Stolberg-Liester - Vor der letzten Kiste will niemand aufgeben

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Vor der letzten Kiste will niemand aufgeben

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
Jugendbus-BU
Abenteuer beim „Kisten-Klettern” am Jugendbus: Unmittelbar nach dem 16. Getränkekasten stürtzt der wackelige Turm um, und gut gesichert hängt Daniel van de Pol buchstäblich in der Luft. Foto: D. Müller

Stolberg-Liester. Langsam aber sicher wird es Daniel van de Pol ein wenig mulmig. In schwindelnder Höhe balanciert der 15-Jährige auf aufeinander gestapelten Getränkekisten. Das Ganze ist zwar eine äußerst wackelige Angelegenheit, doch vor der letzten Kiste will er nicht aufgeben.

So steht er dann stolz, wenn auch nur recht kurz, auf der 16. Kiste, als der Turm schwungvoll fällt. Daniel selbst bleibt von dem Sturz der Kisten unberührt, da Markus Ullmann vom „SL Adventures” ihn an Seilen und Gurten sichert.

Jede Woche dabei

Das „Kisten-Klettern” ist die derzeitige Attraktion, die der Jugendbus mit auf den Schulhof der Propst-Grüber-Schule bringt. Doch auch wenn die Teams der mobilen Jugendarbeit nicht jedes Mal etwas Besonderes anbieten, besuchen bis zu 40 Kids montags den Jugendbus.

„Hier ist immer was los. Wir treffen uns und haben eine Menge Spaß”, beschreibt Dominik Peters (15), der im Pirolweg wohnt und jede Woche dabei ist, wenn der Bus von 16 bis 21 Uhr Station auf der Liester macht. Diesmal haben sich gut 25 Jugendliche eingefunden, um vor dem rollenden Jugendheim bei Musik zu klönen oder den Internetzugang und die Spielkonsole des gut ausgestatteten Gefährts zu nutzen.

„In der kleinen Kochnische haben wir schon Spaghetti für 35 Leute gekocht”, berichtet Streetworker Frank Döhla. Fünf Tage die Woche ersetzt der Jugendbus nicht vorhandene Treffpunkte und Aufenthaltsmöglichkeiten für die Heranwachsenden in verschiedenen Ortslagen der Kupferstadt. Dabei genießt die Jugendarbeit starke ehrenamtliche Unterstützung aus der Bevölkerung. Im wahrsten Sinne des Wortes. „Allen voran” sind die beiden Fahrer des Busses, Peter Oebel und Peter Vosseberg, zu nennen.

„Die Mausbacher IG Auenweg zum Beispiel hat den Erlös ihres Straßenfests gespendet. Davon konnten wir Spielgeräte und technische Ausrüstung für den Bus anschaffen. Außerdem bekommen wir auch manchmal Sachspenden wie Knabbereien von Eltern”, erklärt Döhla.

Insbesondere der Standpunkt Liester sei für den Jugendarbeiter interessant, da zwei Gruppen, eine mit und eine ohne Migrationshintergrund, das Angebot der mobilen Jugendarbeit wahrnehmen würden: „Zunächst gab es große Spannungen, aber inzwischen haben sie sich arrangiert. Jetzt ist ein respektvolles Nebeneinander die Basis für ein künftiges Miteinander.”

Erfolge sind spürbar

Die Erfolge der bisherigen Arbeit des durch Stolberg tourenden Teams seien durchaus spürbar, betont Döhla. So sei die Phase des gegenseitigen Kennenlernens, in denen man den Jugendlichen hauptsächlich einen Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten habe, mittlerweile vorbei.

„Wir sind zu Ansprechpartnern und Beratern geworden, die einen echt guten Zugang zu den Kids haben”, erläutert der Streetworker, bevor er sich Elvir Deliu zuwendet. „Frank, hast Du schon gehört? Ich bin Schülersprecher geworden”, begrüßt der 16-Jährige freudestrahlend den Jugendarbeiter, der zwischenzeitlich einem anderen Jugendlichen sein Handy überreicht, damit dieser zu Hause anrufen kann, um Bescheid zu geben, dass er noch länger beim Jugendbus bleibt.

Elvir, stolzer neuer Schülersprecher der Propst-Grüber-Schule, ist froh, dass der Jugendbus montags ein fester Anlaufpunkt auf der Liester ist: „Ich finde das super, genauso wie Night-Soccer. Es ist wichtig, dass es solche Sachen gibt, um uns Jugendliche von der Straße zu holen. Wenn es für uns nichts zu unternehmen gibt, und wir auch keinen richtigen Platz haben, an dem wir uns aufhalten können, dann machen wir mehr Blödsinn mit Alkohol, Drogen, Ärger und so.”

Frank Döhla nickt zustimmend und ergänzt, am Wohnort keinen Platz zu haben, an dem man erwünscht ist, mache es für Heranwachsende nicht gerade leichter, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.
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