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Warum ein Werkstattbesitzer gegen den ADAC klagt

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. „Für uns stellt sich die Frage, in wie weit solche Tests des ADAC nachvollziehbar, objektiv und neutral sind?” sagt Dr. Werner Pfeil.

Der Stolberger Rechtsanwalt vertritt das Autohaus von Dirk Rosemeyer gegen den Club der „Gelben Engel”, denn dieser bescheinigte der Werkstatt die Testnote „mangelhaft” in einem im September 2008 im Vereinsmagazin „ADAC Motorwelt” veröffentlichten Betriebscheck.

Dieser „Flop”, so der ADAC, hat den Inhaber tief getroffen. Nicht nur, weil er wenige Monate zuvor noch bei einem Test der Dekra mit „ausgezeichnet” abgeschlossen hat; nicht nur, weil er Umsatzeinbußen aufgrund der Bewertung befürchten muss, sondern vor allem deshalb, „weil ich die vorgeworfenen Fehler gar nicht überprüfen und daraus gegebenenfalls Konsequenzen ziehen kann”, ärgert sich Dirk Rosemeyer.

Denn der ADAC weigere sich Auskunft zu erteilen, welches Fahrzeug zu welchem Zeitpunkt zu Testzwecken inspiziert wurde, wann und wo es zuvor präpariert wurde sowie wann und wo das Fahrzeug überprüft wurde, nachdem es die Werkstatt in Stolberg verlassen hatte.

Zwar hat die 8.Zivilkammer des Aachener Landgerichtes (Akt.-Z.: 8 O 386/08) den ADAC e.V. dazu verurteilt, diese Auskünfte zu erteilen, aber der Club weigert sich und geht vor dem Oberlandesgericht in Berufung.

„Dabei beruft er sich in erster Linie auf Zeugnisverweigerungsrecht und Pressefreiheit”, erklärt Dr.Pfeil, aber diese Punkte seien gar nicht strittig. „Es geht uns nicht um die Veröffentlichung, sondern um die Basisdaten”.

Deshalb hab er auch den Verein, nicht das Magazin verklagt, um die Rechte seines Mandaten zu schützen. Der erfuhr von dem Testergebnis erst durch den Anruf eines Fernsehsenders - zwei Wochen vor der Herausgabe des Magazins - der um eine Stellungnahme zur Internet-Präsentation des Testergebnisses durch den ADAC bat.

„Dass ein solcher Check in unserem Autohaus stattgefunden hat, war mir bis dahin vollkommen unbekannt”, beteuert Rosemeyer.

Mit dieser Praxis unterscheide sich der Automobilclub von anderen Testern. Die würden sich zu erkennen geben, wenn der bis dato unbekannte Testkunde das reparierte Fahrzeug abholen komme. „Dann geht man gemeinsam die Reparatur und mögliche Mängel, die nicht behoben wurden, durch”, so Rosemeyer, „so dass man weiß, woran man ist und Konsequenzen ziehen kann”.

Bei dem ADAC-Test sei dies nicht der Fall gewesen, „und bis heute kann ich weder den Test, die vorgeworfenen Fehler noch die Prüfmethode nachvollziehen”. Ein Betrieb müsse aber die Chance erhalten, reagieren zu können, so Dr. Pfeil. Aber alle Versuche, Informationen dazu vom ADAC zu erhalten, seien gescheitert. Der Club habe nur darauf verwiesen, dass die Identität seiner Testkunden sein höchstes schützenswertes Gut sei, berichtet Rosemeyer. Gleichwohl habe ihm der ADAC Daten angeboten, wenn er diese nicht verwerten würde.

Und bei einem Treffen auf dem Köln-Bonner Flughafen habe Geschäftsführer Volker Knapp einen Nachtest angeboten, über den er vorab informiert werde, so Rosemeyer. „Wie objektiv sind denn solche Prüfungen”, fragt sich auch Rechtsanwalt Dr. Werner Pfeil.

Keine Stellungnahme

Der ADAC selbst „lehnt eine Stellungnahme ab, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt”, so Pressesprecher Maximillian Maurer auf Anfrage. Grundsätzlich handele es sich aber bei den Tests mit unabhängigen Gutachtern um eine Praxis, die immer angewandt werde. „Wir verweisen darauf, dass diese Stichproben nur Momentaufnahmen sind”, so Maurer, „die am nächsten Tag schon anders aussehen können.”

Während sich das Oberlandesgericht Köln Anfang März mit dem Fall beschäftigen will, bereitet der Stolberger Rechtsanwalt die nächste Klage gegen den ADAC vor, um Neutralität und Methoden der Überprüfungen gerichtlich überprüfen zu lassen. Dabei betritt der Jurist neuen Boden: „Es gibt bislang keine Rechtsprechung dazu”, sagt Dr. Pfeil.
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