Stolberg - Von Ostern an wird Stolberg zugepflastert

Von Ostern an wird Stolberg zugepflastert

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Verboten, aber wieder behoben: Ortseingangsschilder sind Verkehrsschilder, an denen Plakatieren nicht gestattet ist. Dass ausgerechnet dem Verkehrssicherheits-Experten Klaus Kratz dieser Fauxpas unterlief, erfreute die Gemüter der politischen Mitbewerber. Foto: D. Müller

Stolberg. Sie füllen sich, die Ränder von Straßen und Wegen. Unübersehbar hat der Wahlkampf begonnen. Doch vor der Werbung der Parteien und Wählervereinigungen im öffentlichen Raum hat der Gesetzgeber die Sondernutzungserlaubnis gesetzt, die das städtische Ordnungsamt erteilt.

„Mittlerweile ist sie von alle Parteien beantragt worden“, bestätigt Abteilungsleiter Hans Maassen auf Anfrage unserer Zeitung. Sechs Wochen vor dem Wahltermin darf begonnen werden, drei Tage später muss die Flut von Plakaten und Ständern verschwunden sein.

Noch keine Bußgelder verhängt

Wobei nicht ausgeschlossen wird, dass manch eifriger Politiker zuerst plakatiert und erst dann die Genehmigung beantragt haben mag. Denn sie ist ein detaillierter Leitfaden durch Auflagen und Bedingungen wo nicht und wie die Wahlwerbung drapiert werden darf. So dürfen beispielsweise keine Plakatständer an Laternenmasten befestigt werden, wenn die auf oder nahe einem Gehweg steht und „die Restbreite mit Dreieckständer weniger als 1,20 Meter beträgt“. Das Annageln an Bäume ist natürlich auch nicht gestattet, und selbstverständlich gilt, dass solche Plakatträger so anzubringen sind, dass „sie nicht vom Wind oder von Passanten umgeworfen werden können und sich niemand daran verletzen kann“.

Ganz wichtig ist auch, dass die Wahlwerbung „weder durch Sichtbehinderung noch durch Ablenkung die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer beeinflusst.“ Und für alle Schäden, die durch solche Werbeträger entstehen, haftet der Inhaber der Sondernutzungsgenehmigung; „mögliche Reparaturkosten werden ihnen in Rechnung gestellt“, warnt Maassen.

Während ausschließlich für den Wahlkampf die EWV die Nutzung ihrer Laternen toleriert, ist das Anbringen von Plakaten an Verkehrszeichen und Ampeln nicht gestattet. Darüber hinaus sind in Stolberg folgende Bereiche plakatfrei zu halten: die Zäune entlang der Gleise der Euregiobahn, alle Geländer und Gitter am Lauf des Vichtbaches sowie des Bastinsweihers und die Landesstraße 238 (Europa-/Zweifaller Straße) von der Einmündung Finkensiefstraße bis zur Eisenbahnstraße.

Verstöße gegen solche Auflagen sind mindestens Ordnungswidrigkeiten und können mit einer Geldbuße von bis zu 1000 Euro belegt werden. „Das ist in Stolberg aber noch nicht vorgekommen“, erklärt Maassen. „Probleme konnten immer im einvernehmlichen Gespräch schnell geklärt werden.“

Ein solches führte auch dazu, dass am Mittwoch Klaus-F. Kratz einige seiner Plakate am Ortseingangsschild der Zweifaller Straße und am Brückengeländer gegenüber der Finkensiefstraße zügig an andere Stellen hängte. Pikanterweise der Bürgermeister-Kandidat, der sonst stets einen besonderen Blick auf die Verkehrssicherheit legt. Beim Aufhängen kannte der Kandidat die Auflagen noch nicht, denn ein anderes UWG-Vorstandsmitglied hatte die Sondernutzungserlaubnis beantragt, klärt Kratz auf.

Das neue Kaldenbach-Format

Die Umhängeaktion wird unter dem Strich an den Perspektiven in der Kupferstadt für die nächsten Wochen natürlich nichts ändern: Ein Meer von Tausenden Plakaten wird den Weg durch die Stadt säumen. Zehn Parteien und sieben Bürgermeister-Kandidaten wollen ins Rathaus. Europa-, Städteregions- und Stadtratswahl werfen ihre Schatten voraus in unterschiedlichen Formaten – vom Din A1- (0,84 mal 0,59 Meter) und Din A0-Plakat (1,18 mal 0,84 Meter) bis zum 3,70 mal 2,90 Meter messenden Wesselmann. Mit einem neuen Format will der unabhängige Bürgermeister-Kandidat Alex Kaldenbach die Klassiker aufmischen: 3,40 mal 1,70 Meter – das entspricht der Größe von Bauzäunen. Und auf 40 solcher Absperrgittern werden von den kommenden Tagen an Kaldenbachs Konterfei und Thesen den Stolbergern entgegen prangen.

Auf große Formate setzen auch die beiden großen Parteien und ihre Spitzenkandidaten, um Stimmen für den Einzug ins Stolberger Rathaus zu werben. Jeweils etwa 20 Mal werden Ferdi Gatzweiler und Dr. Tim Grüttemeier großflächig die Betrachter anlächeln. Hinzu kommen zahlreiche kleine Plakate. Jeder SPD-Ratskandidat ist mit 25 Postern präsent, verrät ihr langjähriger Wahlkampfexperte Hans Kleinlein. Das macht bei 22 Wahlbezirken 550 Plakate. Mit Themen und Personen wird die CDU etwa neun Dreiecksständer pro Bezirk bestücken – das macht 594 Werbeflächen.

Hinzu kommen die Marketing-Aktivitäten der Landesverbände. „Wenn sie denn kommen“, so Mathias Prußeit. Den Stolberger Linken wurde ein Großplakat angekündigt. Fürs Kommunale müssen aus Kostengründen 300 Plakate reichen. Teils mit politischen Thesen, teils mit den vier Spitzenkandidat(innen), wobei Prußeit auf seine Bürgermeister-Kandidatur aufmerksam machen will.

Erwartungsvoll blickt auch Bernd Engelhardt auf die Aktivitäten der Landes-FDP. Die Stolberger Liberalen wollen zurückhaltend werden und bis auf einige wenige markante Punkte die Wohnbereiche „verschonen“. Themen setzen für Stolberg wollen sie 350 Mal, für die Städteregion 150 Mal.

Canvassing statt Papier-Portraits

Bewusst verzichtet die Stolberger FDP auf einen personalisierten Wahlkampf. „Unsere Politiker sind vor Ort bestens bekannt“, sagt Engelhardt. Mehr auf das persönliche Gespräch beim Canvassing als auf Papier-Portraits setzen Stolbergs Liberale, die auf einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten verzichtet haben. Anders die UWG, bei der die Devise „fifty-fifty“ gilt: 300 Poster präsentieren Klaus-F. Kratz als Bewerber für den Chefsessel im Rathaus, und mit weiteren 300 Plakaten trifft die UWG politische Aussagen. Mit rund 200 Plakaten werden die Internet basierten Piraten die Kupferstadt entern. „Wichtiger sind aber die Köpfe vor und nicht auf den Plakaten“, sagt Spitzenkandidat Udo Rüttgers.

„Schon schmutzig genug“

Das macht unter dem Strich schon einmal weit mehr als 2.500 Poster alleine für die Kommunalwahl von den demokratischen Kräften in der Kupferstadt. Nur eine Gruppierung möchte bislang ganz auf diese Art des Marketings verzichten: „Stolberg ist schon schmutzig genug“, sagt ABS-Chef Bert Kloubert. „Da müssen nicht auch noch unsere Plakate das Stadtbild beeinträchtigen.“ Dabei wäre das für die ABS mit dem geringsten Aufwand zu leisten: Sie tritt in lediglich sechs Wahlbezirken mit Bewerbern an.

Übten die Stolberger Parteien während der Fastenzeit noch weitgehend Verzicht, so ist mit der Karwoche der Leidensweg der Stolberger eingeläutet worden. Von Ostern an wird die Freude der Parteien am Plakatieren keine Ende nehmen – mindestens bis zum letzten Sonntag im Mai, wahrscheinlicher aber bis zum Stichwahl-Termin am 15. Juni.

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