen Verdienste um die Vergabe der Fußball-WM an Deutschland zu erinnern: „Er hat die Bewerbung in Deutschland gesellschaftlich begründet und dafür gesorgt, dass die europäischen Verbände geschlossen für die WM-Vergabe nach Deutschland stimmten. Ohne Egidius Braun, das vergessen mittlerweile viele, hätte es das Sommermärchen 2006 niemals gegeben.”
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