Stolberg - Von „Mieki” bleibt nur ein Härtefallfond

WirHier Freisteller

Von „Mieki” bleibt nur ein Härtefallfond

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
Ein Ziel des Bildungs- und Tei
Ein Ziel des Bildungs- und Teilhabegesetzes ist, dass nicht nur in den Schulen unser Bild zeigt die Grundschule Zweifall , sondern auch in Kitas möglichst alle Mädchen und Jungen ein Mittagessen erhalten. Foto: M. Grobusch

Stolberg. So richtig wohl fühlen sich Willi Seyffarth, Hans-Josef Wellmann und Manfred Steffens nicht. Und dennoch haben sie sich zu einem einschneidenden Beschluss durchgerungen: Die Hilfsaktion „Mittagessen im Kindergarten” (Mieki) wird es in Zukunft nur noch in deutlich reduziertem Umfang geben.

Grund hierfür ist das Gesetz zum Bildungs- und Teilhabepaket, das zum 1. April 2011 in Kraft getreten ist. Es sieht vor, dass Kindern und Jugendlichen ein Zuschuss zu den Kosten für ein gemeinschaftliches Mittagessen in Kitas und Schulen gewährt wird, wobei jede Familie pro Kind und Mahlzeit einen Eigenanteil von einem Euro tragen muss.

„Es wäre unfair und unehrlich gewesen, wenn wir diese veränderten Voraussetzungen nicht berücksichtigt hätten”, betont Hans-Josef Wellmann, der die Arbeiterwohlfahrt in Stolberg zwölf Jahre lang angeführt hat. Und sein Freitagabend auf der Jahreshauptversammlung gewählte Nachfolger Manfred Steffens erklärt: „Wir haben genügend Rücklagen, um Mieki als Notfallfond noch einige Zeit weiterzuführen.”

Für diesen gelten allerdings veränderte Kriterien: „Bislang war der Bezug von Hartz IV entscheidend. Ab sofort wird die Auswahl in erster Linie von sozialen Indikatoren abhängen”, kündigt der städtische Fachbereichsleiter Willi Seyffarth an. Entscheidungsträger wird das Jugendamt sein, die - ehrenamtliche - Führungsrolle, die die Arbeiterwohlfahrt seit Beginn des Projektes im Herbst 2007 hatte, wird nun von der Stadt übernommen.

Die gemeinschaftliche Entscheidung der Initiatoren basiert auf den veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen, doch sie trägt auch anderen Umständen Rechnung: „Es ist immer schwieriger geworden, die Mittel für die zunehmende Zahl von Mittagessen zu akquirieren”, gibt Hans-Josef Wellmann zu bedenken. Auch sein persönliches Ausscheiden aus dem AWO-Vorstand dürfte ein wesentliches Argument gewesen sein, auch wenn der langjährige Frontmann der AWO dies so nicht bestätigen möchte.

Am Freitag bemühten sich die Protagonisten um eine positive Bilanz. „Die Situation war brisant, und wir haben es vier Jahre lang geschafft, Hilfe zu leisten,” stellte Manfred Steffens fest. „Jetzt sind wir dort, wo wir hinwollten. Die Finanzierung ist zu einer öffentlichen Aufgabe geworden.”

Der neue Vorsitzende macht allerdings keinen Hehl daraus, dass er gespannt ist auf die weitere Entwicklung. „Es bleibt ein offener Betrag von Euro. Und in vielen Familien, die wir unterstützt haben, gibt es drei oder vier Kinder.” Außerdem stelle das Antragsverfahren für die Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket eine hohe Hürde für viele Bedürftige dar.

In den nächsten Monaten soll die Situation deshalb intensiv beobachtet werden. Und wenn es erforderlich sein sollte, könnte es auch einen Weg zurück geben. Wie Steffens bevorzugen aber auch Wellmann und Seyffarth eine andere Lösung: „Wir hoffen, dass der Staat die Kosten für das Mittagessen bald komplett übernehmen wird.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert