Von Gaddafi über Galminus auf die Burg: Die Reise des Dr. Fuchs

Von: Robert Flader
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Fühlt sich am wohlsten, wenn
Fühlt sich am wohlsten, wenn er „zu tun” hat: Roland Fuchs im Museum an der Torburg. Foto: R. Flader

Stolberg. Bei diesem kurzweiligen Werdegang könnte man annehmen, dass der Mann jetzt einfach seine Ruhe haben will. Aufregend genug war sein Leben ja in der Tat, einen offiziellen Besuch beim ehemaligen libyschen Machthaber Muammar Al-Gaddafi und eine Flucht aus der ehemaligen DDR haben ja nicht unbedingt viele Stolberger in ihrer Vita stehen.

Und doch: Roland Fuchs - Professor Dr. Roland Fuchs - will von Ruhe nichts wissen. Noch lange nicht. Er steht im Museum an der Torburg, schnitzt ein bisschen an alten Holztafeln und sagt plötzlich: „Es gibt noch viele Projekte.” Wer sich mit der Person des ehemaligen Leiters der Onkologie im Eschweiler St.-Antonius-Hospital beschäftigt, der weiß, dass dies nicht als Drohung zu verstehen ist. Im Gegenteil, der agile Professor, der aussieht wie Mitte 50, hat durchaus ein Auge für das Wohl seiner Mitmenschen.

„Wichtig ist die Freude der Leute”

Ohne Fuchs gäbe es den Galminus-Brunnen auf dem Willy-Brandt-Platz und die rot-gelben Fensterläden, mit denen die Burg zum Stadtfest Anfang September verschönert werden sollen, nicht. Es sind Spenden, Geschenke an die Stadt und ihre Anwohner. Bezahlt hat er alles aus eigener Tasche, „aber über Summen in der Öffentlichkeit zu reden ist nicht nötig. Wichtig ist, dass die Leute Freude an diesen Dingen haben.”

Sowas von einem pensionierten Arzt zu hören, der doch schon 69 ist, klingt nicht ganz gewöhnlich. Aber was war im Leben von Roland Fuchs schon gewöhnlich?

Geboren und aufgewachsen in einem kleinen sächsischen Ort in der ehemaligen DDR, studierte Fuchs Medizin in Leipzig. Später brachte er es zu einem angesehen Chefarzt in der Klinik für Hämatologie in Erfurt, später in Magdeburg. „Ich habe viele Einblicke in das wirkliche Leben der DDR erhalten” resümiert Fuchs und schaut zum Fenster hinaus auf die Stolberger Burg, die damals, Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre, viel weiter weg als nur ein paar hundert Kilometer war. Zwei deutsche Staaten, eine Mauer, und die ewige Suche nach Freiheit. „Meiner Familie wollte ich das ersparen”, sagt er.

Wenn er Auskunft zu seinem früheren Leben gibt, spricht Fuchs aber auch von „Glück”. Im Nachhinein war es wohl dieses Glück, dass ihn ein offizieller medizinischer Lehrauftrag nach Libyen führte, „ich durfte Gaddafis Söhne zu Akademikern ausbilden, die gesamte libysche junge Garde sollte damals zu den führenden Medizinern weltweit gehören.” Von einem Unrechtsstaat ging es 1981 in den nächsten, wo Fuchs einen folgenreichen Entschluss fasste: „Ich habe diesen Schritt lange geplant und bin von Tripolis aus in die Bundesrepublik geflüchtet.” Seine Familie, Frau Dorothee und die drei Kinder, blieben im Osten zurück, „als Faustpfand, so wie das damals üblich war”.

Fuchs klingt jetzt ein bisschen verbittert, er musste in den Anfangsjahren mehr oder weniger freiwillig seine Adressen ändern, 18 Mal insgesamt, auch in einem Auffanglager lebte er eine Zeit lang. „Ich war sozial lange Zeit isoliert.” 1984 dann kam die Familie in den Westen, „ich wollte sie ihrem Schicksal in der DDR nicht überlassen.”

1988 schließlich wurde er Chefarzt der Onkologie in Eschweiler, im selben Jahr zog er nach Büsbach, wo er auch heute noch lebt. „Ich fühle mich als echter Stolberger, ich bin zufrieden, was für mich nicht selbstverständlich ist.” Dankbarkeit spricht aus seiner Stimme und erklärt teilweise auch seine großzügigen Spenden, die er mit dem Gang in den Ruhestand 2008 in Angriff nahm. „Ich habe in Stolberg soziale Reintegration erfahren”, sagt der Mann, der sich als gläubig, nicht aber als regelmäßigen Kirchgänger bezeichnet.

Mit dem Rad zum Klinikum

Im Förderverein des Torburg-Museums ist er Vorsitzender, derzeit arbeitet er an der Kupfermeister-Ausstellung, danach soll es um das Thema „Schule in Stolberg zu Kaisers Zeiten” gehen, „es gibt noch einiges zu tun”, wiederholt Fuchs, der mehrmals pro Woche mit dem Rad zum Aachener Uni-Klinikum fährt, wo er auch ein Projekt im Krebszentrum leitet. Ruhestand? Fuchs wehrt sich erfolgreich.

Bürgermeister Ferdi Gatzweiler habe 2008, als die Brunnen-Idee spruchreif wurde, „überrascht, aber natürlich auch sehr erfreut” reagiert. Aber warum schenkt eine Privat-Person einer ganzen Stadt gleich einen kompletten Brunnen? „Ich wollte den Menschen, die mich hier so herzlich aufgenommen haben, ein Geschenk machen”, sagt der Büsbacher. Mehr sagt er nicht, der Brunnen soll für sich selbst sprechen.

Das sollen auch die Fensterläden der Burg im kommenden Monat, Roland Fuchs möchte dann am liebsten im Torburg-Museum sitzen „und den Blick auf die Burg einfach nur genießen”. Genau genommen genießt er seit 24 Jahren. Seit er nach einer langen Odyssee in Stolberg angekommen ist.
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