Vichter Dorfladen: Einkaufen wie bei Tante Emma hat Erfolg

Von: Katharina Menne
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Freuen sich darüber, dass der Vichter Dorfladen gut läuft: (v.l.) Vorstandsmitglied Rudolf Vanderhuck, die ehrenamtlichen Verkäuferinnen Helene Hilgers und Ingeborg Glahn, der Vertriebsleiter der EWV Axel Kahl und der stellvertretende Vorsitzende Jochen Emonds. Foto: K. Menne

Stolberg-Vicht. 62.800 Brötchen, 16374 Eier und 377 Kilogramm Erdbeeren – wenn Rudolf Vander­huck aufzählt, was im Vichter Dorfladen innerhalb eines Jahres über die Ladentheke geht, klingt er mächtig stolz.

Der ehemalige Handelsberater ist zuständig für die Ladenorganisation des kleinen Treffpunkts des Vichter Dorflebens und aus seiner Sicht läuft es fantastisch. Am 27. September feiert der Laden bereits seinen zweiten Geburtstag.

„Der Dorfladen hat eine Versorgungslücke geschlossen, die die altersbedingte Schließung des letzten kleinen Lebensmittelgeschäfts in Vicht vor rund fünf Jahren gerissen hat“, erklärt der 72-Jährige. Die Angst davor, dass Vicht dadurch langsam aber sicher zur Schlafstätte werden könnte, war der Auslöser für die Idee, einen Dorfladen zu gründen.

Als „Vichter Modell“ bekannt

Gesagt, getan: Gestemmt wird das ganze Projekt seit September 2014 allein durch ehrenamtliches Engagement. 144 Mitglieder zählt der Trägerverein bereits und etwa 50 Ehrenämtler sind im Verkauf, im Hausmeisterdienst, in der Buchhaltung, der Organisation oder für sonstige Tätigkeiten im Hintergrund aktiv.

Diese Vorgehensweise ist mittlerweile schon über die Grenzen Stolbergs und der Städteregion hinaus als „Vichter Modell“ bekannt. „Wir bekommen immer wieder Anfragen von anderen Dörfern und Kommunen, die fragen, wie wir das machen. Wir geben dann natürlich bereitwillig Auskunft“, sagt Vander­huck – das sei Ehrensache.

Eventuelle Gewinne, die der Dorfladen in Zukunft erwirtschaftet, sollen an soziale Projekte ausgeschüttet werden. Denn gewinnorientiert arbeitet man hier nicht. Einzig wichtig sei, dass am Ende des Geschäftsjahres eine schwarze Null auf dem Papier steht, sagt Rudolf Vander­huck.

Auch in Bezug auf sein eigenes Engagement gibt er sich bescheiden. „Ich möchte in meinem Alter meine Berufserfahrungen nochmal in ein Projekt einbringen, an dem sich viele Menschen erfreuen“, sagt er. Neben seinen Tätigkeiten in der Warenwirtschaft und im Management engagiert er sich deshalb auch im Vorstand.

Genau wie Jochen Emonds. Dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Vereins liegt vor allem die soziale Komponente des Vichter Dorfladens am Herzen: das angeschlossene Café. „Wir wollten einen Treffpunkt schaffen, an dem die Leute zusammenkommen, sich austauschen und nebenbei die Dinge des alltäglichen Gebrauchs erwerben können“, sagt der 33-Jährige.

Und das sei offensichtlich gelungen, rechnet Emonds zusammen mit Vanderhuck vor. Der Umsatz sei im Vergleich zum vergangenen Jahr um etwa acht Prozent gestiegen. 180 Besucher zähle der Laden durchschnittlich pro Tag. Das sei sogar besser als zu Beginn im Businessplan kalkuliert. „Die Zahlen machen Mut und sind zusammen mit den überaus positiven Rückmeldungen, Motivation weiterzumachen“, sagt Emonds.

Den größten Anteil an den Einkäufen mache, wie erwartet, das Frische-Sortiment aus. Dazu zählen Backwaren, Fleisch und Wurst, Molkereiprodukte sowie Obst und Gemüse. All das also, bei dem der Kunde noch Wert lege auf Regionalität und Qualität und wofür er nicht umbedingt zum Discounter fahre. „Wir haben deshalb Kooperationen mit umliegenden Produzenten geschlossen, wie zum Beispiel mit der Landbäckerei Berzborn aus Zweifall oder mit der Fleischerei Bungenberg“, sagt Vander­huck.

Das sei eine Win-Win-Situation für beide Seiten. „Wir kaufen das bereits bestehende positive Image der Produzenten ein und die haben umgekehrt durch uns einen weiteren Absatzweg.“ Indem man sich gegenseitig unterstütze, steuere man auch einem fortschreitenden Geschäftssterben entgegen.

Dass der Bedarf für einen solchen Laden da ist, auch über die Grenzen von Vicht hinaus, merkten Emonds, Vanderhuck und die anderen aus dem Planungsteam in der Anfangsphase schnell. Nicht nur die Umfragen ergaben ein entsprechendes Bild, auch der Aufruf, sich am Startkapital von 40000 Euro zu beteiligen, ließen sich die Vichter nicht zweimal sagen. Innerhalb eines Jahres hatte man das Geld zusammen.

Problem: Die Parksituation

Ganz ohne fortwährendes Sponsoring ginge es jedoch nicht, gibt Jochen Emonds zu. Deshalb sei man froh, dass sich zum Beispiel die EWV mit 3000 Euro pro Jahr an den Ausgaben beteiligt und in Energiefragen mit Rat und Tat zur Seite steht.

Strukturelle Probleme macht zur Zeit nur die Parksituation vor dem Geschäft. Es seien zwar von der Stadt aus weitere Parkplätze auf der Straße ausgewiesen worden, doch die würden häufig von Anwohnern belegt. Eine diskutierte Lösung wäre die zeitliche Parkbegrenzung, um für mehr Fluktuation zu sorgen und noch mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, den Laden zu besuchen.

Denn der Vichter Dorfladen ist mehr als ein Lebensmittelgeschäft und ein Café. Er ist auch eine Reinigungsannahmestelle, eine Postfiliale, eine Lottoverkaufsstelle und beherbergt einen Fotodrucker – eben ein echter Tante-Emma-Laden wie aus alten Zeiten.

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