Stolberg - „Viele vernünftige Lösungen” in Stolberger Unternehmen

„Viele vernünftige Lösungen” in Stolberger Unternehmen

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Sieht die Leiharbeit als Ausnahme an, die nicht zur Regel werden darf: Helmut Wirtz von der Stolberger IG Metall.

Stolberg. Wenn es bei der IG Metall um Statistiken geht, fällt die Verwaltungsstelle Stolberg regelmäßig aus dem Rahmen. Mit einem hohen Organisationsgrad in den Betrieben, vielen gelungenen Ergänzungstarifabschlüssen mit den Arbeitnehmern und den gegen den allgemeinen Trend stabilen Mitgliederzahlen auf hohem Niveau hat sich die hiesige Gewerkschaft einen Namen gemacht - und das bundesweit.

Auffälligkeiten gibt es auch bei den Ergebnissen einer Online-Kurzbefragung zum Thema Kurzarbeit, deren Ergebnisse die nordrhein-westfälische Bezirksleitung heute in Düsseldorf vorgestellt hat. Während in vielen Städten von einer hohen Quote berichtet wird, ist die Zahl der Leiharbeitskräfte in Stolberg markant niedrig. Aktuell knapp 100 hat IGM-Geschäftsführer Helmut Wirtz gezählt. Ihnen stehen rund 5500 Industriearbeitsplätze in Unternehmen mit einem Betriebsrat gegenüber.

Quote bei nur 0,2 Prozent

„Leiharbeit ist für mich eine moderne Form der Sklaverei”, wählt Wirtz deutliche Worte. Somit kann er sich glücklich schätzen, dass ihr Anteil im Bereich seiner Verwaltungsstelle bei lediglich rund 0,2 Prozent liegt. Mit Glück allerdings, so betont Gewerkschaftssekretär Georg Moik, habe das nichts zu tun. „Wir haben vielmehr in nahezu jedem zweiten Betrieb mit der jeweiligen Geschäftsführung verbindliche Vereinbarungen zur Leiharbeit geschlossen.”

Moik und Wirtz berichten von einem Konsens, der zwischen ihnen und vielen Verantwortlichen in den Betrieben bestehe. „Es setzt sich immer mehr die Einsicht durch, dass Leiharbeit für die Unternehmen gar nicht günstiger ist. Außerdem zeigt die Praxis, dass Leiharbeit für unsere Industrie keine adäquate Lösung bietet, weil die verfügbaren Arbeitskräfte in vielen Fällen nicht die erforderliche Qualifikation haben”, betont der Geschäftsführer.

In Maßen und unter bestimmten Bedingungen eingesetzt, hat sich in den vergangenen Jahren und Monaten aber auch Helmut Wirtz der Leiharbeit nicht grundsätzlich in den Weg gestellt. „Leiharbeit bietet die kurzzeitige Möglichkeit, Auftragsspitzen zu bewältigen. Das gilt aber nur für den Fall, dass Leiharbeiter für das gleiche Geld und unter den gleichen Bedingungen eingesetzt werden wie die Stammbelegschaft.” Auch die rechtliche Vertretung der ausgeliehenen Kollegen müsse geregelt sein. Gefragt sind in solchen Fällen vor allem die Betriebsräte. „Sie haben einen Anspruch darauf, vom Arbeitgeber vor jeder Einstellung informiert und gehört zu werden”, betont Georg Moik. „Und natürlich gibt es auch bei Leiharbeitern die Möglichkeit des Widerspruches.”

Auch wenn Helmut Wirtz von „vernünftigen Lösungen in vielen Stolberger Betrieben” berichtet, sieht er insgesamt weiterhin Handlungsbedarf. Deshalb wird sich auch die Verwaltungsstelle Stolberg am bundesweiten betrieblichen Aktionstag gegen Leiharbeit am kommenden Donnerstag, 24. Februar, beteiligen. Geplant ist allerdings keine öffentlichkeitswirksame Kundgebung, sondern eine interne Diskussion zwischen Gewerkschaftern, Betriebsräten sowie Geschäftsführern und Personalleiter. Das Motto des Aktionstages wird auch in dieser Runde den Schwerpunkt vorgeben: „Gleiche Arbeit, gleiches Geld. Arbeit sicher und fair.”
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