Stolberg-Zweifall - Verkehrszähmer bringt Ordnung ins morgendliche Chaos

Verkehrszähmer bringt Ordnung ins morgendliche Chaos

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Zu Fuß auf dem Weg zur Schule: Das gilt in Zweifall mittlerweile für mehr als 90 Prozent der Grundschüler. Foto: M. Grobusch

Stolberg-Zweifall. Die Zustände waren einfach nicht mehr tragbar. Davon ist Ute Esser auch heute noch überzeugt. Parkende Autos auf den Bürgersteigen, parkende Autos auf der Straße, Engpässe für den Bus – und mitten drin die Kinder. Es ging oftmals chaotisch und damit auch gefährlich zu in der Kornbendstraße, ehe um 8 Uhr schließlich der Unterricht in der Grundschule begann – und Ruhe eintrat.

„Immer mehr Kinder wurden mit einem Fahrzeug zur Schule gebracht. Auch viele von denjenigen, die im Ort wohnen und den Weg eigentlich problemlos zu Fuß hätten zurücklegen können“, blickt die Schulleiterin zurück. „Das Verkehrsaufkommen hatte extrem zugenommen. Daran wollten wir endlich etwas ändern.“

Dass dies gelungen ist, steht schon wenige Wochen nach dem Start des Projektes, das in Stolberg Pilotcharakter hat, fest. Vom „Verkehrszähmer“, der auf eine Initiative der Baesweiler Lehrerin Angela Baker-Price zurückgeht und mittlerweile vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert wird, haben sich Lehrer, Eltern und Kinder offenbar gleichermaßen begeistern lassen.

Mittlerweile erreichen mehr als 90 Prozent der Erst- bis Viertklässler, die zuvor beim „Bordstein-Training“ erste Erfahrungen gesammelt hatten, die Schule am Morgen zu Fuß – nicht nur bei gutem Wetter. Das hat auch mit der Dynamik zu tun, die das Projekt in den Klassen erfahren hat. Denn für die Teilnahme werden Zaubersteine an die Kinder ausgegeben. „Und jeden Morgen wird explizit abgefragt, wer zu Fuß zur Schule gekommen ist“, so Esser. Als Belohnung gibt es dann für eine bestimmte Anzahl von Zaubersteinen beispielsweise Hausaufgabenfrei oder eine doppelte Hofpause.

Dies alleine aber hätte für die positive Aufnahme des „Verkehrszähmers“ wohl nicht gereicht. Deshalb hat die Schule nach dem Grundsatzbeschluss der Schulkonferenz frühzeitig auch die Mütter und Väter in die Vorbereitungen einbezogen. Insgesamt gab es einen Elternabend und acht weitere Infobriefe, ehe zu Beginn des Jahres die Umsetzungsphase eingeläutet wurde.

Zu dieser gehört auch der begleitende Unterricht in Sachkunde. Acht Einheiten à zwei Stunden wurden in den Plan der 145 Kinder aufgenommen. „Beim ersten Mal ist das natürlich mit sehr viel Arbeit verbunden. Aber in Zukunft wird sich dieser Umfang auf die Erstklässler beschränken, während es bei den übrigen Klassen nur noch eine Auffrischung gibt“, betont Ute Esser.

Markt als erste Anlaufstelle

Während die Eltern der Zweifaller Kinder nun überwiegend ganz auf den Einsatz ihres Fahrzeuges verzichten, dient den Auswärtigen – sie kommen in erster Linie aus Rott – der Zweifaller Markt als erste Anlauf- und Ausstiegsstelle. Nur dienstags machen sich die Kinder wegen des Wochenmarktes von der Kirche aus auf den Weg Richtung Grundschule – in der dunklen Jahreszeit ausgestattet mit unübersehbar gelben Leuchtwesten und -kragen.

Ute Esser ist zufrieden. „Die Situation vor der Schule hat sich deutlich entspannt. Außerdem tun die Kinder durch den Fußmarsch etwas für ihre Gesundheit, die Konzentrationsfähigkeit und ihre Selbstständigkeit.“ Zeitlich begrenzt ist das Projekt im Übrigen nicht. Ganz im Gegenteil, betont die Leiterin: „Hier geht es um eine langfristige und nachhaltige Sache.“ An der vielleicht auch noch andere Grundschulen in Stolberg Gefallen finden könnten...

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