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Volkstrauertag: Eine stetige Mahnung

Von: Heike Eisenmenger
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Gegen das Vergessen - der Volk
Gegen das Vergessen - der Volkstrauertag auf dem Friedhof Bergstraße: Neben Bürgermeister Ferdi Gatzweiler sprachen auch Pastor Hans Rolf Funken und sein evangelischer Kollege Dieter Grode. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Viele Soldaten waren blutjung, als sie starben. Sie fanden den Tod im feindlichen Kugelhagel, sie wurden von Granatsplittern getroffen und sie starben, weil ihre Körper von Hunger und Kälte völlig entkräftet waren.

Einige der Millionen Soldaten, die im Laufe der beiden Weltkriege ums Leben kamen, haben ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof an der Bergstraße gefunden. Ihre Namen wurden in schlichte Steinkreuzen gemeißelt. Doch viele Soldaten, aber auch Zivilisten, die in diesen Kriegen starben, haben nicht einmal ein Grab.

Der unzähligen Opfer beider Weltkriege wird beim Volkstrauertag gedacht. Auch auf dem Friedhof Bergstraße wurde am Sonntag der Gedenktag zelebriert. Organisiert wird er von den Ortsverbänden des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Auch weitere Vereine und Verbände helfen mit.

Das Niederlegen der Kränze vor dem Ehrendenkmal auf dem Stolberger Friedhof mit den schönen, alten Bäumen ist ein Zeichen des Respekts. Eine stetige Mahnung, es nie wieder so weit kommen zu lassen. Das betonte auch Bürgermeister Ferdi Gatzweiler: „Hitler hat von Anfang an klar gesagt, was sein Ziel ist und aus seinem Rassenwahn kein Geheimnis gemacht. Nur weil ein einziger Mensch an Größenwahn leidet und weil politische Verbrämtheit eine Rolle spielt, wurden Millionen von Menschen, ganz Europa, ins Unglück gestürzt.” Gatzweiler sieht alle in der Pflicht, Angriffe gegen die Demokratie abzuwehren. „Mir ist es dabei ganz egal, ob diese Angriffe von rechtsradikaler Seite oder Linksextremisten kommen. Die Demokratie ist eine Staatsform, die wir uns erarbeiten müssen!”

Einige der Teilnehmer bei der Gedenkfeier haben den Zweiten Weltkrieg als junge Menschen selbst erlebt. Etwas abseits von der Zeremonie auf dem Friedhof Bergstraße verharrt eine alte Frau. Sie sieht traurig aus. Wen mag sie wohl betrauern? War es ihr Vater, ihr Bruder oder ihre erste große Liebe, die nicht aus dem Krieg heimkehrte?

Auch Ernst Drosson vom Männergesangverein Donnerberg - der Chor untermalt die Gedenkfeier musikalisch - erinnert sich.

Er war 17 Jahre alt, als er in Gefangenschaft geriet. Drosson kam in das berüchtigte Rhein-Wiesen-Lager der Amerikaner. Etwa zwanzig dieser Kriegsgefangenenlager gab es längs des Rheins am linken Flussufer. Mit rund einer Millionen Inhaftierten waren die Amerikaner restlos überfordert. „Wir schliefen unter freiem Himmel auf nacktem Acker- und Wiesenboden. Man kann sich diesen Horror heute gar nicht mehr vorstellen”, sagt der Donnerberger. „Es war kalt, fürchterlich kalt. Es regnete in jenem Mai 1945 fast ohne Unterlass. Viele von uns gruben mit den bloßen Händen Erdlöcher, um wenigstens ein bisschen Schutz vor dem Wetter zu haben.” Tausende kamen in diesen Erdlöchern um. „Die Soldaten in den Schlammlöchern erstickten jämmerlich”, erzählt Drosson. „Das Schlimmste waren dieser Hunger und die ewige Kälte. Die Kriegsgefangenen starben wie die Fliegen, vor allem an der Ruhr.” Auch Drosson litt an der gefährlichen Krankheit, aber er überlebte.

„Nicht zu vergessen”

Zurück aus Gefangenschaft, hat er versucht, die schlimmen Erlebnisse aus seinem Gedächtnis zu streichen. „Nicht zu vergessen, aber man muss vorwärts schauen. Wir waren doch noch so jung und wollten leben. Viele junge Frauen standen damals plötzlich als Witwe da, hatten drei oder vier kleine Kinder, für die sie sorgen mussten. Für mich sind diese Frauen Heldinnen”, sinniert der 84-Jährige.

Zur Gedenkfeier ist auch Anni Scheidt, 86 Jahre alt, erschienen. Die beiden kennen sich seit ihrer Jugendzeit. „Ja, wir wollten einfach weiterleben. Wir haben so viel getanzt damals, nicht?”, sagt Anni Scheidt lächelnd zu Drosson. „Ja, das waren schöne Zeiten”, antwortet und auch über sein Gesicht huscht ein Lächeln.
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